In der neuen HBO-Comedyserie Crashing spielt der US-amerikanische Stand-up-Comedian Pete Holmes eine alternative Version seiner selbst. Die Pilotepisode beginnt mäßig, doch hinterlässt dank eines großartigen Gaststars trotzdem Eindruck.

Der Stand-up-Comedian Pete Holmes spielt in „Crashing“ eine alternative Version seiner selbst. / (c) HBO
Der Stand-up-Comedian Pete Holmes spielt in „Crashing“ eine alternative Version seiner selbst. / (c) HBO
© er Stand-up-Comedian Pete Holmes spielt in „Crashing“ eine alternative Version seiner selbst. / (c) HBO

Serien über strauchelnde Künstler und vor allem über strauchelnde Komiker in New York gibt es schon zuhauf. Braucht man also wirklich einen weiteren Vertreter dieses Genres - vor allem, wenn Louis C. K. mit seiner FX-Comedy Louie bereits annähernd Perfektion erreicht hat? „Ja“, meinen der Stand-up-Comedian Pete Holmes und Regisseur Judd Apatow (Freaks and Geeks, Girls, Love) und sollen damit Recht behalten.

In ihrer neuen HBO-Komödie Crashing, die lose auf einer gleichnamigen Serie ihrer britischen Kollegin Phoebe Waller-Bridge (auch bekannt aus: Fleabag) basiert, präsentieren die beiden ein vielversprechendes Konzept und sympathische Darsteller, die ausreichen, um - zumindest - mein Interesse zu wecken. Die Pilotepisode Artie Lange benötigt anfangs zwar ein wenig Zeit, um in Fahrt zu kommen, kann dafür allerdings mit einem hervorragenden Auftritt des titelgebenden Komikers Artie Lange glänzen.

Tough it up!

Die Hauptfigur Pete (Holmes) lernen wir zusammen mit seiner Frau Jess (Lauren Lapkus) kennen. Rasch wird klar, dass Pete trotz seiner Berufung zum Unterhalter der Massen privat eher ein langweiliger Zeitgenosse ist. Besonders beim Thema Sex ist er - vermutlich wegen seiner christlichen Erziehung - nicht besonders abenteuerlustig. Und so kommt, was kommen musste: Wir und Pete finden heraus, dass Jess ihn mit einem anderen Mann betrügt - mit einem griechischen Sexgott, um genau zu sein.

Dieser Handlungsstrang ist mit Abstand der schwächste sowie der am ehesten klischeevolle der Episode, erweist sich mit Blick auf die kommenden Ereignisse allerdings als unvermeidlich. Denn nun ist Pete dazu gezwungen, seine Wohlfühlzone zu verlassen und so stürzt er sich bloß wenige Stunden nach der Trennung auf die Bühne. Seine Komikerkollegen raten ihm dazu, den Kummer in Comedy zu verwandeln. Das geht allerdings gehörig schief und Pete blamiert sich bis auf die Knochen, ganz zum Amüsement der Anstifter - beliebt ist er bei anderen Stand-up-Comedians also scheinbar nicht.

Pete (Pete Holmes) und sein neuer Freund Artie (Artie Lange).
Pete (Pete Holmes) und sein neuer Freund Artie (Artie Lange). - © HBO

Doch der Auftritt hat auch etwas Gutes: Pete lernt auf diese Weise sein Idol Artie Lange kennen, der zunächst nur aus Mitleid mit ihm spricht. An diesem Punkt beginnt Crashing, endlich richtig Spaß zu machen, denn Artie erweist sich als erster wirklich lustiger Komiker der Serie. Obwohl er Pete noch nicht sehr lange kennt, zieht er ihn wie einen alten Freund auf - genau das Richtige für Pete, der sonst im Kummer zu ertrinken drohen würde.

Auf der anderen Seite muss sich Pete aber auch ein wenig vor Artie in Acht nehmen, da dieser hin und wieder kleine Funken von Verrücktheit durchleuchten lässt. Als die beiden zum Beispiel in der U-Bahn von einem Obdachlosen überfallen werden, provoziert Artie den bewaffneten Angreifer, flüchtet und lässt Pete schließlich allein zurück. Und auch Petes Auto fällt Arties Eskapaden zum Opfer. Am Ende erkauft sich Pete so allerdings einen Schlafplatz auf Arties Couch. Insgeheim weiß er vermutlich, dass sein neuer Freund genau die Sorte negativer Einfluss ist, die er nun bitter nötig hat.

Fazit

Trotz kleiner Startschwierigkeiten macht die neue HBO-Serie Crashing Lust auf mehr. Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Gaststars, die Pete auf ihrer Couch Asyl gewähren werden oder ihm einfach ein paar nützliche Ratschläge geben, wie er seine Stand-up-Sets verbessern kann. Pete selbst halte ich aktuell noch für zu langweilig und träge, um allein zu unterhalten, obwohl der Darsteller Holmes eine gute Darbietung gibt. Allgemein gefallen mir die Darsteller - allen voran Artie Lange - sehr gut, bloß das Talent von Lauren Lapkus scheint in der Rolle des „fiesen Frauchens“ ein wenig verschwendet worden zu sein.

Mit den Königen des Genres, Seinfeld und Louie, kann Crashing zwar noch nicht mithalten, präsentiert dafür allerdings eine Prämisse, die ausreichend andersartig ist, um eine legitime Existenzberechtigung zu beanspruchen. Grundsätzlich liegt stets großes Potential in der Trope des traurigen Clowns. Wie weit man damit gehen kann, zeigten Martin Scorsese und Robert De Niro 1982 im grandiosen Filmklassiker „The King of Comedy“ - wobei ich bezweifle, dass Apatow und Holmes einen solchen Weg einschlagen werden.

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