Control Z: Review der Pilotepisode

© romobild zu Control Z / (c) Netflix
In der mexikanischen Coming-of-Age-Serie Control Z entblößt ein Hacker die größten Geheimnisse von Schülern. Dabei spielt er die Jugendlichen mit seinen Informationen gekonnt gegeneinander aus, um so die Schule zu einem kurz vor der Explosion stehenden Pulverfass zu transformieren.
Darum geht's in Control Z
Sofia (Ana Valeria Becerril) ist die Außenseiterin der Schule El Colegio Naciona, mit der niemand etwas zu tun haben möchte. Im Gegensatz zu Luis wird sie jedoch nicht Opfer von Mobbing, da sie sogar von den Idioten der Schule gemieden wird - zu Recht: Denn wer sich mit ihr anlegt, der bekommt es doppelt so hart zurück, indem sie in wenigen Augenblicken Geheimnisse beziehungsweise Unannehmlichkeiten durch das Betrachten der vor ihr stehenden Person erkennen kann und schlichtweg enthüllt.
Schnell wird klar, dass sie als Außenseiterin das komplexe Beziehungskonstrukt ihrer beobachtet und über alles und jeden Bescheid weiß: Mit einer konzentrierten und präzisen Auffassungsgabe, die an die von Genies wie Veronica Mars oder Sherlock Holmes erinnert, hat sie stets ihre Mitschüler im Blick - nicht nur metaphorisch gesprochen, sondern auch wortwörtlich. So steht sie auf dem Glasdach über dem Pausenhof und beobachtet das unter ihr liegende Geschehen.
Dort verrät Sofia auch Javier (Michael Ronda), dem Neuen an der Schule, innerhalb weniger Minuten alles Wissenswerte über den Alltag an der Schule - aber auch über ihn. Dieser könnte eigentlich zu den „cool Kids“ gehören, denn sein Vater ist ein berühmter, reicher Fußballspieler. Doch er entschließt sich dazu, Sofia als seine „erste Freundin an der Schule“ anzusehen.
Auf einer Schülerversammlung wird aus Versehen ein Video abgespielt, in dem offenbart wird, dass das It-Girl der Schule - Isabela (Zion Moreno) - eine Transfrau ist. (Übrigens ist nicht nur die Figur Isabela, sondern auch deren Darstellerin transsexuell.) Innerhalb eines gefühlten Sekundenbruchteils stürzt sich der Rest der Schule wie Hyänen auf sie, um sie deswegen fertigzumachen. Darunter befinden sich neidische Mitschülerinnen, die stets in ihrem Schatten standen, ihr Freund, der sich hintergangen fühlt und von seinen idiotischen Freunden weiter aufgeheizt wird und viele mehr.
Nun wird Sofia von einem ihrer Mitschüler, Raúl (Yankel Stevan) angeheuert, in dem Fall des geheimnisvollen Hackers zu ermitteln, um so weitere Enthüllungen zu vermeiden. Er befürchtet, dass er als Nächstes an der Reihe ist und will seine eigene Haut retten. Zusammen mit Javier, der eine starke Sozialkompetenz beweist, nimmt sie die Ermittlungen bezüglich der Identität von „allyoursecrets“ auf.
So kommt Control Z rüber
Bereits zu Beginn der Pilotepisode wird klar, dass Technik eine wichtige Rolle in Control Z spielen wird. Das deutet auch bereits der Titel der Serie an. In welcher Art und Weise Kontrolle (mithilfe Technik) ausgeübt werden wird, ist bis gegen Ende der Episode unklar: Das Veröffentlichen von Geheimnissen von Schülern erinnert unmittelbar an Gossip Girl, wo das geschickte Ausspielen von geheimen Informationen stets für die richtige Prise Drama sorgte. Diese Enthüllungen haben Lug und Trug ans Licht gebracht und schließlich noch mehr Intrigen verursacht. Es bleibt abzuwarten, ob es „Control Z“ gelingt, die Kontrolle zu behalten und die Balance zwischen Enthüllungen und Geheimnissen zu finden, um so die richtige Spannung zu erzeugen.
Eine Einführung in die Schulsituation und die verschiedenen Schülerkonstellationen erfolgt durch die Außenseiterin Sofia, wodurch uns ein guter erster Überblick verschafft wird. Das ist auch wichtig, um den folgenden Trubel, der uns mit Sicherheit in den nächsten Episoden erwarten wird, nachvollziehen und dabei mitfiebern zu können - nur, wenn wir in das Drama emotional involviert sind, kann dieses auch seine gewünschte Wirkung auf uns entfalten.
Hier ist vor allem auffällig, dass die Serie mit den typischen Charakteren einer Highschool aufwartet: dem Neuling, der/dem Außenseiter(-in), dem It-Girl, der Streberin, dem Stinkreichen, den Mobbern, der Rebellischen... Es bleibt abzuwarten, inwiefern es der Serie gelingt, diese eindimensionalen Inszenierungen aufzubrechen und aus den Figuren mehr herauszuholen.

Fazit
Die achtteilige Serie Control Z ist mit ihren circa 30- bis 40-minütigen Episoden sehr binge-freundlich. Zudem lässt sich bereits in der Pilotfolge erkennen, dass bei der Produktion durch das ständige Drama keine Langeweile aufkommen wird: Es gibt viele Verstrickungen, Beziehungen und Wirrungen, die es zu erkunden gilt. Außerdem schlägt die Coming-of-Age-Serie durch den dominanten Einsatz von Medien am Puls der Zeit und könnte gerade für technikaffine Jugendliche etwas sein - aber natürlich auch für Menschen, die sich eine modernere (und vermutlich schwächere) Variante von „Veronica Mars“ wünschen.
Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur neuen mexikanischen Netflix-Produktion „Control Z“: