Crazy Ex-Girlfriend 4x17

© ??Crazy Ex-Girlfriend“ (c) The CW
Fast eine Woche lang habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, wie ich zum Ende von Crazy Ex-Girlfriend meine Wertschätzung für dieses letztlich doch sehr ungewöhnliche Serienkleinod ausdrücken kann. Die ungemein dynamische, thematisch reichhaltige Musical-Dramedy feierte im Oktober 2015 ihre US-Premiere bei The CW, am 5. April 2019 fiel nun nach vier Staffeln und unzähligen unvergesslichen Songs der Vorhang. Und das mit einem hervorragenden, sehr klugen und bewegenden Finale sowie mit einem fantastischen Konzert-Special, beim dem die größten Hits der Show live vor Publikum im Rahmen einer wundervollen, „CxG“-typischen Bühnenshow zum Besten gegeben wurden.
„Crazy Ex-Girlfriend“ war nie ein Quotenschlager. Schon die erste Staffel lockte bei ihrer TV-Ausstrahlung pro Episode durchschnittlich gerade mal knapp über eine Million US-Zuschauer vor die Fernsehgeräte. In den Folgejahren ging diese Zahl sogar deutlich runter. Doch die beiden Serienschöpferinnen Aline Brosh McKenna und Rachel Bloom, wobei letztere auch die Hauptrolle spielt, durften weitermachen, den generell sehr positiven Kritiken und dem hohen Prestigewert ihrer Serie sei Dank. Nicht selten fand sich „Crazy Ex-Girlfriend“ auf diversen Bestenlisten des Jahres wieder, die Fangemeinde war vielleicht nicht besonders groß, aber extrem loyal und absolut verrückt nach dem Format.
In Deutschland kann man sich via Netflix ein eigenes Bild von der Serie machen, dort sind bisher die ersten drei Staffeln verfügbar. Auch in den USA fand „Crazy Ex-Girlfriend“ immer wieder zeitnah seinen Weg zu dem Streaminganbieter, wodurch man mit etwas Verspätung die eher mageren TV-Einschaltquoten aufbessern sowie neue Zuschauer gewinnen und begeistern konnte. Staffel vier ist aktuell einzig über iTunes gegen eine verhältnismäßig schmale Gebühr (etwas mehr als zehn Euro für insgesamt 18 Episoden) zu sehen - und es lohnt sich. In der vierten Staffel wollten es McKenna, Bloom und der „Crazy Ex-Girlfriend“-Writers' Room anscheinend noch einmal ganz genau wissen. Sie erhielten die Chance, die Geschichte nach ihren Vorstellungen abzuschließen. Und das Resultat ist bemerkenswert.
Bei anderen Sendern wäre der Stecker wahrscheinlich bereits nach der ersten Staffel gezogen worden. Nicht so bei The CW, die Heimat unterschätzter Kritikerlieblinge (siehe Jane the Virgin oder auch Legends of Tomorrow), was man dem US-Network hoch anrechen muss. Ohnehin wird einem mit dem Finale der Serie und dem dazugehörigen Abschlusskonzert noch einmal bewusst, wie unglaublich es eigentlich ist, dass „Crazy Ex-Girlfriend“ in vier Jahren auf 62 Episoden gekommen ist. Eine Serie über eine psychisch labile Anwältin aus New York, die in die Heimatstadt ihres Jugendschwarms zieht, in der Hoffnung, die Liebe ihres Lebens von sich überzeugen zu können. Was etwas unausgeglichen begann und einige Fragen aufwarf, inwiefern diese eigenwillige Prämisse denn auch wirklich funktionieren würde, entwickelte sich zu einer extrem komplexen Achterbahnfahrt der Gefühle, die sich am Puls der Zeit bewegt und regelmäßig mit den Gepflogenheiten ihres Genres gebrochen hat.
Zwischen launigen, vielschichtigen Musical-Nummern über Period Sex, die Ungleichbehandlung der Geschlechter oder starke Typen,die wie alle anderen auch Existenzängste plagen sowie zwischen schockierenden Enthüllungen, was wirklich in der psychisch kranken Hauptfigur der Serie vorgeht, passte zumeist nicht mehr als ein dünnes Blatt Papier.
„Crazy Ex-Girlfriend“ gelang es immer wieder meisterhaft, all seine Facetten, von denen viele nicht wirklich kompatibel miteinander waren, zu kombinieren und dadurch eine sehr eigene Stimme zu entwerfen, die man in dieser Form noch nie zuvor gehört hatte. Die Serienlandschaft wurde entscheidend bereichert. Nach dem soliden, wenngleich keineswegs vollkommen überzeugenden Auftakt im Oktober 2015, dem ich damals vorsichtig optimistisch gegenüberstand, war das so sicher nicht abzusehen.

I'm in love with myself
Umso erstaunlicher ist es, dass es letztlich so gekommen ist, wie es gekommen ist. Ein wenig erinnert mich Crazy Ex-Girlfriend an You're the Worst, die FXX-Dramedy, die ebenfalls kürzlich erst zu Ende gegangen ist. Auch in der The CW-Serie hat man immer wieder mit den Ideen einer klassischen, romantischen Geschichte gespielt, teilweise hat man sich sogar ganz bewusst auf Genreklischees eingelassen, um diese wenig später in sehr ehrlichen Songs über Liebe, Selbstzweifel und persönliche Unsicherheiten ad absurdum zu führen. „Crazy Ex-Girlfriend“ ist eine Serie gewesen, in der Beziehungen eine sehr wichtige Rolle gespielt haben, manchmal vielleicht sogar zu sehr. Man hat jedoch auch stets Möglichkeiten gefunden, über einfache „Will they, won't they?“-Dynamiken hinauszugehen und vielmehr die verschiedenen Charaktere zu entschlüsseln, als diese einfach nur in verschiedenen Pärchen zu organisieren.
Deshalb ist auch das Ende der Serie so befriedigend, wobei es lange Zeit so aussah, als würden Aline Brosh McKenna und Rachel Bloom auf eine sehr romantische, „Bachelorette“-mäßige Auflösung ihrer Geschichte um Rebecca Bunch hinarbeiten. Das hatte mich in der zweiten Hälfte der finalen Staffel zunächst durchaus irritiert, dass Rebecca scheinbar am Ende eine Entscheidung zwischen ihren drei Verehrern Josh (Vincent Rodriguez), Greg (Neubesetzung Skylar Astin) und Nathaniel (Scott Michael Foster) treffen wird. Doch es deutete sich bereits an, dass es anders kommen könnte. Zu beißend war die unterschwellige Kritik an dem perversen Ritus der menschlichen Gesellschaft, im Kollektiv darauf hinzufiebern (und sogar Wetten abzuschließen), wer letztlich mit wem zusammenkommt und wer im gnadenlosen Spiel der Liebe leer ausgeht. Wie kann man sich auf eine Beziehung einlassen und jemand anderen von Grund auf lieben, wenn man selbst nicht im Reinen mit sich ist?
Unsere Protagonistin hätte sich diese Liebe mit Josh, Greg, Nathaniel oder wem auch immer einfach nehmen und versuchen können, das schwarze Loch zu füllen, das sie in sich trägt. Ob sie das wirklich glücklich machen würde, beantwortet die Finalepisode von „Crazy-Ex Girlfriend“ sehr deutlich: Nein. Und so trifft Rebecca schließlich keine Entscheidung für oder gegen einen ihrer Verehrer, sondern einzig und allein für sich. In einer herzzerreißenden Szene weiht sie ihre beste Freundin Paula (die überragende Donna Lynne Champlin) in ein sehr persönliches Geheimnis ein. Sie öffnet ihre tiefste, musikalische Gedankenwelt für Paula, der Ort, an dem sich Rebecca am wohlsten fühlt und zu dem sie immer wieder zurückkehrt. Sie erkennt, dass sie diese Seite von ihr endlich vollkommen wahrnehmen muss, dass Rebecca sich selbst und ihre Probleme akzeptieren muss, um die Person zu sein, die sie schon immer sein wollte.
Es ist ein wunderschöner, inspirierender Moment, der uns Zuschauern noch einmal eindrucksvoll vor Augen führt, was für eine unglaubliche Strecke die Serie und Rebecca Bunch zurückgelegt haben. Neben all den Songs und Muscialeinlagen, zu denen ich immer wieder gerne via YouTube zurückkehre, wenn meine Stimmung im Keller ist, findet „Crazy Ex-Girlfriend“ einen absolut nachvollziehbaren, nicht besser passenden Abschluss einer Geschichte, in deren Zentrum letztlich mehr Selbstliebe als die Liebe für jemand anderen steht. Letzteres hat Rebecca jahrelang große Schmerzen zugefügt, auch wenn sie es oft nicht zugegeben hat. Sie und die vielen Charaktere an ihrer Seite haben allesamt für sich herausgefunden, wie sie selbst glücklich sein können, bevor sie mit jemand anderem glücklich werden können, sofern sie es denn überhaupt wollen...
Diese inhaltliche und auch emotionale Tiefe muss sich entwickeln, sie kann nicht einfach von Anfang an existieren. Und glücklicherweise hat Crazy Ex-Girlfriend die Zeit bekommen, all dies aufzubauen, die verschiedenen Figuren auseinanderzunehmen und neu zusammenzusetzen. So ist die Serie über ihren Status als offenherzige, brutal ehrliche Musicalshow mit tollen Kompositionen und einzigartigen Einfällen hinausgewachsen. So hat sich erst zeigen können, was wirklich alles in dieser anfangs klischeehaften Erzählung steckte, was in der Tat ein Stück weit unglaublich ist. Der Abschied von „Crazy Ex-Girlfriend“ schmerzt, aber wenn eine Serie so selbstbewusst und intelligent zu einem Ende kommt und uns dann auch noch in einer exzellenten Bühnenshow aufzeigt, wie verrückt es eigentlich ist, dass es vier Staffeln viele dieser teils wahnsinnigen, teils ergreifenden, teils witzigen und auch teils tragischen Geschichten aus dem kleinen West Covina in Kalifornien gab - dann kann man sich am Ende ein mehr als zufriedenes Lächeln doch einfach nicht verkneifen...
Wie hat Euch das Ende von „Crazy Ex-Girlfriend" gefallen? Und was sind Eure Lieblingssongs aus der Serie?
„Crazy Ex-Girlfriend" | „Eleven o' Clock" | The CW:
Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 12. April 2019Crazy Ex-Girlfriend 4x17 Trailer
(Crazy Ex-Girlfriend 4x17)
Schauspieler in der Episode Crazy Ex-Girlfriend 4x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?