In der neuen Dramaserie Complications muss Jason O'Mara erst jemanden erschießen, um wieder zur Arbeit gehen zu wollen. Für einen Arzt ein eher ungewöhnlicher Ansatz, aber Gründe dafür gibt es wohl einige.

Dr. John Ellison (Jason O’Mara) blickt in eine düstere Zukunft. / (c) USA Network
Dr. John Ellison (Jason O’Mara) blickt in eine düstere Zukunft. / (c) USA Network

Dr. John Ellison (Jason O'Mara, US-Life on Mars) ist traumatisiert. Mehrfach. Letztes Jahr verstarb seine kleine Tochter. Nun wird bei ihm eingebrochen. Und er ist vor ein paar Tagen im Krankenhaus ausgerastet, weshalb er nun von einer Psychologin evaluiert werden muss. Das alles passiert aber nur, weil er einen Latino-Gangster erschossen hat, der mit seinem Auto über einen angeschossenen schwarzen Jungen fahren wollte, dem Dr. Ellis gerade erste Hilfe leistete.

Alles ein bisschen viel auf einmal? Exakt. Erzählt wird diese Geschichte auch noch in Rückblenden innerhalb von weiteren Rückblenden - zur perfekten Verwirrung dann noch vermischt mit Alptraumsequenzen, die ebenfalls auf das Geschehene zurückblicken. Ziemlich repetitiv das Ganze. Die Serie Complications wirkt dabei wie ein großes Zeitebenen-Puzzle für den Zuschauer, dem die Psychologin dankenswerterweise ein „Last Sunday“ oder ein „Wednesday Morning - 2 Days after the shooting“ als Szenenwechsel-Orientierung in den Block notiert.

Dr. Ellis kurz bevor es kompliziert wird. Nicht im Bild: Totes Eichhörnchen auf dem Beifahrersitz. © USA Network
Dr. Ellis kurz bevor es kompliziert wird. Nicht im Bild: Totes Eichhörnchen auf dem Beifahrersitz. © USA Network

Complications ist eine amerikanische Dramaserie, erdacht von Matt Nix. Die zehnteilige erste Staffel feierte am 18. Juni 2015 Premiere auf dem USA Network und kann sich irgendwie nicht so richtig entscheiden, was es sein will: Krankenhaus-Serie? Thriller? Psycho-Drama? Es scheint fast, als habe der Serienschöpfer mit seiner Geschichte beziehungsweise dem Sammelsurium an Geschichten auch so seine Complications gehabt.

Für eine Krankenhausserie spielen die Patientenschicksale eine zu kleine, da nur strategische Rolle. Für einen Thriller ist die Serie einfach zu abwartend - und durch die Rückblenden weiß man als Zuschauer sowieso bereits, dass just in dieser Szene nichts Tödliches passiert, weil das eigentlich Schlimme erst zwei Tage später geschieht. Oder so ähnlich. Und für ein Psycho-Drama wird die anscheinend kathartische Auswirkung des Tötens auf Dr. Ellison zu einfallslos erzählt.

We act like people die at the hospital. Some do, of course. But for most of them there was a time, there was a last moment where they could have been saved. And that moment is long gone by the time they get here.“ So philosophiert der Hauptcharakter zu Beginn der Serie im Zimmer seiner Psychologin. Wahrscheinlich eine prophetische Analyse seiner selbst, wie sich im Laufe der Serie herausstellen könnte.

Schwester Gretchen assistiert Dr. Ellison auch mal im Graubereich der Medizin. © USA Network
Schwester Gretchen assistiert Dr. Ellison auch mal im Graubereich der Medizin. © USA Network

Als Menetekel verwandelt sich im Vorspann dann auch noch eine Pistole in eine Spritze und Tabletten in Patronenhülsen. Oder wie der Sohn von Dr. Ellison ihn zitiert: „When you're a doctor to help someone sometimes you have to do something that hurts.“ Wie gesagt, ein Philosoph, dieser Dr. Ellison. Nur irgendwie berühren weder seine Trauer und Desillusioniertheit am Anfang noch seine steigende Gewaltbereitschaft. Unter Umständen liegt es nicht nur an dem vielen Rückblendengespringe, sondern auch daran, dass in den Evaluations-Sequenzen bei der Psychologin Dr. Ellison das gerade Gesehene nochmals kommentiert und zerredet wird. Irgendwie wirkt dies auch wie die Mockumentary-Kommentare, die man aus The Office kennt. Nur war dort Jim Halpert neben der Jalousie immer für einen Lacher gut, was hier nicht der Fall ist. Wobei: Matt Nix hätte durchaus noch einen Comedy-Handlungsstrang einbauen können. Denn noch wirrer hätte Complications dadurch auch nicht mehr werden können.

Complications: Trailer zur Serie:

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