Cross 1x01

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Das passiert in der Thrillerserie âCrossâ
Alex Cross (Aldis Hodge; „Black Adam“, Leverage) ist in Cross ein hochangesehener Detective und Doktor der Psychologie, der gerade ein schweres Trauma durchmacht. Vor einem Jahr wurde seine Frau scheinbar grundlos auf offener StraĂe erschossen. Seitdem sucht er verzweifelt nach dem Motiv und dem TĂ€ter. Sein Partner und Freund seit Kindheitstagen John Sampson (Isaiah Mustafa, Shadowhunters) hĂ€lt trotz einiger Ausrutscher, die Alex fast den Job gekostet hĂ€tten, weiterhin zu ihm und steht ihm beruflich wie auch privat bei.
Als Polizeichefin Anderson (Jennifer Wigmore, Designated Survivor) den beiden den Auftrag erteilt, den Mord an einem jungen, schwarzen Aktivisten zu untersuchen, geraten Cross und Sampson nicht nur schnell an ihre Grenzen, weil ihnen ĂŒberall Polizistenhass entgegenschlĂ€gt. Plötzlich verschafft sich auch noch ein Fremder Zutritt zu Cross' Haus, hinterlĂ€sst dort GegenstĂ€nde, die vor einem Jahr vom Tatort gestohlen wurden und ruft ihn bedrohlich von einem Wegwerfhandy aus an. Schnell wird klar, dass der Tod seiner Frau irgendwie mit seinem aktuellen Fall zusammenhĂ€ngt. Doch wie genau?...
Cool und dramatisch
So viel sei an dieser Stelle vorweggenommen: Die Pilotfolge Hero Complex der Thrillerserie „Cross“ könnte der Auftakt zu einem rasant erzĂ€hlten, neuen Format mit Klasse werden. Die im ersten Satz geschilderte Begeisterung kommt dabei nicht von ungefĂ€hr, sondern begrĂŒndet sich durch mehrere Faktoren. Da ist zum einen die Tatsache, dass die Serie mit Aldis Hodge von einem fantastischen Schauspieler getragen wird, der seine Rolle intelligent anlegt und aus Cross eine kluge, harte, aber auch emotional stark angeschlagene Person macht.
Das DebĂŒt des Crime-Formats, das auf der Romanreihe „Alex Cross“ von James Patterson basiert, startet mit einem Flashback, in dem wir den Moment der Ermordung seiner geliebten Frau miterleben und somit sofort ĂŒber seinen psychischen Zustand im Bilde sind. Ein Jahr spĂ€ter arbeitet Alex als Psychologe fĂŒr das Washington P.D. und hat gerade einen rassistischen weiĂen Frauenkiller ĂŒberfĂŒhrt, als ihn seine unsympathische Chefin mit der Untersuchung eines möglichen Mordes an einem schwarzen Aktivisten beauftragt.
Themenspektren
Damit steigen wir nicht nur in die Geschichte ein, sondern erhalten auch einen adĂ€quaten Ăberblick ĂŒber die Themen, derer sich die Serie widmet. Einerseits spielt das in den USA unter Schwarzen und anderen nicht-weiĂen Ethnien zu Recht weit verbreitete Misstrauen gegen die Polizei eine groĂe Rolle, andererseits aber auch der noch lange nicht ausgefochtene Kampf fĂŒr Gleichberechtigung und gegen Rassismus.
In spannenden Dialogen zeigt „Cross“ auf, wie verbreitet der Hass gegen GesetzeshĂŒter (ĂŒbrigens aller Hautfarben) im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten ist und wie weit er selbst in die besser situierten Gesellschaftsschichten hineinreicht. In einer Szene werden Alex und John zu einem Dinner unter Freunden eingeladen, dass ausgerechnet seitens eines dort anwesenden reichen Gastes durch Beleidigungen in ihre Richtung torpediert wird.
In solchen Momenten arbeitet Serienerfinder Ben Watkins (Burn Notice) die gesellschaftliche Kluft und das Wir-gegen-die-Denken zwischen Schwarzen und WeiĂen in Amerika klar heraus, ohne sich dabei aber unbedingt zu positionieren. Das ist auch gut so, denn Watkins weist auf diese Art geschickt und unterhaltsam darauf hin, dass Rassismus, Korruption und Hass auf den Revieren im Land zwar tĂ€glich prĂ€sent, dass aber eben nicht alle Cops schlecht sind.
Cross und Sampson sind beispielsweise nicht nur erstklassige Ermittler, sondern auch der Community, in der sie aufgewachsen sind, tief verbunden. Dennoch - und manchmal sogar gerade deshalb - fĂ€llt es ihnen nicht leicht, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Immer wieder sehen sie sich Anfeindungen von Menschen ausgesetzt, mit denen sie zum Teil aufgewachsen sind. Man wirft ihnen Verschleierung und Korruption vor, da sich hartnĂ€ckig das GerĂŒcht hĂ€lt, ein Polizist hĂ€tte besagten Aktivisten ermordet.
Druck von oben
Als ob dies die Situation noch nicht schwierig genug machen wĂŒrde, sitzt Cross auch noch Chief Anderson im Nacken, die tatsĂ€chlich keine groĂen Ambitionen hat, den Fall als Mord zu betrachten. Um einen möglichen Skandal zu vermeiden, versucht sie alles, das Opfer zu diskreditieren oder Alex' Ergebnisse kleinzureden. Allerdings verdichten sich die Indizien immer mehr und weisen auf einen TĂ€ter mit einem bestimmten Ziel hin, denn der Umgebrachte junge Mann wurde auf eine ganz bestimmte Art hergerichtet.
Um den Plot zu verdichten, blenden die Serienmacher immer wieder zu just jenem Killer ĂŒber, ohne ihn freilich wirklich zu zeigen. Allerdings werfen uns die Autoren in der ersten Stunde Laufzeit immer weitere HĂ€ppchen vor, die drauf hinweisen, dass die Ermordung von Alex' Frau und der aktuelle Fall dicht miteinander verknĂŒpft sind. Ob es dabei um Rache, eine extreme Form des Stalkings oder was auch immer geht, ist noch nicht ganz deutlich, obwohl eine Tendenz klar ersichtlich ist. Die entsprechenden Schnitte und die Inszenierung der Cuts sind indes unaufgeregt in Szene gesetzt und beschrĂ€nken sich auf eine gewisse atmosphĂ€rische DĂŒsternis, die durch einen fast unauffĂ€lligen, aber stimmigen Soundtrack untermalt wird.
Dunkle Töne
Ăberhaupt hinterlĂ€sst die Pilotfolge auf atmosphĂ€rischer Ebene einen eher dĂŒsteren Eindruck. Cross ist keine Vorabendserie oder ein Feierabendformat wie NCIS, sondern spielt geschickt mit den verdrehten BedĂŒrfnissen eines offensichtlich wahnsinnigen TĂ€ters. Hinzu kommt die von Alex verdrĂ€ngten Depressionen und seine daraus resultierende Verletzbarkeit sowie die auf der StraĂe herrschende, zunehmende AggressivitĂ€t der Massen. Damit ist die Produktion weniger als reine Krimiserie, sondern vielmehr als Thriller fĂŒr ein erwachsenes Publikum einzuordnen, der bisweilen auch schon mal unter die Haut gehen kann...
Abgesehen von der ansprechenden Inszenierung ist dies auch dem starken, von Aldis Hodge angefĂŒhrten Cast zu verdanken. Jennifer Wigmore als Chief Anderson sowie Isaiah Mustafa erweisen sich als goldrichtige Wahl, um den Titelhelden angemessen zu flankieren. Doch auch Juanita Jennings als Mama Cross, Alona Tal (SEAL Team, ebenfalls „Burn Notice“) in der Rolle der Cross zur Seite stehenden FBI-Agentin Kayla sowie Samantha Walkes als Elle bereichern die Serie ausgehend von der Pilotfolge.
Fazit

Das ist mal ein gelungener Serienstart. Cross ist spannend, kann die Coolness eines Shaft nicht ganz verbergen, ist flott erzĂ€hlt und regt trotzdem zum Nachdenken an. Die Art, wie die Serie eine Thrillergeschichte mit wichtigen politischen Themen verknĂŒpft, erweist sich im DebĂŒt als sehenswert und unterhaltsam und der Cast zeigt eine erfreulich hohe Motivation. Auf zur nĂ€chsten Folge also, Prime Video hat nĂ€mlich dankenswerterweise die komplette erste Staffel mit acht Episoden online gestellt, wenn auch die inzwischen drei Werbeunterbrechungen (bei The Lord of the Rings: The Rings of Power waren es noch „nur“ zwei) fĂŒr immerhin 8,99 Euro im Monat langsam, aber sicher unverschĂ€mt werden...
Wir stellen viereinhalb von fĂŒnf TatverdĂ€chtige.
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 14. November 2024Cross 1x01 Trailer
(Cross 1x01)
Schauspieler in der Episode Cross 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?