Creepshow: Kritik zur Neuauflage von Shudder

© creenshot aus Creepshow: Viel besser wurde die Maske durch Greg Nicotero nicht... (c) Shudder
1982 taten sich die beiden Horrorfürsten George A. Romero („Die Nacht der lebenden Toten“) und Stephen King („Es“) zusammen, um als Regisseur und Autor den Episodenfilm „Creepshow“ aka „Die unheimlich verrückte Geisterstunde“ zu drehen. 37 Jahre später hat Greg Nicotero, Maskenbildner und Produzent von The Walking Dead, beim amerikanischen Streamingservice Shudder eine Neuauflage beziehungsweise Serienadaption des kultigen Horrorstreifens heraufbeschworen.
Sechs Episoden umfasst die Auftaktstaffel, die nun ihre Premiere feierte. Das letzte Kapitel erscheint dann pünktlich zu Halloween. Die Pilotepisode trägt den Titel Gray Matter/The House of the Head. Und tatsächlich werden den Zuschauerinnen und Zuschauern jede Woche zwei Kurzgeschichten hintereinander präsentiert. Die erste stammt bekanntlich sogar aus Kings Feder. Als bekanntester Darsteller ist Giancarlo Esposito (Breaking Bad) beteiligt. Doch lohnt sich das Format?
Das Grauen
Zunächst zur Handlung, die in beiden Fällen recht kurz zusammengefasst werden kann: „Gray Matter“ dreht sich um einen Mann, der seine Frau verliert und seinen Schmerz in billigem Dosenbier ertränkt. Mit der Zeit nimmt er immer monströsere Züge an, da offenbar ein böser Parasit von ihm Besitz ergriffen hat. Seinen verängstigten Sohn zwingt er dazu, ihm immer neues Frischfleisch zu besorgen, damit er wachsen und wachsen kann. „The House of the Head“ handelt derweil von einem kleinen Mädchen und ihrem verfluchten Puppenhaus. Wann immer sie dieses aus den Augen lässt, sorgt ein mysteriöser Totenkopf für Chaos und Schrecken. Kann sie die Spielfiguren, die in dem Haus wohnen, beschützen?
Eingebettet werden die Geschichten jeweils in „Creepshow“-Comichefte. Durchgeblättert werden die vom düsteren Moderator, der als solcher aber nur finster lacht, statt mit uns zu reden. Dafür, dass Nicotero als einer der besten Maskenbildner Hollywoods gilt, besonders im Horrorgenre, wundert man sich schon, wie wenig das Design der Figur weiterentwickelt wurde. Gut möglich, dass man dem Original einfach treu bleiben wollte. Obwohl eine Neuauflage ja eigentlich durchaus ein paar frische Impulse setzen sollte, um uns wenigstens einen Hauch von Existenzberechtigung vorzugaukeln...

Auch die eigentlichen Geschichten hätten vielleicht einen modernen Anstrich vertragen können. Von Smartphones, Internet und sonstigen technologischen Wegbegleitern, die inzwischen einfach zum tagtäglichen Leben dazugehören, fehlt hier jede Spur. Klar könnte man sagen, dass Creepshow dadurch etwas Zeitloses hat - und natürlich schmiegt sich die Serie auch bewusst an das 80er-Jahre-Feeling an -, doch irgendwie wirkt das Ganze wie stehengeblieben. Zumal Black Mirror beispielsweise schon bewiesen hat, wie viel Gruselpotential in solchen Stoffen beziehungsweise in zeitgemäßen Themen stecken kann. Zum Vergleich: Die Neuauflage von The Twilight Zone hat in dieser Hinsicht deutlich mehr ausprobiert.
Klar kann beides, sprich: das wenig übertriebene Make-up sowie die sehr konventionellen, fast schon „X-Factor“-mäßigen Storys, leicht mit absichtlichen Entscheidungen erklärt werden. Doch im Fall der erschreckend schlechten Schauspielleistungen und Dialoge gilt diese Ausrede nur bedingt. Mit Ausnahme von Giancarlo Esposito, der es wirklich besser kann, scheint keiner der Darsteller bewusst zu „overacten“. Besonders lachhaft ist die Darbietung des Jungen aus „Gray Matter“, dessen Name hier nicht fallen muss. Doch auch das Drehbuch hebt sich leider kaum von einem Amateurfilm ab...
Jede einzelne Textzeile dient nur der Exposition und lässt nicht den geringsten Interpretationsspielraum. Zum Beispiel: „Was habe ich dir immer gesagt, damals, als ich deine Mathelehrerin war? Für jedes Problem gibt es eine Lösung.“ Okay, sie war also seine Mathelehrerin. Aber würde sie ihn im normalen Gespräch wirklich daran erinnern müssen? Zumal ein derart platter Ratschlag sowieso keinen Mehrwert hat. Selbstironie hört man dabei leider auch nicht heraus, so dass wir vermuten müssen, dass die Autoren, die hier immerhin eine Geschichte des großen Stephen King adaptieren durften, das alles ernst meinen.
Fazit
Um sich Creepshow anzuschauen, muss man vermutlich einer ganz speziellen Zielgruppe angehören. Nämlich einer, die so viel Spaß an Horror hat, dass sie sogar einen Streamingservice abonnieren würde, der nur dem einen Genre gilt. Außerdem kann es wohl nicht schaden, wenn man schon ein wenig älter ist und etwas Nostalgie für die Zeit mitbringt, als die Filmvorlage damals erschien. Dass sich Shudder solche Namen wie Greg Nicotero und Giancarlo Esposito sicherte, zeigt, dass das Projekt durchaus mit Ambitionen angelaufen ist. Leider ist davon im Endprodukt nicht viel spürbar.
Hier abschließend noch der Trailer zur Shudder-Serie Creepshow:
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