Coyote 1x01

© erienposter zur US-Serie Coyote (c) CBS All Access
Agent Clemens ist ein US-Grenzschützer wie aus einem konservativen Traum. In der Serie Coyote werden seine Überzeugungen durch eine Zufallsbegegnung jenseits der Grenze herausgefordert. Können die Serienmacher ihre Zuschauer mitnehmen auf dieses Lehrstück im Auftrag der Völkerverständigung?
Wovon handelt die Serie Coyote?
Agent Clemens (Michael Chiklis) nimmt seinen Job ernst. 32 Jahre lang fährt er die Grenzen zwischen den USA und Mexiko ab und schickt diejenigen auf die Seite, auf die sie seiner Meinung nach gehören. Doch schon in der Pilotepisode ist damit Schluss, denn er wird in Rente geschickt. Die Party, die ihm zu Ehren auf dem Revier veranstaltet wird, findet er furchtbar. Als einsamer Wolf zieht er lieber alleine seine Kreise.
Den Ruhestand beginnt er dann zunächst in Mexiko, wo er für die Frau seines offenbar verstorbenen Freundes Javier ein Haus zu Ende bauen will, damit sie es verkaufen kann, um ihr Haus in den USA nicht zu verlieren. Doch viel steht nicht mehr von dem Traum auf den Klippen... Als er neues Baumaterial in den USA besorgt, trifft er auf dem Parkplatz auf einen illegalen Einwanderer, den er aus seinen aktiven Tagen kennt. Als gesetzestreuer Bürger verständigt er sofort seine alten Kollegen. Die sind jedoch alles andere als interessiert und sagen ihm, dass das nun nicht mehr seine Aufgabe sei.
Unterbrochen wird seine aufkeimende Sinnkrise von dem Schulabschluss seiner Tochter. An den muss seine Exfrau ihn natürlich erinnern, denn er würde lieber nicht gehen, um den neuen Mann seiner Ex nicht zu treffen... Dort hält diese dankenswerterweise immer noch eine Flasche seines Lieblingsbieres bereit und seine schlagfertige Tochter lässt sich auf eine mehr oder weniger emotionale Unterhaltung mit ihm ein. Später zerstört er aus Versehen noch ein idyllisches Familienbild mit seiner Sonnenbrille und schon ist er wieder unterwegs nach Mexiko.
Dort hat er ein kleines Restaurant am Hafen für sich entdeckt, in dem sein Freund Javier bekannt war. Er vermutet, dass Javier, der in Amerika eine Frau und ein Kind hatte, mit der Besitzerin des Cafés mehr verbindet als nur gute Fisch-Tacos. Auch finden wir bei der Gelegenheit heraus, dass dieser seinerseits in den Diensten der mexikanischen Polizei gestanden haben muss.
Außerdem dürfen wir die unsägliche Unterhaltung miterleben, in der die Besitzerin ihn fragt, warum Menschen immer noch über die Linien im Sand kämpfen und er ihr dann erwidert, dass diese Linien auch aus einem Grund gezogen wurden.
Doch auf dem nächtlichen Rückweg ins Land der Freiheit wird seine Engstirnigkeit auf den Prüfstand gestellt. Auf dem Rücksitz hat sich die Kellnerin aus dem Café versteckt, die von dem örtlichen Gangboss schwanger ist und Angst vor ihm hat. Clemens bringt sie trotz offensichtlicher Gegenwehr zu seinen Bekannten bei der mexikanischen Polizei, die aber nicht daran interessiert sind, eine Anzeige aufzunehmen.
„Ihn zu melden, würde sie nur schneller umbringen“, sagt der Polizist über den Gangsterboss zu seinem amerikanischen Kollegen. Sein erneuter Versuch, ins Heimatland zurückzukehren, bringt ihm eine nächtliche Zwangsbegegnung mit Dante, besagtem Gangboss, ein, bei der jener ihm mit dem Tode droht, solle Clemens der Frau noch jemals wieder zu nahe kommen.
Das ist jedoch einfacher gesagt als getan, denn María Elena Flores (Emy Mena) taucht an Javiers Hütte auf, an der Clemens ja immer noch werkelt. Nachdem der einstige Grenzschützer und die verängstigte junge Frau gemeinsam zwei Handlanger Dantes zur Strecke bringen, müssen sie flüchten. Clemens will erneut die mexikanische Polizei ansteuern, doch Maria sagt ihm, dass das nicht sicher sei und dieses Mal hört er. Am Ende der Pilotepisode sehen wir die beiden im Auto durch die Wüste flüchten.
Wie kommt es rüber?
Die Serie Coyote ist ein Lehrstück versteckt in einem Actionabenteuer. Der ideale Zuschauer, den die Autoren wohl vor Augen hatten, startet, so scheint es, mit Clemens' Einstellung in die Serie. Priorität haben Recht und Ordnung. Wer nicht legal nach Amerika kommt, der muss ausgewiesen werden, so schnell wie möglich. Ferner wird der ideale Zuschauer gerne von actionreichen Szenen unterhalten. Er liebt es, einem Mann in den besten Jahren dabei zuzusehen, wie dieser in einer waghalsigen Aktion zunächst in ein kleines Toilettenfenster klettert und anschließend einen Geheimtunnel der Schleuser entdeckt und unter die Lupe nimmt, bevor Verstärkung anrücken kann. Im Tunnel setzt er sich erfolgreich gegen mehrere Angreifer zur Wehr und rettet eine Frau. „Der Mann der Stunde“, wird er von seinem Kollegen genannt. Das gefällt dem idealen Zuschauer, denn er weiß einen Mann zu schätzen, der zwar seinen Prinzipien treu bleibt, aber nie auf Paragrafen herumreitet und noch weniger die Chance ablehnt, als einsamer Wolf zum Helden zu werden. Und natürlich ist er kein schlechter Mensch, in seiner Freizeit hilft er einer Freundin, ihr Haus zu retten. Nur mit seiner Teenagertochter tut er sich schwer und der neue Mann seiner Exfrau ist ihm zu sentimental. Immerhin kann er dadurch mit ihr gemeinsam milde über seinen Nachfolger lächeln.
Als sich in einem Telefonat herausstellt, dass sein einstiger Arbeitgeber alles andere als der Sache gegenüber loyal ist, öffnet das auch für den idealen Zuschauer die Grenze: Wieso sollte Clemens sich noch engagieren, wenn man ihn dort ohnehin nicht mehr will? Da ist es nur recht, dass mit der jungen Maria eine neue Aufgabe in Clemens' Leben tritt. Über seine neuen Kontakte nach Mexiko lernt er das Land von der anderen Seite kennen und ebenso die Probleme der Leute. Er erkennt, dass das System, an das er so sehr geglaubt hat, vielleicht nicht so reibungslos lief, wie er zuvor dachte, und dass man manchmal das Glück in die eigenen Hände nehmen muss. Der ideale Zuschauer geht mit ihm auf diese Reise, die weniger den Charakter unseres Helden und den Actionteil der Serie als eher die Sichtweise infrage stellt.
Fazit
Völkerverständigung für Anfänger ist der unsichtbare Untertitel der Serie Coyote. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, lassen die Serienmacher wiederum keinen Platz für Interpretationen. Hier ist ein Mann, der in seiner Arbeit ausgedient hat und der nun auf der anderen Seite des Zaunes erlebt, wie das Leben überhaupt ist, wenn man die Freiheit nicht in die Wiege gelegt bekommen hat. Dass er sich überhaupt darauf einlässt, die junge Frau zu retten, die sich an ihn wendet, liegt auch daran, dass sie ein ähnliches Tattoo wie seine leicht entfremdete Tochter hat. Nur für den Fall, dass es dem idealen Zuschauer nicht reicht, ein Menschenleben zu retten, wenn man die Chance dazu hat.
Die Serie verkauft ihre Zuschauer an vielen Stellen für dumm, unterschätzt die Komplexität von Xenophobie und bedient sich auf dem Weg zur Aufklärung über Toleranz an so vielen Stereotypen und Vorurteilen, dass es ziemlich wehtut. Als wäre das noch nicht genug, ist auch die Story an sich an den meisten Stellen so vorhersehbar, dass es schwierig ist, aus reiner Freude an der Spannung zuzuschauen.
Hier abschließend noch der Trailer zur gerade angelaufenen ersten Staffel der neuen CBS-All-Access-Serie „Coyote“:
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Montag, 11. Januar 2021Coyote 1x01 Trailer
(Coyote 1x01)
Schauspieler in der Episode Coyote 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?