Criminal Minds: Beyond Borders 1x01

Criminal Minds: Beyond Borders 1x01

In der Pilotepisode The Harmful One des neuen Spin-offs Criminal Minds: Beyond Borders zeigt sich, dass die Macher sich keine Mühe geben wollen. Der Traum vom gut gemachten internationalen Crimedrama verabschiedet sich schon nach den ersten zwei Minuten.

Cast der US-Serie „Criminal Minds: Beyond Borders“ / (c) CBS
Cast der US-Serie „Criminal Minds: Beyond Borders“ / (c) CBS

Der erste Satz, der in der Pilotepisode The Harmful One der US-Serie Criminal Minds: Beyond Borders gesprochen wird, lässt keinen Zweifel aufkommen: „Jedes Jahr verlassen mehr als 68 Millionen die Sicherheit unserer Grenzen!“ Weiß eigentlich die Tourismuslobby, was die Serienmacher für einen Mist verzapfen? Nach der Pilotepisode sollten viele Interessengruppen Sturm laufen gegen den neuen Criminal Minds-Ableger.

Was passiert in der Pilotepisode?

Diese 68 Millionen US-Bürger sind in der Sichtweise der Serienautoren quasi automatisch in Gefahr, schließlich ist das System nicht da, um für sie zu sorgen. Aber verzage nicht, denn das FBI hat Mitgefühl für die seltsamen Kreaturen, die gegen alle Vernunft darauf bestehen, über den Tellerrand zu schauen und das beste Land der Welt auch nur für eine Woche all-inclusive zu verlassen. Für diese Verantwortungslosen steht das International Response Team bereit, um sie zu retten. In der Pilotepisode The Harmful One zum Beispiel aus dem thailändischen Dschungel. Bei den Bedrohten handelt es sich um drei Teenager, die zwischen Schule und Studium auf einer Farm in dem asiatischen Land aushelfen, obwohl sie eigentlich lieber in Bangkok rumhängen würden und nichts verstehen.

Während einer nächtlichen Ernteaktion werden sie entführt und - naja - so ein bisschen war das ja auch vorherzusehen, wie die Serienautoren ihrem Publikum in wenigen spitzen Anmerkungen klarmachen, wie zum Beispiel in diesem Dialog: „Thailand wird zu einem der tödlichsten Ziele für Touristen.“ „Da wurden letzten Sommer die britischen Rucksacktouristen ermordet, ich schätze, das hat unsere Opfer nicht daran gehindert, dorthin zu fahren.“ Auch milde verstörend ist der Hinweis, dass es keine Überprüfung für Gastgeber von freiwilligen Helfern gebe. Doch, bevor wir weiter in die Lieblingsbeschäftigung der Criminal Minds: Beyond Borders-Autoren einsteigen, nämlich der Panikmache, stellen wir kurz das Team vor, das man in dem neuen Crime-Procedural begleiten kann.

Wir haben Unit Chief Jack Garrett (Gary Sinise, CSI: New York), der auf mehr als 20 Jahre FBI-Erfahrung zurückgreifen kann. Ähnliche Erfahrungswerte kann der Darsteller vorweisen, schließlich ist er den meisten Crimefans noch aus seinen fast 200 Episoden als Detective Mac Taylor in Erinnerung. Die zweite Geige im Team spielt Clara Seger (Alana De La Garza, Law & Order), die eine furchtbare Vergangenheit hat - jemand ist umgekommen, sie leidet und nun versucht ihr guter Freund Jack, sie mit Arbeit abzulenken. Außerdem kommt sie ihm gelegen, weil sie eine bisher unbestimmte Anzahl an Fremdsprachen perfekt beherrscht. Außerdem steigen der einstige Militärheld Matthew Simmonds (Daniel Henney, Three Rivers), der Techanalyst Russ „Monty“ Montgomery (Tyler James Williams) und die als furchtlos beworbene Medizinerin Mae Jarvis (Annie Funke) in das Privatflugzeug, um Richtung Asien abzuheben.

Zurück zu den Unerträglichkeiten des ersten Falles, den wir an der Seite des Teams durchleiden müssen. Von den drei Teenagern wird der männliche direkt um die Ecke gebracht, wahrscheinlich, wie die Profiler festhalten, weil der Täter unliebsame Konkurrenz aus dem Weg schaffen will. Die zwei Mädchen dürfen noch weiter gefesselt und knapp bekleidet durch diverse Dschungelverstecke kreischen.

Clara, die sich eine Auszeit genommen hat und in der Welt herumreist, begrüßt die anderen in Thailand und warnt sie davor, dass die Polizei in Bangkok ein Boys Club sei und man die zahlreichen Benachteiligungen als Frau nicht persönlich nehmen dürfe. Gut, dass die Serienmacher selbst mit einer ganz anderen Sensibilität an das Thema Gender gehen. Zum Beispiel nutzen sie keine knapp bekleideten, attraktiven Teenager mit sexy im Gesicht klebenden nassen Haaren als... ups, naja, nichts für ungut.

Doch statt Themen, die ihnen offenbar nicht liegen, gehen zu lassen, beißen die Serienmacher sich daran fest. Clara dröselt auf, wie viele thailändische Angestellte der Polizei weiblich sind und am Ende muss sie auch noch mit dem Täter verhandeln, weil Alphatiere wie Jack und Matthew ihn verunsichern könnten.

Als wir den Täter dann zum ersten Mal sehen und von seiner Motivation erfahren, kann die schiere Menge an Vorurteilen uns Klischees kaum mehr überraschen. Die ersten 20 Minuten haben uns bereits abgehärtet. Natürlich spricht er kaum ganze Worte, trägt zwei Stäbe durch die Wangen und bewegt sich wie ein Tier durch den Dschungel. Und welchen anderen Grund sollte er bitte haben, drei Ausländer zu entführen, wenn nicht als menschliche Opfergabe für seinen nicht näher spezifizierten Glauben. Und natürlich jagt er mit einem Speer. Aber in einer Welt, in der man jemanden als Lügner ausschließen kann, weil er eine kleine Buddhastatue herumstehen hat („Er glaubt ja schließlich an Karma!“), ist wohl alles möglich.

Und natürlich hat die thailändische Polizei nicht nur kaum Frauen in ihren Reihen, sondern auch keine Kühlvorrichtungen für Leichen und kein Verständnis für die Notwendigkeit einer solchen Kühlung zur Beweissicherung. Beides vereint sich in einer seltsamen Szene, in der die amerikanische Ermittlerin in den Raum mit der Leiche bricht und von der vermutlich einzigen Frau im Department erwischt und gedeckt wird. Hier erleben wir also auch noch einen vermurksten Versuch von Schwesternschaft über alle Grenzen hinweg. Die Serienautoren machen einfach vor nichts Halt. Auch nicht davor, dass die US-Amerikaner den thailändischen Polizisten das Konzept des Profiling erklären müssen und letztere es nicht schaffen, ein Brandmal auf der Haut des Opfers zu finden.

Wie kommt es rüber?

In der Kapitulation liegt keine Ehre!“ Das sind die einzigen Worte, die der Täter spricht - kurz bevor er sich selbst die Kehle durschneidet. Und kurz darauf stößt die Ermittlerin traurig aus: „Er war ganz alleine!“ Die ganze Pilotepisode ist eine Aneinanderreihung furchtbarer Klischees über sehr viel Verschiedenes. Es ist in der Tat nicht einfach, durch die ganzen 40 Minuten zu kommen, ohne sich beleidigt zu fühlen.

Dabei war die Idee doch gar nicht so schlecht. Eine Profilereinsatztruppe, die Einsätze in der ganzen Welt verfolgt. Wir hätten jede Woche einen Blick in eine neue, andere, fremde Welt werfen können, wenn die Autoren nur ein bisschen Interesse an einer intelligenten Story hätten. Stattdessen schmeißen sie mit kurzen Landschaftsaufnahmen um sich, die wie aus einer YouTube-Dokumentation wirken und statt auf das Land einzugehen, bemühen sie uralte Stereotype und jede Menge Klischees. Statt die Möglichkeiten der Grundidee auszuschöpfen, servieren sie uns eine Boulevardzeitung in Serienformat. Teenager, die in ihren Ferien nach Asien reisen, müssen sich kaum wundern, wenn sie entführt werden. Dass überhaupt jemand verreist, scheint den Autoren ein Rätsel zu sein.

Gut, es ist ein Crime-Procedural, es soll leichte Unterhaltung für den Feierabend sein, bei dem Zuschauer sich gemütlich zurücklehnen können, weil sie es einmal mehr aufs eigene Sofa geschafft haben, ohne einem psychopathischen Serienkiller zum Opfer gefallen zu sein. Daran ist nichts Schlimmes, viele größere und kleinere Serien beweisen immer wieder, dass man diese Unterhaltung auch jenseits flacher Plots und Klischees abliefern kann. Man könnte zum Beispiel mal in Motive und Rizzoli & Isles schauen. Mit einem Schuss Sci-Fi gibt es das Ganze in sehr guter Form bei iZombie zu sehen. Und wer Lust auf gut ausgearbeitete Einblicke in Parallelwelten hat, der darf sich auch an Longmire trauen. Doch, um das zu erreichen, muss man natürlich in jeder Hinsicht etwas mehr investieren - und dazu war man bei CBS wohl nicht bereit.

Criminal Minds: Beyond Borders scheint sich zum Ziel gesetzt zu haben, möglichst viel Panik beim Zuschauer zu verursachen. Vor unbekannten Ländern, vor fremden Kulturen, einfach vor allem außerhalb der als sicher deklarierten US-amerikanischen Grenzen. Das ist nicht nur ärgerlich und langweilig, das ist auch bösartig und gefährlich. Was wäre diese Serie für eine Chance gewesen, um die, die nicht selbst nach Thailand wollen oder können, einen Blick in diesen Teil der Welt zu ermöglichen. So ist es nicht gekommen und das ist mehr als ärgerlich.

Fazit

Ein Crime-Procedural sollte unterhalten, einen leichten Grusel mit sich führen und uns die Gewissheit geben, dass die richtigen Leute die Bösen jagen, während wir beruhigt schlafen gehen können. Doch Criminal Minds: Beyond Borders hat im Unterschied zu den meisten seiner Artgenossen ein Problem. Jede dieser Serie nimmt sich in der Regel einen eigenen Bereich vor, durch den es sich auszeichnet. So zum Beispiel den Flair der jeweiligen Stadt bei den CSI: Crime Scene Investigation-Franchises. Criminal Minds lebt von der Idee des Profiling, die ja ohnehin mit der Klischeeproblematik zu kämpfen hat.

Das jüngste Mitglied in der „Criminal Minds“-Familie will nun von der Internationalität der Fälle leben. Schade nur, dass die Autoren unter Reiseallergie und kultureller Kurzsichtigkeit leiden. Um die freie Zeit zu füllen, beleidigen sie alle, die ihnen so vor die Kamera kommen und sorgen für hohen Blutdruck bei allen Zuschauern, die eine kleine Hoffnung auf etwas Neues hatten. Vielleicht bringt die zweite Episode die Erleuchtung, aber viel Anlass zu Optimismus gibt die Episode The Harmful One nicht her.

Trailer zur US-Serie „Criminal Minds: Beyond Borders“:

Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 17. März 2016

Criminal Minds: Beyond Borders 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Criminal Minds: Beyond Borders 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Jäger
Titel der Episode im Original
The Harmful One
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 16. März 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 1. November 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 16. November 2016
Regisseur
Colin Bucksey

Schauspieler in der Episode Criminal Minds: Beyond Borders 1x01

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