Alex Cross könnte der Thriller-Knaller auf Prime Video werden: Darum bin ich begeistert

Alex Cross könnte der Thriller-Knaller auf Prime Video werden: Darum bin ich begeistert

Mit „Cross“ nimmt Amazon Prime Video eine hochkarätig besetzte Crime-Serie ins Programm auf, die es sowohl storytechnisch als auch in Sachen Inszenierung in sich hat. Warum wir voll des Lobes sind, erfahrt Ihr im Review zur Pilotfolge.

Aldis Hodge ist „Alex Cross“ in der gleichnamigen Serie von Amazon Prime Video.
Aldis Hodge ist „Alex Cross“ in der gleichnamigen Serie von Amazon Prime Video.
© Amazon Prime Video

Das passiert in der Thrillerserie „Cross“

Alex Cross (Aldis Hodge; „Black Adam“, Leverage) ist in Cross ein hochangesehener Detective und Doktor der Psychologie, der gerade ein schweres Trauma durchmacht. Vor einem Jahr wurde seine Frau scheinbar grundlos auf offener Straße erschossen. Seitdem sucht er verzweifelt nach dem Motiv und dem Täter. Sein Partner und Freund seit Kindheitstagen John Sampson (Isaiah Mustafa, Shadowhunters) hält trotz einiger Ausrutscher, die Alex fast den Job gekostet hätten, weiterhin zu ihm und steht ihm beruflich wie auch privat bei.

Als Polizeichefin Anderson (Jennifer Wigmore, Designated Survivor) den beiden den Auftrag erteilt, den Mord an einem jungen, schwarzen Aktivisten zu untersuchen, geraten Cross und Sampson nicht nur schnell an ihre Grenzen, weil ihnen überall Polizistenhass entgegenschlägt. Plötzlich verschafft sich auch noch ein Fremder Zutritt zu Cross' Haus, hinterlässt dort Gegenstände, die vor einem Jahr vom Tatort gestohlen wurden und ruft ihn bedrohlich von einem Wegwerfhandy aus an. Schnell wird klar, dass der Tod seiner Frau irgendwie mit seinem aktuellen Fall zusammenhängt. Doch wie genau?...

Cool und dramatisch

So viel sei an dieser Stelle vorweggenommen: Die Pilotfolge Hero Complex der ThrillerserieCross“ könnte der Auftakt zu einem rasant erzählten, neuen Format mit Klasse werden. Die im ersten Satz geschilderte Begeisterung kommt dabei nicht von ungefähr, sondern begründet sich durch mehrere Faktoren. Da ist zum einen die Tatsache, dass die Serie mit Aldis Hodge von einem fantastischen Schauspieler getragen wird, der seine Rolle intelligent anlegt und aus Cross eine kluge, harte, aber auch emotional stark angeschlagene Person macht.

Das Debüt des Crime-Formats, das auf der Romanreihe „Alex Cross“ von James Patterson basiert, startet mit einem Flashback, in dem wir den Moment der Ermordung seiner geliebten Frau miterleben und somit sofort über seinen psychischen Zustand im Bilde sind. Ein Jahr später arbeitet Alex als Psychologe für das Washington P.D. und hat gerade einen rassistischen weißen Frauenkiller überführt, als ihn seine unsympathische Chefin mit der Untersuchung eines möglichen Mordes an einem schwarzen Aktivisten beauftragt.

Themenspektren

Damit steigen wir nicht nur in die Geschichte ein, sondern erhalten auch einen adäquaten Überblick über die Themen, derer sich die Serie widmet. Einerseits spielt das in den USA unter Schwarzen und anderen nicht-weißen Ethnien zu Recht weit verbreitete Misstrauen gegen die Polizei eine große Rolle, andererseits aber auch der noch lange nicht ausgefochtene Kampf für Gleichberechtigung und gegen Rassismus.

In spannenden Dialogen zeigt „Cross“ auf, wie verbreitet der Hass gegen Gesetzeshüter (übrigens aller Hautfarben) im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten ist und wie weit er selbst in die besser situierten Gesellschaftsschichten hineinreicht. In einer Szene werden Alex und John zu einem Dinner unter Freunden eingeladen, dass ausgerechnet seitens eines dort anwesenden reichen Gastes durch Beleidigungen in ihre Richtung torpediert wird.

In solchen Momenten arbeitet Serienerfinder Ben Watkins (Burn Notice) die gesellschaftliche Kluft und das Wir-gegen-die-Denken zwischen Schwarzen und Weißen in Amerika klar heraus, ohne sich dabei aber unbedingt zu positionieren. Das ist auch gut so, denn Watkins weist auf diese Art geschickt und unterhaltsam darauf hin, dass Rassismus, Korruption und Hass auf den Revieren im Land zwar täglich präsent, dass aber eben nicht alle Cops schlecht sind.

Cross und Sampson sind beispielsweise nicht nur erstklassige Ermittler, sondern auch der Community, in der sie aufgewachsen sind, tief verbunden. Dennoch - und manchmal sogar gerade deshalb - fällt es ihnen nicht leicht, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Immer wieder sehen sie sich Anfeindungen von Menschen ausgesetzt, mit denen sie zum Teil aufgewachsen sind. Man wirft ihnen Verschleierung und Korruption vor, da sich hartnäckig das Gerücht hält, ein Polizist hätte besagten Aktivisten ermordet.

Druck von oben

Als ob dies die Situation noch nicht schwierig genug machen würde, sitzt Cross auch noch Chief Anderson im Nacken, die tatsächlich keine großen Ambitionen hat, den Fall als Mord zu betrachten. Um einen möglichen Skandal zu vermeiden, versucht sie alles, das Opfer zu diskreditieren oder Alex' Ergebnisse kleinzureden. Allerdings verdichten sich die Indizien immer mehr und weisen auf einen Täter mit einem bestimmten Ziel hin, denn der Umgebrachte junge Mann wurde auf eine ganz bestimmte Art hergerichtet.

Um den Plot zu verdichten, blenden die Serienmacher immer wieder zu just jenem Killer über, ohne ihn freilich wirklich zu zeigen. Allerdings werfen uns die Autoren in der ersten Stunde Laufzeit immer weitere Häppchen vor, die drauf hinweisen, dass die Ermordung von Alex' Frau und der aktuelle Fall dicht miteinander verknüpft sind. Ob es dabei um Rache, eine extreme Form des Stalkings oder was auch immer geht, ist noch nicht ganz deutlich, obwohl eine Tendenz klar ersichtlich ist. Die entsprechenden Schnitte und die Inszenierung der Cuts sind indes unaufgeregt in Szene gesetzt und beschränken sich auf eine gewisse atmosphärische Düsternis, die durch einen fast unauffälligen, aber stimmigen Soundtrack untermalt wird.

Dunkle Töne

Überhaupt hinterlässt die Pilotfolge auf atmosphärischer Ebene einen eher düsteren Eindruck. Cross ist keine Vorabendserie oder ein Feierabendformat wie NCIS, sondern spielt geschickt mit den verdrehten Bedürfnissen eines offensichtlich wahnsinnigen Täters. Hinzu kommt die von Alex verdrängten Depressionen und seine daraus resultierende Verletzbarkeit sowie die auf der Straße herrschende, zunehmende Aggressivität der Massen. Damit ist die Produktion weniger als reine Krimiserie, sondern vielmehr als Thriller für ein erwachsenes Publikum einzuordnen, der bisweilen auch schon mal unter die Haut gehen kann...

Abgesehen von der ansprechenden Inszenierung ist dies auch dem starken, von Aldis Hodge angeführten Cast zu verdanken. Jennifer Wigmore als Chief Anderson sowie Isaiah Mustafa erweisen sich als goldrichtige Wahl, um den Titelhelden angemessen zu flankieren. Doch auch Juanita Jennings als Mama Cross, Alona Tal (SEAL Team, ebenfalls „Burn Notice“) in der Rolle der Cross zur Seite stehenden FBI-Agentin Kayla sowie Samantha Walkes als Elle bereichern die Serie ausgehend von der Pilotfolge.

Fazit

Aldis Hodge als „Alex Cross“
Aldis Hodge als „Alex Cross“ - © Prime Video

Das ist mal ein gelungener Serienstart. Cross ist spannend, kann die Coolness eines Shaft nicht ganz verbergen, ist flott erzählt und regt trotzdem zum Nachdenken an. Die Art, wie die Serie eine Thrillergeschichte mit wichtigen politischen Themen verknüpft, erweist sich im Debüt als sehenswert und unterhaltsam und der Cast zeigt eine erfreulich hohe Motivation. Auf zur nächsten Folge also, Prime Video hat nämlich dankenswerterweise die komplette erste Staffel mit acht Episoden online gestellt, wenn auch die inzwischen drei Werbeunterbrechungen (bei The Lord of the Rings: The Rings of Power waren es noch „nur“ zwei) für immerhin 8,99 Euro im Monat langsam, aber sicher unverschämt werden...

Wir stellen viereinhalb von fünf Tatverdächtige.

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