Wie ist es, wenn man die eigene Kindheit und Jugend im Krankenhaus verbringen muss? Mit dieser Frage beschäftigt sich die neue VOX-Serie Club der roten Bänder, die am Montagabend um 20.15 Uhr an den Start geht.

Die erste eigenproduzierte Serie in der Geschichte von VOX: „Club der roten Bänder“ / (c) Serienjunkies.de / Christian Junklewitz
Die erste eigenproduzierte Serie in der Geschichte von VOX: „Club der roten Bänder“ / (c) Serienjunkies.de / Christian Junklewitz

Club der roten Bänder erzählt von der Freundschaft, die zwischen den jugendlichen Patienten eines Krankenhauses entsteht: Da ist Leo (Tim Oliver Schultz), dem wegen einer Krebserkrankung ein Unterschenkel amputiert werden musste. Leo gibt sich als der coole Anführertyp. Seine größte Angst ist jedoch, dass der Krebs eines Tages zurückkehrt und ihm eine neue Runde Chemotherapie bevorsteht. Befreundet ist er mit Emma (Luise Befort), die wegen Anorexie im Krankenhaus behandelt wird. Gemeinsam besuchen sie den Unterricht, der für die jungen Patienten in der Klinik angeboten wird - und tauschen freundschaftliche Beleidigungen aus.

Als neuen Zimmernachbarn bekommt Leo in der Pilotfolge Jonas (Damian Hardung), dem dasselbe Schicksal bevorsteht wie Leo: Auch ihm muss auf Grund einer Krebserkrankung das Bein abgenommen werden. Am Abend vorher feiert er mit Leo und Emma noch eine Abschiedsparty für sein Bein. Dann heißt es: Ab unters Messer. Während der OP hat Jonas eine merkwürdige Vision: Er findet sich in einem Schwimmbad wieder, wo er auf Hugo (Nick Julius Schuck) trifft. Der Junge liegt eigentlich ein paar Zimmer weiter im Koma - in Folge eines Schwimmunfalls. In seiner „Zwischenwelt“, wie er es nennt, ist er jedoch hellwach. Und Jonas ist nicht der Einzige, mit dem er in Kontakt tritt...

Der Cast vom %26bdquo;Club der roten Bänder%26ldquo; © Serienjunkies.de / Christian Junklewitz
Der Cast vom %26bdquo;Club der roten Bänder%26ldquo; © Serienjunkies.de / Christian Junklewitz

Reales Vorbild

Club der roten Bänder basiert - über den Umweg der katalanischen Serie „Polseres Vermelles“, die als unmittelbares Vorbild diente - auf den Erlebnissen des spanischen Autors Albert Espinosa, der als Jugendlicher selbst an Krebs erkrankt gewesen ist - und viele Jahre im Krankenhaus verbracht hat, wo ihm unter anderem ein Bein und ein Lungenflügel entfernt worden sind. Die Freundschaften, die er in dieser Zeit zu den anderen Patienten geschlossen hat, haben ihm dabei geholfen, die Kraft zu finden, den Krebs zu besiegen.

Es ist nicht traurig zu sterben“, so Espinosa, „sondern traurig nicht intensiv zu leben.“ Es ist eine kraftvolle, eine lebensbejahende Geschichte, welche der Autor erzählt - und welche auch in Club der roten Bänder ihren Niederschlag findet. Die Tatsache, dass die Serie auf realen Menschen und Begebenheiten beruht (wobei Espinosa allerdings oft mehrere reale Vorbilder in den Figuren verschmolzen hat), immunisiert sie - zumindest ein Stück weit - gegen den Vorwurf, nur eine Schnulze, ein tear jerker zu sein. Es gibt der Serie jedenfalls ein zusätzliches emotionales Gewicht.

Berührend

Noch konsequenter als in der vielleicht manchen schon bekannten US-Version Red Band Society setzt Club der roten Bänder ganz auf die Perspektive der jugendlichen Patienten. Es geht nicht um das Drama des Heilens, es geht nicht um die Ärzte und Schwestern, sondern ausschließlich um das Drama des Krankseins und des Damit-Umgehens. Es gelingt der Serie, davon auf berührende, aber nicht sentimentale Weise zu erzählen.

Das ist sowohl der größte Pluspunkt als auch die größte Schwierigkeit der Serie: Club der roten Bänder erfordert es, dass sich die Zuschauer auf die Welt und auf die besondere Stimmung dieser Welt einlassen. Bei der Kino-Premiere der ersten zwei Folgen in Köln vor zwei Wochen hat das sehr gut funktioniert. Ob es genau so gut funktionieren wird, wenn alle zwölf bis fünfzehn Minuten eine Werbepause dazwischenfunkt, bleibt dagegen abzuwarten. Vielleicht werden manche Zuschauer die Unterbrechungen auch als kurzes Durchatmen willkommen heißen.

So oder so ist es eine Serie, die man eher im öffentlich-rechtlichen Fernsehen oder im Pay-TV, nicht aber unbedingt auf einem werbefinanzierten Sender erwarten würde. Als Produzenten (Gerda Müller und Jan Kromschröder) und Autoren (Arne Nolting und Jan-Martin Scharf) stehen die Macher von Weinberg hinter der deutschen Version von „Polseres Vermelles“.

Hugo

Besonders erfreulich ist, dass die erhöhte Realität des Originals (und auch von Red Band Society) beibehalten wurde, was sich insbesondere in der Rolle von Hugo und dessen Zwischenwelt zwischen Leben und Tod wiederspiegelt. So besessen wie deutsche TV-Redakteure normalerweise von der Vorstellung sind, dass das Publikum hierzulande auf gar keinen Fall irgendetwas sehen will, das in Richtung Fantastisches geht, hätte man schon befürchten können, dass sie sich an diesem Punkt zu schaffen machen, was aber glücklicherweise nicht der Fall ist.

Eine Sache, die schon bei Red Band Society anzumerken gewesen ist - und die auch in Club der roten Bänder dem ein oder anderen alten Zivi unter den Zuschauern negativ auffallen wird: Dass niemand daran gedacht hat, dass Hugo als Komapatient auch mal abwechselnd auf die Seite gelagert werden muss. So flach, wie er die ganze Zeit über daliegt, hätte er in Nullkommanichts die allerschwersten Druckgeschwüre auf seiner Rückseite. Die Ärzte spielen in Club der roten Bänder keine große Rolle; wenn sie jedoch mal den Mund auftun, dann klingen ihre Sätze furchtbar nach TV-Doktor und nicht nach echten Medizinern. Auch das ist geeignet, den Zuschauer etwas aus der Handlung herauszureißen.

Fazit

Krankenhaus-Serie einmal anders: Club der roten Bänder erzählt eine berührende Geschichte um Freundschaft inmitten widrigster Umstände. Die Darsteller machen ihre Sache gut. Buch und Regie auch (wenn man mal von ein paar Stellen absieht, an denen das Thema Krankenhaus etwas mehr Realitätsnähe vertragen hätte).

Etwas Sorgen mache ich mir um den Club der roten Bänder, weil es eine Serie ist, die mir nicht ganz ins werbefinanzierte TV zu passen scheint. Und auch, weil es eine Serie ist, die von ihrer Art her zu klein, zu speziell ist, um für VOX der große Aufschlag in Sachen eigenproduzierter Serien zu sein. Ich hoffe, dass ich mit diesen Sorgen falsch liege. Schließlich bringt Club der roten Bänder ein Stück mehr Vielfalt in die deutsche Serie. Und genau das ist es, was die deutsche Serie braucht.

Diese Serie passen auch zu «Club der roten Bänder»