Crazy Ex-Girlfriend 3x13

Crazy Ex-Girlfriend 3x13

Crazy Ex-Girlfriend hat in seiner dritten Staffel so einiges auf den Kopf gestellt. Loryn und Felix diskutieren munter über die ungewöhnlichen Wege, die die Dramedy eingeschlagen hat, Stärken sowie Schwächen der Staffel, ihre Lieblingssongs und was die Zukunft bringen könnte.

„Crazy Ex-Girlfriend“ (c) The CW
„Crazy Ex-Girlfriend“ (c) The CW
© ??Crazy Ex-Girlfriend“ (c) The CW

Die dritte Staffel von Crazy Ex-Girlfriend feierte am Freitag, den 16. Februar mit der Episode Nathaniel Is Irrelevant ihren Abschluss und hat dabei einige Fragen aufgeworfen. Aber nicht nur die Zukunft der Musical-Dramedy ruft Diskussionen hervor, die gesamte dritte Staffel brachte zahlreiche, teils heftige Veränderungen mit sich, die man von dem Format aus der Feder von Rachel Bloom und Aline Brosh McKenna nicht erwartet hätte. Die beiden SERIENJUNKIES.DE®-Redakteure Loryn und Felix debattieren über die dritte Staffel von „Crazy Ex-Girlfriend“, wie sie zur gefühlten Neuausrichtung der Serie stehen und wie es in einer möglichen vierten und dann wahrscheinlich auch abschließenden Staffel weitergehen könnte.

Felix: Ich kann mich noch erinnern, als ich vor gut anderthalb Jahren die Kritik zur Pilotfolge von „Crazy Ex-Girlfriend“ geschrieben hatte. Während viele aus der Redaktion sogleich recht angetan waren, bin ich mir noch unsicher gewesen, was ich von dieser mit Gesangs- und Tanzeinlagen gespickten Serie über eine liebeskranke Anwältin, die alles aufgibt, um einem alten Schwarm hinterherzujagen, halten soll. Drei Staffeln später sind die anfänglichen Zweifel lange verflogen. Die Serie zählt gar zum Kreis meiner vielen kleinen, unterschätzten Lieblinge der US-Fernsehlandschaft. Dabei sind es nicht nur die stets großartigen Songs, die Bloom, McKenna und ihr Autorenteam erarbeiten. Mittlerweile sind einem auch die komplexen Charaktere extrem ans Herz gewachsen, von denen sich viele Ängste und Sorgen ausgesetzt sehen, die man mit Leichtigkeit nachvollziehen kann.

Crazy Ex“ ist längst kein „Gimmickformat“ mehr, das sich allein über seine smarten, mitunter provozierenden und wunderbar ehrlichen Lieder profiliert. Und die ambitionierte dritte Staffel unterstreicht diese These eindrucksvoll. Nachdem sich die erste der ungesunden Besessenheit von Hauptcharakter Rebecca gegenüber ihrer alten Flamme Josh gewidmet hatte und die zweite Staffel dem Duo nach etlichem Hin und Her tatsächlich für kurze Zeit ihr Liebesglück gönnte, schlägt Staffel drei einen Weg ein, der viele Zuschauer kalt erwischt. Im Finale der zweiten Staffel wurde Rebecca vor dem Traualtar von Josh verlassen und sinnt auf Rache. Nach ein paar Episoden, in denen Rebecca in bester „Fatal Attraction“-Manier (diesen Vergleich haben die Verantwortlichen gleich zu Beginn aufgestellt) Josh ins Visier nimmt, gibt es jedoch einen Bruch.

In I Never Want to See Josh Again, der fünften Episode der dritten Staffel von „Crazy Ex-Girlfriend“, sehen wir am Ende, wie Rebecca an Bord eines Flugzeuges einen Selbstmordversuch durch eine Überdosis an Pillen unternimmt. Urplötzlich driftet das sonst so fröhliche, schwungvolle Format in eine düstere, ungemein ernste Richtung ab, was von langer Hand vorbereitet wurde. Ab diesem Punkt geht es mehr als jemals zuvor um die psychische Erkrankung Rebeccas, ihre tief verwurzelten, sehr persönlichen Probleme sowie den Schaden, den sie in letzter Zeit angerichtet hat - an sich selbst und an den Menschen, die ihr am nächsten stehen. Die Serienschöpfer setzen viel und gewinnen alles, denn: „Crazy Ex-Girlfriend“ geht auf einmal mehr unter die Haut, als es in der Vergangenheit der Fall gewesen ist.

Ja, auch Lacher gibt es noch zur Genüge. Doch die sehr greifbare Auseinandersetzung mit den psychischen Leiden der Hauptfigur und wie sie sich und andere jahrelang selbst angelogen hat, offenbart eine neue, bewegende Facette der Serie, die bisher eher zweitrangig gewesen ist. Loryn, wie hast du diesen eher abrupten „Themenwechsel“ wahrgenommen? Findest du es gut, dass „Crazy Ex“ jetzt diesen vergleichsweise gewagten Weg geht und sich ein Stück weit neu erfindet?

Loryn: Oh ja, genau die Neuerungen daran finde ich wunderbar, wie die Serienmacherinnen uns aus dem Hinterhalt mit der Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung gerade dann überfallen, als wir uns zwei Staffeln daran gewöhnt haben, dass die psychischen Probleme - nicht nur von Rebecca - unüberhörbar laut, aber auch unausgesprochen beziehungsweise ohne Konsequenzen durch die Story fließen. Plötzlich wurde es ernst im Flugzeug, als Höhepunkt einer schleichenden Entwicklung, die ja schon vor der Pilotepisode angefangen hatte und die wieder einmal zeigt, dass psychische Erkrankungen nicht so einfach festzunageln und zu erkennen sind wie eine Grippe.

Gut gefallen hat mir auch, dass in der dritten Staffel auch die Nebenfiguren, die wir schon so lange begleiten, endlich weiter ins Rampenlicht treten, darunter White Josh (David Hull) - wann hat sich eigentlich der Spitzname WhiJo für ein eingebürgert? - und Hector (Erick Lopez). Während Rebecca am Tiefpunkt ankommt und ihren Problemen ins Auge sehen muss, finden die meisten anderen endlich einen Weg oder zumindest erste Schritte aus der Talsohle. Heather (Vella Lovell) nimmt nicht nur einen Job an, sondern startet daraus in Rekordzeit eine steile Karriere. Und es wäre natürlich nicht „Crazy Ex-Girlfriend“, wenn sie nicht nebenbei noch entscheidet, Leihmutter für Darryl (Pete Gardner) zu werden. Denn das ist auch die Schönheit der Serie: Nicht nur Rebecca hat fernab der gängigen Klischees ihr Kreuz zu tragen, auch die anderen Charaktere kämpfen mit ihren eigenen Traumata.

„Crazy Ex-Girlfriend“ | „Get Your Ass out of My House“:

The CW
The CW - © The CW

Und dennoch habe ich einige Probleme mit der neuen Staffel, die nicht besonders gravierend, aber dann doch etwas enttäuschend sind. Vieles davon hat sich besonders im Staffelfinale manifestiert. Gerade die Figur Trent ist mir da ein Dorn im Auge, denn als der große Gegenspieler, zu dem er sich dann irgendwie gemausert hat, fehlt ihm das Charisma und die Hintergrundstory. Nein, die Story mit dem Ganzkörpergips und dem miserablen Komiker reicht mir nicht. Oft kommen die Serienautorinnen mit einer schnellen, spaßigen Erklärung durch, denn der Wortwitz und die Cleverness des Drehbuchs können mich doch immer wieder mitreißen. Aber dieses Mal laufen die Bemühungen für mich ins Leere. Trent ist eine inhaltslose Hülle von Figur und alles, was mit ihm zu tun hat, funkt bei mir nicht.

Das Besondere an der Serie war ja immer, dass es ohnehin keine richtigen Gegenspieler gab, denn alle sind ja gleichzeitig verdorben und aufrichtig. Und nun ist da dieser fiese Typ, für den ich keinen Funken Sympathie aus der Story kratzen kann und an ihm entzündet sich eine Kriminalstory, der ich emotional auch nicht mehr folge. Na klar, es war schön zu sehen, dass Rebecca endlich die Verantwortung für ihre Taten übernimmt und das in einer der schwierigsten Situationen. Und, oh nein, dann musste ich auf der Anklagebank auch noch feststellen, dass mir das große Gefühl für Nathaniel (Scott Michael Foster) unterwegs verloren gegangen ist. Wie ging es dir denn so im Moment der Wahrheit, Felix?

Felix: Ich stimme dir vollkommen zu, dass Trent nie mehr als ein Plotdevice war und, sofern er dann irgendwann noch einmal zurückkehren wird, sein wird. Er ist kein definierter Charakter, sondern ein reines Mittel zum Zweck und eine Person, die Rebecca erkennen lässt, was in ihrem Leben verkehrt läuft. Sie redet sich ja teilweise ein, dass sie niemals so verrückt und besessen wie Trent sein könnte - was sie letztlich aber immer wieder ist.

Der von dir angesprochene Moment der Wahrheit funktionierte indes ziemlich gut für mich, eben weil es allein Rebeccas Szene ist und Rachel Bloom in diesem Augenblick der Einsicht und des Schuldbewusstseins unglaublich stark aufspielt. In diesem Moment war mir ein Charakter wie Nathaniel fast ein wenig egal, am meisten bewegte mich da noch der emotionale Austausch von Blicken zwischen Rebecca und Paula. Beide zeichnet eine extrem komplexe Freundschaft aus, die durch Rebeccas weitreichende Entscheidung, endlich für ihre Fehler einzustehen, vielleicht doch noch irgendwie gerettet werden kann.

Hinsichtlich Nathaniel muss ich sagen, dass er mir in Kombination mit Rebecca weitaus besser gefällt als zum Beispiel Rebecca mit Josh. Wahrscheinlich, weil Nathaniel und Rebecca gleichermaßen kaputt sind, wie ihr abschließendes Duett „Nothing Is Ever Anyone's Fault“ noch einmal unterstreicht. Das Mitfühlen für Nathaniel ist vielleicht nicht mehr so präsent wie zuvor, weil sich der Fokus so stark verändert hat? Weg von einer möglichen Beziehung der beiden, hin zu einer sehr persönlichen, schmerzhaften Reise der Titelfigur, die sie nur allein bewältigen kann. Dass dadurch andere Aspekte oder gar Nebencharaktere kürzer kommen als zuvor - zum Beispiel Valencia, trotz ihres großartig zweideutigen Songs „This Is My Movement“ - lässt sich wohl nicht vermeiden.

Aber, wo ich gerade schon ein paar der Lieder aus dieser dritten Staffel von Crazy Ex-Girlfriend erwähnt habe: Habe ich das eigentlich richtig in Erinnerung, dass du von einigen musikalischen Einlagen in dieser Staffel etwas enttäuscht warst?

„Crazy Ex-Girlfriend“ | „The Buzzing from the Bathroom“:

The CW
The CW - © The CW

Loryn: Leider, ja. Die Musikstücke der Staffel sind für mich von Enttäuschungen, Wiederholungen und vor allem schnellem Vergessen geprägt. Während ich die Lieder der ersten beiden Staffeln immer wieder gerne auch auf YouTube laufen lasse, finden aktuell kaum neue Lieblinge den Weg in meine Playlist. Wieso das so ist - darüber wundere ich mich selbst immer wieder. Ein paar Perlen sind glücklicherweise dennoch dabei, ganz vorne liegen für mich Paulas ABBA-Hommage „The First Penis I Saw“ und Rebeccas Ode an die Katze „Fuckton of Cats“. Doch darüber hinaus musste ich mich für diesen Text schon auf Listen stützen, um mir alle Songs zurück ins Gedächtnis zu rufen. Noch frisch in meiner Erinnerung sind natürlich die beiden Songs aus dem Staffelfinale. Das großartige „Miracle of Birth“ wird man nicht so schnell vergessen, auch das Duett von Rebecca und Nathaniel, muss ich zugeben, war schön anzuhören, vor allem jedoch hat es mir als Überspitzung der Ausredenangewohnheit und als Vorbereitung auf ihre große Erkenntnis vor dem Richter gefallen.

Doch was gab es denn sonst noch so Schönes zu hören, was ich mir besser hätte merken sollen?

Felix: Ich habe eine ganz allgemeine Theorie bezüglich der Lieder in der dritten Staffel: Dadurch, dass viele Handlungsstränge auf einmal furchtbar ernst und tiefsinnig sowie die zentralen Charaktere ausführlicher und komplexer als jemals zuvor gezeichnet werden, bleibt womöglich gar nicht mehr die Zeit, um wie in Hochzeiten drei Musikstücke in einer Folge unterzubringen. Selbst für die Finalepisode war noch ein Song von Nathaniel angedacht, der dann aber aus Zeitgründen rausgeschnitten wurde. Ohnehin kann der Eindruck entstehen, dass sich die größtenteils sehr spaßigen Songs vielleicht ein wenig mit der neuen, gelegentlich sehr bedrückenden Ausrichtung der Serie beißen. Trotzdem gelingt meiner Meinung nach die Mischung aus harten Themen und schwungvollen Liedern. So zum Beispiel Rebeccas „A Diagnosis“, der 80er-Popsong „Let's Generalize about Men“ im Weather-Girls-Stil, Heathers Schritt in ein neues Leben via des herrlich klischeehaften „The Moment Is Me“ oder das tragische „Life Doesn't Make Narrative Sense“, inklusive Gastauftritt von Josh Groban.

Ich rechne es Crazy Ex-Girlfriend nach wie vor extrem hoch an, dass sie für welche Situation auch immer - Freude, Trauer, Enttäuschung - eine Idee haben, die wilden Gedanken ihrer Figuren in vielschichtige Songs umzuwandeln. Persönliche Höhepunkte waren die bereits weiter oben von mir erwähnten Titel, aber auch unerwartete Darbietungen, so zum Beispiel Tims traurige Ballade „The Buzzing from the Bathroom“, die genial geschrieben ist und perfekt vorgetragen wird. Die von dir erwähnten „The First Penis I Saw“ und „Miracle of Birth“ (Ich erkenne ein Muster... Donna Lynne Champlin hat einfach eine fantastische Stimme) werde ich ebenfalls sehr gut in Erinnerung behalten. Die etwas unterschätzen „Fit Hot Guys Have Problems und der feurige „Horny Angry Tango“ würde ich auch noch mit auf die Liste packen.

Jetzt haben wir aber immer noch nicht geklärt, was die Zukunft für „Crazy Ex-Girlfriend“ und Rebecca Bunch bereithalten wird. Bloom und McKenna haben stets gesagt, dass sie ihre Geschichte auf vier Staffeln aufteilen wollen. Wenn sich The CW also einen Ruck gibt (die Quoten von „Crazy Ex“ sind ja eher mau) und eine weitere Staffel bestellt, dann könnte diese wiederum auch die letzte sein. Dabei stehen wir vor der bis dato größten Veränderung in der Serie: Rebecca wandert sehr wahrscheinlich ins Kittchen ein. Was kommt dann, eine Gefängnisserie à la Orange Is the New Black, nur mit Gesang und Tanz? Oder finden ihre Freunde noch ein Schlupfloch? Wobei, genau das wollen wir - und das will Rebecca ja nicht. Sie muss nun für ihre Verfehlungen und ihr Verhalten einstehen. Nur so kann sie sich bessern. Fragt sich nur, wie man diese Charakterentwicklung gut verpacken kann, vor allem, wenn die Hauptfigur der Serie im Knast sitzt. Irgendwelche Ideen, Loryn?

Loryn: Ich denke eigentlich, ein fairer Prozess müsste ohnehin in einem Freispruch münden, schließlich ist Trent ein ausgemachter Stalker, der Rebeccas Freunde bedroht hat und sie wollte ihn nur daran hindern. Ich hoffe, dass wir die Trent-Sache schnell vergessen und sie sich den großen Problemen stellt, die ich in dieser Staffel viel wichtiger fand. Zum Beispiel, wie sie mit ihren Freunden umgeht, auch nachdem sie eingesehen hat, dass sie sie in der Vergangenheit schlecht behandelt hat. In den letzten Minuten übernimmt sie die Verantwortung für ihr Handeln, aber das sollte - und war es ja auch eigentlich - an Paula und nicht an die Juristen gerichtet sein.

Ich wünsche mir für eine vierte Finalstaffel, dass Rebecca lernt, mit ihrer Diagnose umzugehen, wie sie es getan hätte, wenn nicht Trent plötzlich reingegrätscht wäre und den Traum von Stabilität wieder zunichte gemacht hätte. Nach der Diagnose war Trents Ankunft eine weitere Hürde auf dem Weg zum Ziel, die von außen an Rebecca herankam. Und auch wenn das Leben natürlich niemals so stillsteht, dass man sich nur mit sich selbst beschäftigen könnte, hoffe ich, dass die letzte Staffel in den Fokus stellt, wie Rebecca herausfindet, in welche Richtung sie selbst gehen will und wie sie das unter den gegebenen Bedingungen am besten macht. Außerdem hoffe ich auf ein Wiedersehen mit Darryls Ukulele, bevor die letzte Klappe fällt!

„Crazy Ex-Girlfriend“ | „Let's Generalize about Men“:

Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 24. Februar 2018

Crazy Ex-Girlfriend 3x13 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 13
(Crazy Ex-Girlfriend 3x13)
Deutscher Titel der Episode
Nathaniel ist nicht wichtig
Titel der Episode im Original
Nathaniel Is Irrelevant
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 16. Februar 2018 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 27. Oktober 2018
Autoren
Aline Brosh McKenna, Michael Hitchcock
Regisseur
Aline Brosh McKenna

Schauspieler in der Episode Crazy Ex-Girlfriend 3x13

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