Club der Dinosaurier ist klischeeüberladen – und das ist schade

Club der Dinosaurier ist klischeeüberladen – und das ist schade

Die Coming-of-Age-Serie „Club der Dinosaurier“ bei ZDFneo will eine coole Story erzählen, ergeht sich in der Pilotfolge aber in tumben Mittelschicht-Klischees.

Szenenfoto aus der deutschen Serie „Club der Dinosaurier“
Szenenfoto aus der deutschen Serie „Club der Dinosaurier“
© ZDF, Frank Dicks

Das passiert in der Serie „Club der Dinosaurier“

Ben und Janni sind in der Serie Club der Dinosaurier die Außenseiter der Schule und werden zudem von der Sportskanone Rick gemobbt. Als sie die neue hübsche Mitschülerin Suki kennenlernen, beschließen die beiden, Testosteron zu nehmen, um endlich ganze Kerle zu werden und bei ihr aufzufallen. Doch die Pillen haben fatale Nebenwirkungen, die schon bald im Chaos münden...

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Mittelschichtgedöns

Schaut man sich die Produktionen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten an, könnte man zu dem Entschluss gelangen, dass es in Deutschland abseits der gehobenen Mittelschicht nichts weiter gäbe. Fast immer entstammen die Protagonisten einem gut situierten Haus, üben Berufe mit akademischem Hintergrund aus und leben in schönen, geräumigen Häusern mit Garten.

Realitätsanspruch geht natürlich anders, vor allem, wenn die Hauptfiguren Lernende an einer Gesamtschule mit einem entsprechend großen Einzugsgebiet sind. Hätte sich das Klischeedenken der insgesamt immerhin fünf Autoren von „Club der Dinosaurier“ damit erledigt, könnte man diese Tatsache vielleicht noch als gegeben beiseiteschieben.

Leider ist dem aber nicht so. Tatsächlich hinterlassen die eingesetzten Klischees der Serienmacher in der Pilotfolge so tiefe Spuren, dass es fast schon wehtut. So trifft sich die Soziologielehrerin mit ihrem Kollegen zum Sushi-Essen, um einen Ausflug nach Brüssel zum Erlernen des politisch korrekten Denkens zu besprechen. Bei den Mitreisenden handelt es sich selbstverständlich um Schüler:innen und die anstehende Schulsprecherwahl ist eine Schulsprecher:innenwahl.

Nicht falsch verstehen, bitte: Ich bin ein ausdrücklicher Befürworter gleichberechtigter Sprache. Diese sollte aber nicht per Holzhammermethodik an das Publikum herangetragen werden, zumal es laut aktuellen Umfragen noch ein weiter Weg hin zu einer umdenkenden Gesellschaft ist. Ein wenig Zurückhaltung und Augenmaß wäre hier also vielleicht die bessere Wahl gewesen.

Weitere Klischees

Szenenfoto aus der neuen deutschen Serie „Club der Dinosaurier“
Szenenfoto aus der neuen deutschen Serie „Club der Dinosaurier“ - © ZDF und Frank Dicks

Neben den der gehobenen Mittelschicht angehörenden Protagonisten, der klischeehaft Sushi-essenden Lehrerin und Gender-Sonderzeichen finden sich in der Pilotfolge allerdings noch eine Reihe weiterer Stereotype. Die beiden Hauptfiguren sind ausgesprochene Underdogs. Ben (Shadi Eck) ist hochintelligent, aber pickelig und dünn, sein Freund Janni (Diyar Ilhan) ist hingegen übergewichtig und möchte unter allen Umständen der Coole der Schule sein.

Auch hier wäre mehr Feingefühl und weniger Schubladendenken nicht die schlechteste Idee gewesen, zumal unsere Helden auch noch von den Schulschönheiten ausgelacht und von der superbeliebten Sportskanone gemobbt werden. Auf den Kern heruntergebrochen ist das alles viel zu dick aufgetragen.

Gute Idee

Das ist schade, denn die Idee hinter „Club der Dinosaurier“ ist durchaus witzig. Um für die neue Mitschülerin Suki (Tomomi Themann) interessant zu werden, kaufen Ben und Janni vom Dealer ihres Vertrauens Testosteronpillen, die sich im Verlauf der Serie aber als etwas ganz anderes entpuppen.

Plötzlich verfügen sie im Sport über ungeahnte Fähigkeiten, Janni benötigt seine Brille nicht mehr und in der letzten Szene der Pilotfolge offenbart sich allmählich, dass die Kids zu Mensch-Dinohybriden mutieren. Dass sich daraus neben den typischen Coming-of-Age-Elementen und den unübersehbaren Comedy-Anteilen eine spannende und actionreiche Geschichte stricken lässt, ist evident.

Zudem ergeben sich interessante Fragen: Wie verändert sich ein grundsätzlich sanftmütiger, intelligenter Mensch, wenn er plötzlich seinen Mitmenschen nicht nur intellektuell, sondern auch körperlich weit überlegen ist? Wird er zum Despoten oder besinnt er sich und nutzt die erworbenen Fähigkeiten zum Guten?

Eingebettet in die giftige Dreiecksbeziehung zwischen Janni, Ben und Rick (Alessandro Schuster), der im Verlauf der Serie ebenfalls einige der mysteriösen Pillen schluckt, erleben wir mit, wie das sprichwörtlich Animalische in den Jungs an die Oberfläche kommt und sie im wahrsten Sinne des Wortes in Dinosaurier verwandelt.

Das ist einerseits grotesk, überspitzt aber auf witzige Weise das typisch männliche Alphatierverhalten einer gewissen Sorte Mann. Was die Autoren aus dem interessanten Thema herausholen, bleibt dabei abzuwarten. Zu hoffen ist, dass sich die Schreibenden ab Folge zwei auf den inhaltlichen Kern fokussieren, ohne in noch mehr Klischees zu verfallen.

Die Darstellenden

Das Potential dazu ist auf jeden Fall gegeben, zumal sich das junge Ensemble recht geschickt anstellt. Shadi Eck und Diyar Ilhan füllen ihre Rollen gut aus und schaffen es, ihren Figuren Sympathiewerte zu verleihen. Der zurzeit sehr gut beschäftigte Alessandro Schuster ist in den letzten Jahren zu so etwas wie einem Shootingstar geworden, der inzwischen reichlich Routine sammeln durfte.

Das nutzt der Mime, um die Geschichte voranzutreiben, wobei er den Fiesling Rick ebenso gut gibt wie den Leon in Was wir fürchten. Ob man einen 23-jährigen Mann indes noch in die Rolle eines Teeangers stecken sollte, ist eine andere Frage. Dasselbe gilt für die inzwischen fast 21-jährige Tomomi Themann, die eine gute schauspielerische Leistung abliefert, aber beim besten Willen nicht mehr als eine 16 Jahre junge Schülerin durchgehen will. Ebenso, last, but not least: Lili Krug, die ebenfalls inzwischen 24 Lenze zählt und eigentlich zu alt für ihre Rolle ist.

Vielleicht war es dem Produktionsteam aber schlicht wichtiger, einen erfahrenen Cast zusammenzustellen, um der Geschichte insgesamt mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Wenn dem so ist, ist der Coup fraglos gelungen, denn auf der schauspielerischen Ebene gibt es abgesehen vom erwähnten Alter nicht viel auszusetzen.

Fazit

Szenenfoto aus der deutschen Serie „Club der Dinosaurier“
Szenenfoto aus der deutschen Serie „Club der Dinosaurier“ - © ZDF und Frank Dicks

Es ist schade, dass zahlreiche Filmschaffende nicht in der Lage sind, sich aus ihrer sozialen Bubble zu verabschieden und die deutsche Gesellschaft so vielschichtig zu präsentieren, wie sie ist. Millionen Menschen leben in Mehrfamilienhäusern, ohne gleich arm zu sein und nicht jeder Abiturient entstammt einer finanziell gut gestellten Familie. Gutaussehende Sportler müssen nicht gleich Mobber sein und nicht jeder Ausgegrenzte ist übergewichtig oder ein Streber. Ebenso wenig biedert sich übrigens jede junge Frau dem Schönling der Schule an.

Abseits dieser Ärgernisse hat „Club der Dinosaurier“ dem Publikum nämlich etwas zu bieten, das hinter der Klischeefassade aufflammt und eine spannende und kluge Geschichte offenbart. Bitte also weniger Altballast und mehr Ehrlichkeit und Frische.

Dann gibt es auch gerne mehr als drei von fünf Dinosauriern.

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