
© tipe Erceg in der Serie „Culpa“ / (c) 13th Street
Die neue 13th Street-Serie Culpa nimmt uns mit in den Beichtstuhl, wo wir einen mysteriösen Priester und seine illustre Klientel kennen lernen. Ein „psychologisches Kammerspiel“ hat der deutsche Pay-TV-Sender angekündigt, der unter dem Dach von NBCUniversal beheimatet ist. Was die vier Episoden um Stipe Erceg dann einlösen, wird diesem Anspruch gerecht.
Worum geht es?
Der Großteil der Serie spielt auf engstem Raum, in einem Beichtstuhl, der Rest um selbigen herum, in der Kirche, manches in der angrenzenden Kammer des Priesters. Nur für die Einleitung und die Auflösung verlässt die Kamera die heiligen Hallen und klaut einen Blick ins Privatleben der Beichtenden. Jede Episode dreht sich um einen oder mehrere Kirchgänger, mit deren Problemen sich der namenlose Priester beschäftigt. Jedes Mal geht es dabei um ein Verbrechen, das manchmal noch nicht geschehen ist, manchmal aber auch bereits seinen Lauf genommen hat. Der Kirchenmann darf das Beichtgeheimnis nicht brechen, selbst wenn er von Kapitalverbrechen erfährt. Doch er kann sich einmischen und mit den Mitteln, die die Kirche ihm zugesteht, gegen das Verbrechen kämpfen, was er auch mit Fingerspitzengefühl und einer beeindruckenden Menschenkenntnis tut.
Im Auftakt Unten sieht er sich mit einem Paar konfrontiert, das seine verletzte Hündin nicht vom Tierarzt einschläfern lassen will sondern sie alleine zuhause in den Tod begleiten möchte, mit Hilfe eines geerbten Revolvers. Zunächst betritt die Frau, Andrea (Barbara Philipp) den Beichtstuhl, da sie besser reden kann, auch wenn klar ist, dass es eigentlich Frank (Dirk Martens), der die Hilfe des Priesters in Anspruch nehmen möchte. Klarer wird das dann als der Mann spätabends vor der Tür des Priesters auftaucht und die Geschichte sich neu zusammensetzt.
In den anderen drei Episode der ersten Staffel geht es um einen Polizisten, der einen Serienmörder sucht, doch eigentlich selbst auf eine schiefe Bahn geraten ist und die Frage, ob der Kirchenmann sein Gelübde brechen darf um eine seines Gemeindemitglieder vor einem Mord zu warnen. In der Episode Die Falle sieht er sich mit dem BND-Agenten Jonas (Ludwig Trepte) konfrontiert, der einen Journalisten abhört, nachdem dieser ihm die Freundin ausgespannt hat. Dabei erfährt er von einem furchtbaren Plan, doch an wen soll er sich damit wenden ohne sich selbst in Gefahr zu bringen?
Wie kommt es rüber?
Mit der Mini-Serie Culpa steigt ein weiterer deutscher Mitspieler in die Serienproduktion ein. Dabei hat 13th Street auf die richtigen Punkte Wert gelegt und an den passenden Stellen gespart. Mit dem kammerartigen Aufbau der Storyline kann man in Sachen Cast und Kulisse den Gürtel enger schnallen, doch sollte dann bei der Qualität der vorhandenen Darsteller und auf das Drehbuch besondere Wert legen. Das hat man erkannt und gelungen umgesetzt.
Stipe Erceg verleiht dem mysteriösen Priester mit Tätowierungen und einer Leidenschaft fürs Rauchen und Bowlen im Kirchengang einen Hauch von Hipstertum, bleibt aber isoliert und authentisch genug nicht ins Lächerliche zu kippen. In den vier Episoden der Mini-Serie wird die Kirche zu einem Ort der sakralen Leere, der Beichtstuhl zu der letzten Anlaufstelle für Verzweifelte, die sich in der Dunkelheit verirrt haben.
Das Drehbuch unterstützt diese Atmosphäre durchweg. Der Widerspruch zwischen der gelungenen Alltagssprache der Menschen hinter der Trennwand und den manchmal traumhaft wirkenden Bildern, die die Kamera liefert, zaubern ein einzigartiges Ambiente. Und zwischendurch immer wieder die Ameisen, die durch die Kirche, die Kammer und den Beichtstuhl kriechen, stumme Teilnehmer einer erhabenen Tradition, die mit ihrer Anwesenheit nicht nur den Priester faszinieren, sondern auch Gelegenheit für so manche Meta-Ebene bieten.
Fazit
Manchmal ist es für deutsche Serien schwierig Fuß zu fassen, besonders wenn es dabei im Grunde um Abklatsche von US-Ideen handelt. Doch die bekannten Gefilde sichern einem immerhin ein Grundrauschen an Zuspruch und so erfordert es Mut, seinen ganz eigenen Weg zu gehen. Letztlich lohnt es sich, zumindest wenn man unterwegs die richtigen Entscheidungen trifft. Die Culpa-Macher sind ihrer eigenen Idee treu geblieben und haben damit eine kleine, aber sehr charmante Serie auf die Beine gestellt, die eine Chance verdient hat.
Trailer zur Serie „Culpa“: