Crossing Swords: Review der Pilotepisode

Crossing Swords: Review der Pilotepisode

Hulus neue Stop-Motion-Serie Crossing Swords ist als Comedy zwar eine Katastrophe, aber als Folterinstrument würde sie wohl funktionieren. Adult Animation, deren Humor den Eindruck erweckt, als hätten Kinder sie kreiert...

Serienposter von Crossing Swords (c) Hulu
Serienposter von Crossing Swords (c) Hulu
© erienposter von Crossing Swords (c) Hulu

Stop-Motion kann etwas Wunderbares sein, wie die Filme „Anomalisa“ von Charlie Kaufman, „Isle of Dogs“ von Wes Anderson oder „Kubo - Der tapfere Samurai“ von Travis Knight beweisen. Und selbst „The LEGO Movie“, der deutlich aufgedrehter und weitaus weniger künstlerisch inszeniert wurde, ehrt das Genre. Was Hulu nun aber mit der neuen Animationsserie Crossing Swords fabriziert hat, ist eine einzige Zumutung. Verantwortlich sind die beiden Robot Chicken-Alumni John Harvatine IV und Tom Root, die sich so nun immerhin Chancen auf den Titel für den schlechtesten Neustart des Jahres ausrechnen können.

Das Mittelalterabenteuer handelt von der ältesten Geschichte der Welt: Ein junger Held, in dem Fall natürlich ein Ritter, will sich beweisen. Gesprochen wird Patrick von Nicholas Hoult (The Great). Ebenfalls im Ensemble: Luke Evans (The Alienist) als König, Alanna Ubach („Coco“) als Königin, Maya Erskine (Man Seeking Woman) als Prinzessin, Tony Hale (Veep) als Blarney, Seth Green (Robot Chicken) als Blinkerquartz, Adam Pally (Happy Endings) als Broth, Adam Ray (She-Ra and the Princesses of Power) als Ruben und Wendi McLendon-Covey (The Goldbergs) als Doreen.

Was zur Hölle?!?

Um ehrlich zu sein, weiß ich bei der Beschreibung von Crossing Swords gar nicht, wo ich anfangen soll - denn eigentlich will ich nur aufhören und diese Serie schnellstmöglich verdrängen. Selbst, wenn man als Zuschauer mit der übermenschlichen Toleranzschwelle geboren wurde, um sich nicht am wie hingerotzt erscheinenden Stop-Motion-Stil der Hulu-Produktion oder an den nervtötend schrillen Synchronstimmen zu stören, gibt es immer noch ein zweites K.-o.-Kriterium: Die anvisierte Zielgruppe für das Format existiert einfach nicht, sprich Erwachsene mit dem Humorverständnis kleiner Kinder.

Wenn die halbstündige Komödie witzig sein will, greift sie auf dieselben Tricks zurück wie beim Kasperletheater. Figuren stolpern, kriegen eins auf die Nuss und hampeln wild herum - genug, um jeden Fünfjährigen zum Lachen zu bringen (wobei...). Das Problem bei Crossing Swords ist nur, dass die Serie keinesfalls für Kinderaugen geeignet ist, denn sie ist obszön bis zum Gehtnichtmehr. Selbst in explizite Sexszenen werden die kleinen Holzfiguren verwickelt. Dagegen wirkt dann sogar HBO prüde...

Hulu
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Wer also soll diese Serie schauen? Kinder vielleicht, die die verantwortungslosesten Eltern der Welt haben? Oder eventuell Erwachsene mit einem Mangel an Gehirnzellen? Am ehesten kommen wahrscheinlich bekiffte Jugendliche infrage, die aber schon sehr zugedröhnt sein müssen, um Crossing Swords vollends wertzuschätzen. Dass am Ende eigentlich ich selbst der Depp bin, dem sich der geniale Geist dieses missverstandenen Meisterwerks einfach nicht erschlossen hat, will ich aber auch nicht endgültig ausschließen. Wenn dem tatsächlich so sein sollte, bitte ich ergebenst um Erleuchtung!

Den visuellen Stil einer Animationsserie nicht zu mögen oder nicht ihren Humor zu teilen, kann selbst bei guten Produktionen passieren. Ich persönlich bin zum Beispiel kein großer Fan von Bob's Burgers, kann aber durchaus anerkennen, dass die beliebte FOX-Comedy tolle Geschichten erzählt und dass viele auch die Figuren sympathisch finden. Im Fall von Crossing Swords reicht meine Fantasie nicht aus, um mir auszumalen, was Menschen daran mögen könnten. Zumal die Erzählung vollkommen lieblos aus Genreklischees zusammengezimmert wurde und die wenigen erträglichen Charaktere nur dadurch erträglich erscheinen, weil die schiere Präsenz ihrer Kompagnons einem fast schon physische Schmerzen bereitet.

Hätten die Serienmacher auch nur einen Hauch von Klasse, könnte man nach dem verunglückten Pilot unter größten Umständen möglicherweise noch das Ruder herumreißen. Zu sehen, wie ein angehender Ritter seinem Traumberuf nacheifert, doch dabei einsehen muss, wie verkommen das Königreich ist, das er beschützen will, könnte theoretisch interessant sein. Oder die Tatsache, dass Patricks Eltern seine gesetzlosen Geschwister lieber mögen als ihren rechtschaffenen Sohn. Aber solche Aspekte scheinen Harvatine und Root leider längst nicht so wichtig zu sein wie ekelhafte Szenen, in denen der Protagonist zum Beispiel Pferdekacke ins Gesicht geworfen kriegt. Wie gesagt: Das Ganze wirkt, als wollten zwei sture Halbstarke richtig Dampf ablassen und gegen den guten Geschmack stänkern. Aber warum tun sie das nicht privat in ihrem Keller oder so?

Fazit

Ich kann mich nicht erinnern, wann mich eine Serie das letzte Mal so verärgert hat wie die neue Hulu-Comedy Crossing Swords (oder ob ich überhaupt schon mal die schlechteste Bewertung vergeben musste). Durch die heutige Premiere der zehnteiligen Auftaktstaffel bei besagtem Streamingservice ist die Welt plötzlich ein kleines bisschen schlechter geworden - wenn auch für die meisten wohl nur unmerklich. Man kann nur hoffen, dass die Abonnenten das Format mit Ignoranz strafen. Und auch, dass sich die beteiligten Akteure und der Stop-Motion-Stil an sich von diesem Super-GAU bald wieder erholen werden.

Wer auf Animation und Mittelalter-Fantasy steht, sollte lieber einen Blick in Netflix' Disenchantment werfen. Diese Serie mag zwar ebenfalls nicht perfekt sein, aber wenigstens hat sie Herz und lässt einen nicht so angewidert und erschöpft zurück.

Hier abschließend noch der Trailer zur heute angelaufenen Hulu-Serie Crossing Swords (anschauen auf eigene Gefahr):

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