
Martina und Mike aus der Serie Crowded wollen sich nach dem Auszug der beiden Töchter einen unterhaltsamen Lebensabend im eigenen Haus machen. Auch die Schwiegereltern machen sich auf nach Florida.
Worum es geht
Man kann es kilometerweit kommen sehen: So ruhig wird die frühe Rente nicht für die beiden hoffnungsvollen Eltern. Sie tun, was Sitcom-Eltern tun, wenn die Kinder aus dem Haus sind, was ja ohnehin nie lange anhält: Sie träumen davon, was sie mit den nun leeren Zimmern machen werden während sie beim Ausräumen den Marihuana-Vorrat ihres Nachwuchses finden und sich entscheiden, mal locker zu lassen und die Sache in Rauch aufgehen lassen. Doch keine Sorge, im Verlauf der Pilotepisode werden Martina (Carrie Preston, True Blood) und Mike (Patrick Warburton, Family Guy) auch noch mehrfach der zweiten Standardbeschäftigung alleine gelassener Sitcomeltern nachgehen: Sie werden sich mit Wein und viel Bettdecke im Schlafzimmer einfinden und einer von ihnen wird untalentiert trällernd durch Zimmer tänzeln während wir schon wissen, dass die Kinder nicht weit sind. Achtung, peinliche Familienszene in Sicht.
Ach ja, denn die Kinder stehen in mehrfacher Hinsicht hinter jeder Ecke. Statt ihrem Leben in den eigenen vier Wänden nachzugehen, ziehen sie innerhalb von Minuten wieder Zuhause ein. Nachwuchs-Wissenschaftlerin Shea (Miranda Cosgrove, iCarly), weil die Zuschüsse zu ihrem Job gestrichen wurden, Möchtegern-Künstlerin Stella (Mia Serafino) weil sie sich mit ihrem On-Off-Freund wieder mal gestritten hat.
Und dann wären da auch noch Mikes Vater Bob (Stacy Keach, Prison Break, Titus) und dessen zweite Frau Alice (Carlease Burke, Switched at Birth), die eigentlich schon halb auf dem Weg in den sonnigen Ruhestand in Florida waren. Doch als sie spitzkriegen, dass die Enkelinnen wieder vor Ort sind, bleiben sie doch noch in der Nachbarschaft.
Und so kommt es dann, dass das Haus ziemlich voll wird. In der Pilotepisode geht es vor allem darum. 20 Minuten begleiten wir den vorhersehbaren Zusammenbruch des Traums von Ruhe und Zweisamkeit. In Zukunft zu erwartende Storylines beinhalten Mädchenabende mit generationsübergreifenden Geständnissen, Geschwisterstreits, die mit Umarmungen enden, Vater-Töchter-Szenen und jede Menge peinlich unterbrochene romantische Momente.
Wie es rüberkommt
Was fehlt ist der Witz und die Gemütlichkeit, die eine Großfamilie in der Sitcomwelt so mit sich bringen sollte. Die Story bietet keine einzige Überraschung, kaum einen Witz, den man nicht schon dutzende Male gehört hätte und bisher keinen emotionalen Moment. Noch dazu gibt die Serie Crowded vor, grenzwertig zu sein und verglichen mit sehr konservativen Produktionen mag das auch stimmen. Immerhin rauchen die beiden das Gras wirklich. Doch für den durchschnittlichen Geschmack ist dann alles doch einfach nur bieder. Sexabsichten werden sofort durch Seidennachthemden und hochgezogene Bettdecken signalisiert, Wein ist ebenfalls eindeutiger Indikator für Zweisamkeit und auch sonst gibt es kaum etwas, das nicht ins Klischee einer mittelmäßigen Sitcom passt.
Wer es noch retten könnte, sind die Darsteller. Und da sind vielversprechende Namen versammelt. Doch in der Pilotepisode bietet das Drehbuch wenig Spielraum und der, der da ist, wird von einem eher lustlosen Cast nur selten genutzt.
Fazit
Die Sitcom Crowded reiht sich ein zwischen eher unaufregende Sitcoms wie Dr. Ken und Truth Be Told ein. Wenn nichts anderes da ist, kann man es wagen, sei aber nicht empfohlen.
Promo zur US-Serie „Crowded“: