Constellation: Das Experiment - Review der Pilotfolge

Constellation: Das Experiment - Review der Pilotfolge

In den letzten Jahren hat es wohl kaum eine Science-Fiction-Thrillerserie gegeben, die technisch besser umgesetzt war und schon in der Pilotfolge mehr Spannung aufzubauen verstand als „Constellation“. Warum wir so begeistert sind, verraten wir Euch im Review zur ersten Episode.

Szenenfoto aus der Serie „Constellation“
Szenenfoto aus der Serie „Constellation“
© Apple TV+

Das passiert in der Folge „Das Experiment“ des Sci-Fi-Dramas „Constellation“

Der größte Traum von Astronautin Jo Ericsson (Noomi Rapace) erfüllt sich in Constellation, als sie ein Jahr lang auf die internationale Raumstation ISS darf. Doch als Kommandant Paul Lancaster (Will Catlett) eines Tages ein von NASA-Chef Henry Caldera (Jonathan Banks) befohlenes Experiment startet, gerät plötzlich alles aus dem Ruder. Die ISS wird von der Leiche einer Kosmonautin getroffen, die seit Jahrzehnten durch das All getrieben sein muss und die meisten lebenserhaltenen Systeme fallen aus.

Nachdem Lancaster bei dem Unfall starb und Jos Kollegen mit der einzigen funktionstüchtigen Raumkapsel gestartet sind, beginnt für Jo ein Kampf ums Überleben. Denn das letzte Rettungsvehikel ist stark beschädigt und muss dringend repariert werden. Und das gestaltet sich gar nicht so einfach, denn das Experiment offenbart ungeahnte Effekte auf Raum und Zeit...

Jetzt das Angebot von Apple TV+ entdecken (Affiliate-Link)

Ein visueller Leckerbissen

William Catlett in der ersten Folge von „Constellation“
William Catlett in der ersten Folge von „Constellation“ - © Apple TV+

Seit dem visuell beeindruckenden Weltraumdrama „Gravity“ von 2013 ist der Erdorbit und die internationale Raumstation wohl nicht mehr derart technisch brillant in Szene gesetzt worden wie in „Constellation“. Etwa 45 der knapp 60 Minuten Laufzeit der Debütepisode spielen sich auf der ISS ab und hinterlassen einen atemberaubenden Eindruck. Damit reiht sich die Apple TV+-Produktion womöglich schon jetzt in die Riege der hochwertigsten Serien des noch jungen Jahres ein. In Anbetracht der Tatsache, dass Serienerfinder und Showrunner Peter Harness zwar kein ganz Unbekannter, aber eben auch kein Star unter den Drehbuchautoren ist, ist es schon erstaunlich, wie viel Geld Apple offenbar für die Umsetzung der spannungsvollen und mysteriösen Geschichte zur Verfügung gestellt hat.

Mysteriös und spannend

Genau diese beiden Attribute treffen die Erzählweise von „Constellation“ indes recht gut, denn die Einstiegsfolge in die achtteilige Staffel offenbart weit mehr als nur eine gut gemachte Weltraum-Dramaserie. Die Geschichte beginnt, als Jo mit ihrer Tochter Alice (gespielt von den Zwillingen Rosie und Davina Coleman) in einem alten Wagen durch eine eisige Landschaft zu einem einsamen Haus fährt. Als hinter ihr ein Polizeiauto auftaucht, ist ihr die Angst davor, angehalten zu werden, anzumerken. Doch wovor fürchtet sie sich?

Die Antwort auf diese interessante Frage lässt sich nicht lange auf sich warten, denn Jo trägt ein Behältnis mit der Aufschrift NASA in einer Tasche bei sich, in dessen Inneren es seltsam und fremdartig leuchtet. Schon dieser Szene ist „Constellation“ anzumerken, dass Peter Harness weit mehr im Sinn hatte, zumal sich kurze Zeit später im besagten Haus mysteriöse Dinge abspielen. Obwohl Alice in ihrem Zimmer ein Video auf einem Tablet anschaut, hört Jo plötzlich die Stimme eines Kindes aus der Ferne, die nach ihrer Mutter ruft.

Aufmerksame Zuschauende erfassen recht schnell, dass es die Stimme von Alice ist, die da ertönt. Die Frage, wie das sein kann und was genau eigentlich gerade geschieht, drängt sich geradezu auf. Genau an dieser Stelle schwenkt die Geschichte auf einen anderen Erzählstrang um, der uns auf die ISS entführt und uns darüber aufklärt, wie es zu dieser Situation kam.

Flashbacks mal anders

Anders als in vielen anderen modernen Serien, die mit kurzen Flashbacks arbeiten, lässt sich „Constellation“ viel Zeit damit, die Vergangenheit zu beleuchten - und das ist auch gut so. Zumal auf diese Weise auch gleich die wichtigsten Figuren quasi nebenbei eingeführt werden. Das gelingt denn auch auf höchst unterhaltsame und kurzweilige Art, weil Regisseurin Michelle MacLaren (Breaking Bad) sich gar nicht erst lange mit ausufernden Dialogen aufhält, sondern die Einführung kurz und knackig in den Plot integriert. Besonders ansprechend ist dabei, dass ausgerechnet der NASA-Chef Henry Caldera nicht als heldenhafter Missionsleiter, sondern vielmehr als egoistischer Wissenschaftler gezeichnet wird, der für das Experiment ohne mit der Wimper zu zucken Leben opfert.

Seine europäischen und russischen Kollegen, allen voran Missionsleiter Sergei Vassiliev (Lenn Kudrjawizki) zeigen sich hier wesentlich besorgter um die Astronauten und den Kosmonauten an Bord der ISS, eine erfrischende Figurenzeichnung. Als weitere wichtige Protagonistin lernen wir Calderas russisches Pendant Irene Lysenko (Barbara Sukowa) kennen, die wesentlich mehr mit Caldera verbindet, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Jos Mann James und Rosie komplettieren die Riege, womit sich „Constellation“ auf erfreulich wenige Figuren fokussiert, die dafür aber umso intensiver ins Narrativ eingewoben sind.

Der Aufbau der Episode ist zudem gut nachvollziehbar gehalten. Die Geschichte beginnt und endet im oben erwähnten Haus, wobei der Twist am Ende der Folge aus Spoiler-Gründen nicht verraten werden soll. Der Löwenteil dreht sich hingegen um die dramatischen Ereignisse auf der ISS, wobei sich der Blick immer wieder Magnus und Alice zuwendet, die von der Katastrophe auf der Raumstation erfahren haben und im Eilverfahren zum Kosmodrom Baikonur gebracht werden. Zudem gibt es zu Beginn und in den letzten Minuten jeweils einen Mystery-Moment, der viele Fragen aufwirft, die neugierig machen und einen hübschen Suspense-Effekt nach sich ziehen.

Fazit

Jonathan Banks in der ersten Folge von „Constellation“
Jonathan Banks in der ersten Folge von „Constellation“ - © Apple TV+

Welch ein toller Einstieg. Die Debüt-Folge von „Constellation“ ist tatsächlich nicht nur ein Augenschmaus. Bereits in der ersten Stunde bauen die Serienmacher einen hohen Spannungsbogen auf, der zum Weiterschauen animiert und in jeder Hinsicht feine Mystery verspricht. Was für ein Experiment ist genau auf der ISS schiefgegangen? Warum ist Caldera so erpicht darauf, es unter allen Umständen in die Hände zu bekommen?

Warum benötigen er und seine russische Kollegin dasselbe Medikament und was bewirkt es? Warum flieht Jo nicht nur vor der Polizei, sondern anscheinend auch vor ihrem Mann? Und warum ruft Alice nach ihr aus der Ferne, während sie in ihrem Zimmer ein Video von Jos ISS-Aufenthalt anschaut? Fragen über Fragen, die hoch unterhaltsam und visuell stark präsentiert werden und die Vorfreude auf die restliche Staffel steigern. Das verdient die Höchstnote: fünf von fünf Punkten.

Hier abschließend noch der aktuelle Originaltrailer zur neuen Serie „Constellation“:

Diese Serie passen auch zu «Constellation»