Crooks: Review der Pilotfolge der deutschen Heist-Serie bei Netflix

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Das passiert in der Folge „Der Panther“ der Serie „Crooks
Der ehemalige Safeknacker Charly (Frederick Lau lebt in Crooks ein beschauliches und ruhiges Leben mit seiner Frau Samira (Svenja Jung und Sohn Jonas (Jonathan Tittel). Das Familienidyll wird aber jäh gestört, als plötzlich sein alter Partner auftaucht und ihn zu einem Job der besonderen Art zwingt. Er soll in den unter einem Nagelstudio liegenden Tresorraum des gefährlichen Al-Walid-Clans einbrechen und dort im Auftrag der österreichischen Gangsterfamilie Bachofner eine unbezahlbare Münze stehlen.
Zunächst scheint alles glatt zu gehen, bis der Münzendieb Karim (Veysel Gelin auftaucht, um seinen Bruder, und damit den Chef der Al- Walids, zu beklauen. Als er Charly und seinen Kumpanen auf frischer Tat erwischt, kommt es zu einem Kampf, bei dem Karim stirbt. Von nun werden Charly und seine Mitstreiter gnadenlos durch ganz Europa gejagt. Dabei fliehen sie nicht nur vor dem arabischen Clan, denn Bachofner will unter allen Umständen die wertvolle Münze. Und die französische Mafia aus Marseille hat auch noch ein Wörtchen mitzureden.
atemlos rasant
Um es direkt vorwegzunehmen: „Crooks“ macht als Serie richtig viel Spaß. Die Geschichte um den ehemaligen Tresorknacker Charly beginnt actionreich, geht mit familiärer Eintracht weiter und kulminiert schließlich in einem atemberaubenden, dramatischen Finale. Viel mehr kann man von einer derartigen Produktion kaum erwarten. Tatsächlich brauchen sich das Autoren-Trio Marvin Kren, Benjamin Hessler, Georg Lippert und Regisseur Cüneyt Kaya (in Zusammenarbeit mit Marvin Kren) ausgehend von der Pilotfolge nicht hinter der internationalen Konkurrenz zu verstecken.
Denn was Wiedemann & Berg Film als Produktionsfirma hier abliefert, ist tatsächlich aller Ehren wert. Da wäre zunächst einmal der geschickte strukturelle Aufbau der Debütfolge. In den ersten Minuten erleben wir, wie die Al-Walid-Brüder Karim und Tarek in einem packend inszenierten Überfall eine wertvolle Münze erbeuten.
Lassen wir es einmal dahingestellt, ob die Szene an sich realistisch ist, denn dieses Problem haben letztlich viele Actionserien. Rasant und spaßig ist das Ganze dennoch, zumal damit auch gleich die Ausgangslage festgezurrt ist. Nach der kurz-knackigen Einblendung des Serientitels geht es dann zunächst einmal beschaulich weiter. Der Familienvater Charly schlendert mit Frau und Kind durch den Zoo und genießt einen schönen Tag.
Doch auch diese Situation ist nicht so harmlos, wie sie auf den ersten Blick scheint. Davon abgesehen, dass die Serienmacher an dieser Stelle geschickt das Tempo herausnehmen, stellen sie uns die Hauptfigur und ihre Fähigkeiten mittels eines netten Kniffs vor. Weil Sohnemann Jonas Langeweile hat, knackt Charly kurzerhand die Tür zum gesperrten Raubtiergehege und verschafft seinem Sprössling damit einen Exklusivbesuch.
Die Frage, warum ein unscheinbarer Mann wie er über derartig spezielle Fähigkeiten verfügt, beantworten Hessler, Lippert und Kren bereits in der nächsten Szene. Charly ist Inhaber eines Schlüsseldienstes. Erfreulicherweise - und nicht spannungsarm in den Plot integriert - ist das aber nur die halbe Wahrheit. Denn schon kurz darauf erfahren wir, dass er seine Fähigkeiten Jahre zuvor als Safeknacker eingesetzt hatte, was nun in einer Erpressung seitens eines alten Partners mündet.
Vom Cold Open bis zu diesem Moment sind gerade einmal knapp zehn Minuten vergangen, was für die dichte Erzählweise der Serie spricht. Von nun an kommt das Publikum nämlich nicht mehr zur Ruhe, denn Charly wird letztlich erpresst und hat keine andere Wahl, als sich auf einen letzten Coup einzulassen.
Drei Erzählstränge
Den bisherigen zwei Erzählsträngen um ihn und die Münzenräuber schließt sich noch ein weiterer an, als wir den Wiener Taxifahrer Joseph (Christoph Krutzler) kennenlernen, der gerade die Prostituierte Alina (Klara Mucci) zu einem unangenehmen Auftrag fährt. In Wirklichkeit ist das Taxigeschäft indes nur eine Tarnung, denn Joseph arbeitet für die Bachofners, die unumstrittenen Herrscher im Wiener Rotlichtmilieu.
Die Zusammenführung der drei Ebenen gelingt auf stimmige und höchst unterhaltsame Weise. Es stellt sich nämlich heraus, dass Charly ausgerechnet in einen Safe-Bunker des Al-Walid-Clans einbrechen soll, in dem die im Teaser gezeigte unbezahlbare Münze lagert. Diese will wiederum der zukünftige Pate der Bachofners (Karl Welunschek für seinen im Sterben liegenden Vater (Branko Samarovski) ergattern.
Aus der Konstellation ergibt sich nicht nur ein starkes Spannungsmoment, das in einem dramatischen Finale mündet, sondern auch die ein oder andere actionreiche Szene mit witzigen Dialogen, die die Episode ansprechend aufpeppen.
Technisches
Der gute Ersteindruck setzt sich in der audiovisuellen Aufbereitung von „Crooks“ nahtlos fort. Wenn Charly den Safe im Keller des Nagelstudios knackt, gewähren uns die Serienmacher beispielsweise einen toll gemachten Einblick ins Inneres des Tresors. Die Kamera bleibt zudem stets nah an den Protagonisten und fängt die Rasanz in den Actionsequenzen routiniert ein. Die Schnittführung ist modern schnell, wirkt aber nur dann abgehackt, wenn es der jeweiligen Situation zugutekommt.
Die Musik schwankt last, but not least zwischen typischen Gangstermilieu-Rap, spannungsgeladenen Klängen und Suspense-Elementen. Komponist Stefan Will (Blackout, Die Quellen des Bösen) erweist sich insofern als hervorragende Wahl.
Auch schauspielerisch leistest sich die Heist-Serie bislang kaum Schwächen. Frederick Lau legt seine Rolle sympathisch, aber mit einem Hang zum Nervenkitzel an. Die beiden Rapper Nimo und Veysel lassen ihren Gangsterattitüden freien Lauf und Christoph Krutzler ist ein bäriges Original mit Herz.
Bleibt nur abzuwarten, wie sich die Bösewichte schlagen werden, von denen naturgemäß in der Debütepisode noch nicht allzu viel zu sehen ist. Allerdings steigt Oberchecker Kida Khodr Ramadan ins Geschehen ein, so dass gemeinsam mit Erdal Yildiz als Al-Walid-Chef und Karl Welunchek als Bachofner-Pate auch auf dieser Ebene für Abwechslung und Spielfreude gesorgt sein dürfte.
Fazit
Die Pilotfolge der Serie „Crooks“ verspricht ein flott erzähltes, actionorientiertes und aberwitziges Abenteuer auf Basis einer Heist-Story, die sich nicht hinter der internationalen Konkurrenz zu verstecken braucht. Allerdings erscheinen die für den Streamingdienst Netflix beinahe archetypischen acht Episoden für die Staffel auf den ersten Blick arg ambitioniert, so dass sich die Gefahr von gewissen Längen im Mittelteil nicht verleugnen lässt.
Dennoch ist Wiedemann & Berg hier ein charmanter, spannender und unterhaltsamer Einstieg gelungen, der somit Lust auf mehr macht.
Wir vergeben vier von fünf Sternen
Crooks: Serientrailer
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Crooks“: