Grown-ish: Kritik der Pilotepisode des Black-ish-Spinoffs

Grown-ish: Kritik der Pilotepisode des Black-ish-Spinoffs

Mit Grown-ish steht uns ein Spin-off zur geliebten Comedy Black-ish ins Haus, doch selbst Fans der Mutterserie könnten sich mit der neuen Produktion schwertun. Das liegt allerdings nicht am wunderbaren Cast, nur die Wachstumsschmerzen sind halt deutlich zu spüren.

Yara Shahidi in der Serie „Grown-ish“ / (c) Freeform
Yara Shahidi in der Serie „Grown-ish“ / (c) Freeform
© ara Shahidi in der Serie „Grown-ish“ / (c) Freeform

Wie man die Pilotepisode der Serie Grown-ish beurteilt, kommt ganz erheblich darauf an, mit welchem Hintergrund und welchen daraus resultierenden Erwartungen man an das Spin-off herantritt. Als Black-ish-Fan kommt einem vieles vertraut, aber eben auch einiges misslungen vor. Doch dank dem Glauben an den Hauptcast darf man das unter Wachstumsschmerzen abstempeln.

Worum geht es?

Zoey (Yara Shahidi) ist jetzt auf dem College und dort besucht sie einen Nachtkurs, in dem in der Regel nur Drogensüchtige und andere Abgefallene sitzen - und der von Charlie (Deon Cole) unterrichtet wird. Ja, genau, dem Charlie, dem verrückten Kollegen von Zoeys Vater Dre (Anthony Anderson) und die Nemesis ihrer jüngeren Schwester Diane (Marsai Martin), die ein Doppelleben als Dozent an der Universität von Kalifornien führt. Den Rest der Episode verbringen wir damit, Zoeys neue Kommilitonen kennenzulernen und zu erfahren, wie sie in dem undankbaren Kurs gelandet sind. Denn neben den verkrachten Existenzen finden sich sechs weitere junge hoffnungsvolle Studenten in den Bänken ein, die bald Zoeys beste Freunde sein werden.

Da wäre zunächst Nomi (Emily Arlook), eine junge Frau, die sich mit dem engen Korsett ihrer jüdischen Familie nicht anfreunden kann und lieber ihre Sexualität entdeckt. Neben Zoey sitzt der Campus-Aktivist Aaron (Trevor Jackson, American Crime), der sich neben „Black Lives Matter“-Buttons auch mit einem Allergiearmband schmücken muss. Außerdem lernen wir die Zwillinge Skyler und Jazlyn (Chloe Bailey und Halle Bailey) kennen, die es mit harter Disziplin und einem geheimen Doppelleben aus dem Ghetto auf den Campussportolymp geschafft haben. Ebenfalls auf Charlies Anwesenheitsliste stehen der junge Künstler und Kiffer Luca (Luka Sabbat) und der ehrgeizige Möchtegern-Rapper Vivek (Jordan Buhat), dessen Eltern einst in die USA immigrierten.

Als Charlie die Studenten auffordert, eine Umfrage auszufüllen, in der nach ihren Beweggründen für die Kurswahl geforscht wird, tritt das unter den sieben eine Art Wahrheitsrunde los, die nicht selten an eine Selbsthilfegruppe erinnert. Alle erzählen, wie sie es geschafft haben, die Anmeldung für andere Kurse zu verpassen. Manchmal ist der Grund eine Liebschaft auf der Toilette, in anderen Fällen Zwillingszerstrittenheit oder eine Nebentätigkeit als Drogendealer.

Dann ist Zoey an der Reihe, ihre Geschichte zu teilen und die wird schlimmer als gedacht. Denn einen Tag vor der Anmeldung lernt sie in einem Coffee Shop Ana Torres (Francia Raisa, The Secret Life Of The American Teenager) kennen und glaubt, in ihr eine neue beste Freundin gefunden zu haben. Gemeinsam gehen die beiden am selben Tag auf eine Poolparty, die stürmisch wird. Die beiden glauben sich im Collegehimmel, bis Ana sich plötzlich nach zu viel Alkohol aus dem Planschbecken heraus auf den Rasen übergibt, unter den Augen und Handykameralinsen ihrer Kommilitonen. Hilfesuchend wendet sie sich an Zoey, doch die zieht schnell mit anderen Freundinnen ab, um nicht die eigene Coolness einzubüßen. Um ein Aufeinandertreffen mit ihr am nächsten Tag zu vermeiden, verpasst Zoey die Anmeldefrist.

Ihre neuen Freunde im Nachtkurs finden ein solches Verhalten ziemlich fürchterlich und das älteste Johnson-Kind muss sich einmal selbst genau unter die Lupe nehmen. Am Ende diskutieren die sieben ungleichen Freunde darüber, wie wichtig die Meinungen anderer für sie sind und welche Auswirkungen Außenwirkung auf das Leben hat.

Wie kommt es rüber?

Bereits in „Black-ish“ haben wir erfahren, dass Zoey (Yara Shahidi) bald aufs College geht und sich damit räumlich von ihrer Familie trennen muss. Sie war also die naheliegende Wahl für ein Spin-off. Auch die Stärke der Darstellerin legt diese Entscheidung nahe. Dennoch haben die Serienmacher sich damit auch für eine Figur entschieden, die wir weniger kennen als alle anderen Johnsons. Zoeys Coolness hat immer für einen lustigen Spruch oder eine unterhaltsame Konversation mit ihrem Vater gereicht, aber ihr als Charakter nahegekommen sind wir nur selten.

Und dann stehen wir da, mit dieser bekannten Fremden als Anker in einer Geschichte, die mit ihrer Erzählung aus dem Off und einem Problem im Zentrum nach derselben Struktur angelegt ist wie die Mutterserie. Und doch fehlt so vieles, was „Black-ish“ so großartig macht. Die Art, mit der alle Jugendlichen sich plötzlich öffnen und ihre Geschichte erzählen, vor allem ihre innersten Geheimnisse, wirkt zu aufgesetzt. Da haben die Autoren es sich schon ziemlich einfach gemacht. Doch dahinter schimmert dennoch Hoffnung durch, dass die Serie mehr sein kann als eine ziemlich platte College-Erzählung mit offensichtlichem Moralende.

Fazit

Die Pilotepisode der Serie Grown-ish kämpft mit Startschwierigkeiten, die besonders gemessen an der Mutterserie enttäuschend sind. Doch die Nähe zu einer Serie, die man bereits mag, kann sich auch förderlich auswirken, denn auch die Bereitschaft zu weiteren Chancen in den folgenden Episoden steigt dadurch an. Für Neueinsteiger gilt es, wie immer, bei Interesse durchzuhalten, denn Pilotkrankheiten machen noch keine schlechte Serie aus.

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