NBC nimmt mit dem Entführungsdrama Crisis ein augenscheinlich komplexes und spannendes Format ins Programm. Doch die Pilotepisode gestaltet sich bis auf eine geschickte Wendung als sehr einfach und durchschnittlich, wodurch die neue Serie nicht wirklich richtig überzeugen kann.

Haben es mit einer echten Krise zu tun: Gillian Anderson und Rachael Taylor in der Pilotepisode von „Crisis“ / (c) NBC
Haben es mit einer echten Krise zu tun: Gillian Anderson und Rachael Taylor in der Pilotepisode von „Crisis“ / (c) NBC

Es ist nicht einfach, sich heutzutage originelle Stoffe auszudenken, die der gemeine TV-Zuschauer noch nie gesehen hat. Dies trifft insbesondere auf das Network-Fernsehen zu, wo Originalität und Einfallsreichtum aufgrund diverser Barrieren im kreativen sowie finanziellen Bereich oft an ihre Grenze stoßen. Auch Crisis kann in eine solche Kategorie eingeordnet werden, denn viel Neues kann einem die NBC-Serie nicht anbieten. Ganz im Gegenteil sogar: Man bedient sich an bekannten Versatzstücken des Genres und versucht durch eine augenscheinlich spannende und überraschungsreiche Inszenierung diesen Schwachpunkt wieder auszugleichen.

Dies gelingt wiederum nur bedingt, denn so richtig wird man mit Crisis in seiner Auftaktepisode noch nicht warm. Zu schnell bekommt man den Eindruck, dass die zugrundliegende Prämisse viel zu einfach dargelegt werden könnte; zu oft hat man das Gefühl, dass sich die Geschichte zu vorhersehbar und zu platt gestalten wird. Zwar kann der außerordentlich gut besetzte Cast in gewisser Weise überzeugen, doch auch die einzelnen Charaktere und Dialoge weisen nicht unwesentliche Schwächen auf. „Crisis“ mag ein ambitioniertes Projekt sein, dass sich wohl wöchentlich reichlich Spannung und zahlreiche unerwartete Ereignisse auf die Fahnen schreiben möchte. Ob dies jedoch ausreicht, um im Gesamtergebnis zu überzeugen, darf jedoch stark angezweifelt werden.

Worst First Day Ever

Der Geschichte von Crisis ist schnell erzählt: Zu Beginn der Auftaktfolge findet sich der Zuschauer an einer Schule wieder, deren Schüler einen ganz besonderen Status haben. Viele von ihnen sind Kinder von reichen Geschäftsleuten, einflussreichen Unternehmern oder wichtigen Diplomaten. Selbst der Sohn des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ist unter den Schülern. Und so begibt sich ein Klasse besagter Kindern auf einen Schulausflug...

Als Begleitperson ist unter anderem der ehemalige CIA-Analyst Thomas Gibson (Dermot Mulroney) mit an Bord des Busses, welcher die Kinder an den Zielort bringen soll. Gibson selbst versucht seine Beziehung zu seiner Tochter zu verbessern, die nach der Trennung der Eltern nicht wirklich gut auf ihn zu sprechen ist. Während Gibson bei seiner Tochter auf keinen grünen Zweig kommt, eskortieren die beiden Secret Service-Agenten Hurst (David Andrews) und Finlay (Lance Gross) den Schulbus samt Präsidentensohn, als sich das Drama ereignet: Der Bus wird von einer Polizeisperre aufgehalten, die sich als Hinterhalt entpuppt. Zwar gelingt es Finlay, nachdem dieser von seinem eigenen verräterischen Kollegen angeschossen wurde, ein Kind zu retten, doch die alle restlichen Schüler werden entführt und an einen geheimen Ort gebracht.

Dieser Ort stellt sich dann als äußerst prunkvoll heraus, und außerdem werden den entführten Kindern einige Freiheiten garantiert. Langsam, aber sicher werden die wahren Ziele der Entführer deutlich: Die Kinder dienen als Druckmittel, um die einflussreichen Eltern zu entscheidenden Veränderung von nationalen und internationalen Ausmaßen zu bewegen. Es zeigt sich, dass Gibson selbst der Drahtzieher der ganzen Aktion ist und einen persönlichen Rachefeldzug gegen das CIA zu führen scheint.

Yes, I have enemies

Der Beginn der Pilotfolge von Crisis gestaltet sich trotz einer duchaus spannenden Situation als eher zäh, was vor allem daran liegt, dass die ganze Geschichte uninspiriert und recht generisch wirkt. Da helfen auch nicht einige überraschende Wendungen, um über das abgedroschene Konzept von „Crisis“ hinwegzutäuschen. So muss man von Anfang an etwas Geduld mitbringen, möchte man „Crisis“ wirklich etwas abgewinnen können.

Was positiv auffällt, sind jedoch die einzelnen Darsteller. Damit sind jetzt nicht speziell deren Darbietungen gemeint, die zu oft zu hölzern und leider zu selten wirklich überzeugend sind. Jedoch muss man den Machern von Crisis Respekt zollen, dass man eine derartig sehenswerte Darstellerriege für das Projekt hat gewinnen können. Ob nun Hauptdarsteller Dermot Mulroney, Gillian Anderson, Rachael Taylor, Max Martini oder auch David Andrews - die vielen bekannten Gesichter hinterlassen zweifellos einen guten Eindruck und schüren die Hoffnung, dass man, zumindest was die Charaktere angeht, in „Crisis“ eventuell ein paar starke Momente zu sehen bekommen könnte.

Doch auch hier macht sich leider schnell Enttäuschung breit. Neben Gillian Anderson, deren natürliche Autorität wie die Faust aufs Auge zu ihrer Rolle passt, Lance Gross, der eine recht passable Figur als geforderter Secret Service-Agent abgibt, oder auch mit Abstrichen Dermot Mulroney bleiben die meisten Charaktere in Crisis viel zu blass und stereotypisch. Zwar wird versucht, einzelnen Vertretern der entführten Kinder mit der Brechstange ein charakterliches Profil zu verpassen, doch richtig zünden mag der Funke nicht. Eher erkennt man altbekannte und breitgetretene Rollenbilder wieder, die schnell langweilen.

How far are you willing to go?

Die Handlung der Pilotepisode von Crisis plätschert enttäuschenderweise zu oft nur vor sich hin. So verliert zum Beispiel eines der augenscheinlich wichtigen Gimmicks von „Crisis“ recht schnell seine Wirkung, weil es einfach zu oft eingesetzt wird: der Twist. Von diesen gibt es in der ersten Folge von „Crisis“ gleich mehrere. Doch nur der erste sitzt richtig, während die restlichen Wendungen als eher zweckmäßige Tatsachen schnell wieder unter den Tisch fallen und im Nichts verpuffen.

Hier haben es sich die Serienschöpfer viel zu einfach gemacht. Auch an dieser Stelle wünscht man sich ein wenig mehr Bescheidenheit von den Autoren. Ein oder zwei Wendungen und viele Nebensächlichkeiten weniger hätten hier vielleicht schon Wunder gewirkt und den Auftakt von Crisis nicht dermaßen überladen gestaltet.

Natürlich erkennt man auch Potential in dem neuen NBC-Format. Die in der Pilotfolge geschaffene Ausgangslage verspricht einiges an Spannung und Konflikten, denkt man zum Beispiel an den Hauptcharakter und dessen zukünftige Beziehung zu seiner Tochter oder auch die anscheinend komplizierte Familiensituation zwischen Gillian Andersons und Rachael Taylors Figuren. Doch fraglich bleibt auch, inwiefern man diesen Dramen auch die nötige Substanz geben kann, deuten sich doch bereits in der ersten Folge nur simple und sehr durchschaubare Auflösungen an.

Fazit

Crisis macht auf den ersten Blick einen soliden Eindruck, doch man erkennt auch schnell, dass die Serie nicht nur wenig Neues zeigt, sondern vor allem auch ihren eigenen Ansprüchen und Erwartungen hinterherläuft. Namenhafte Darsteller reichen nun mal nicht aus, insbesondere wenn von diesen nur ein paar wirklich überzeugen können. Inhaltlich bietet „Crisis“ in seiner Auftaktfolge zu wenig an, um richtig zu fesseln.

Das mag unter anderem auch daran liegen, dass die Prämisse in einen 90-minütigen Film passt und in kürzester Zeit abgehandelt werden könnte. Wie die Serienmacher ihr Projekt inhaltlich füllen wollen, bleibt abzuwarten. Die ersten Eindrücke weisen in eine eher simple Richtung, wo zahlreiche überraschende Wendungen an der Tagesordnung stehen und durch kurzweilige Schockmomente von der eher platten Handlung abgelenkt werden soll. Crisis könnte sich vielleicht als ein äußerst einfaches Unterhaltungsformat mit gelegentlichen Spannungsmomenten und reichlich Guilty Pleasure-Potential entpuppen. Für mehr wird es jedoch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht reichen.

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