Class 1x01

Class 1x01

Am Samstag ist in Großbritannien das neue Doctor Who-Spin-Off Class beim Online-Dienst BBC Three an den Start gegangen. Serienjunkies.de-Redakteur Christian Junklewitz hat sich die Pilotfolge angeschaut.

Katherine Kelly und Greg Austin in der Pilotfolge von „Class“ / (c) BBC
Katherine Kelly und Greg Austin in der Pilotfolge von „Class“ / (c) BBC

Das passiert in der Class-Pilotfolge For Tonight We Might Die:

Seit Jahrzehnten schon ist die Londoner Coal Hill Schule ein Schauplatz mysteriöser Vorkommnisse gewesen, die mit den Besuchen eines gewissen Time Lords zusammenhängen. Die Schule mag inzwischen frisch renoviert und in Coal Hill Academy umbenannt worden sein, nach wie vor ereignen sich hier jedoch rätselhafte Dinge. Aktuell erschüttert das Verschwinden eines Schülers das Leben an der Bildungsanstalt.

Nur zwei Personen an der Schule kennen die Wahrheit, was mit ihm passiert ist: Eine davon ist die misanthrope Mathelehrerin Miss Quill (Katherine Kelly). Sie ist in Wirklichkeit überhaupt keine Lehrerin, sondern eine Außerirdische vom Planeten Rhodia. Je nach Lesart war sie dort eine Terroristin / Freiheitskämpferin, die von der herrschenden Klassen der Rhodianer zu einem Leben als zwangsweise Beschützerin des Prinzen von Rhodia verurteilt worden ist. Auf der Erde nennt sich besagter Prinz Charlie (Greg Austin) - und geht in Miss Quills Klasse.

Während sich die Coal Hill Academy auf den jährlichen Herbstball vorbereitet, kommt es zu mehreren Übergriffen auf Schüler, welche von Schatten ausgehen. Das talentierte Einwandererkind Tanya (Vivian Oparah) ist gerade dabei, dem Star des Fußballteams, Ram (Fady Elsayed), online Nachhilfe zu geben, als sie in ihrem Zimmer von einem Schatten attackiert wird. Mauerblümchen April (Sophie Hopkins) macht dieselbe Erfahrung, während sie die Aula für das kommende Schulfest schmückt.

Zwar ist Miss Quill zur Stelle, um etwas gegen den Schatten zu unternehmen, für April hat die Begegnung trotzdem gravierende Konsequenzen: Miss Quill hatte sie nämlich eigentlich im Kampf gegen die Shadow Kin opfern wollen, was Charlie jedoch verhindert - mit dem unabsichtlichen Resultat, dass sich April und der König der Shadow Kin nun ein und dasselbe Herz teilen. Im Grunde würde Charlie nichts lieber tun, als den König der Shadow Kin zu töten, da die Schatten für den Tod seiner ganzen Spezies verantwortlich sind. Charlie und Miss Quill sind die letzten ihrer Art. Den König zu töten, würde jedoch zugleich das Todesurteil für April bedeuten.

Die Lage ist verfahren. Und ausgerechnet für den Abend des Schulballs droht der König der Shadow Kin damit, zurückzukehren, um etwas an sich zu bringen, was für ihn ebenso wie für Charlie von größter Bedeutung ist...

Ein denkwürdiges Datum

Auf den Tag genau zehn Jahre nach dem ersten Doctor Who-Spin-Off Torchwood ist am vergangenen Samstag die neue Ablegerserie Class an den Start gegangen. Dabei kommt Class in vielerlei Hinsicht wie eine Mischung der beiden bisherigen Doctor Who-Spin-Offs daher: Cast und Setting - eine Gruppe von Jugendlichen an einer Schule - wecken Erinnerungen an The Sarah Jane Adventures. Allerdings hatte sich BBC beeilt, gleich von vornherein klarzustellen, dass Class keine Serie für Kinder ist.

Und tatsächlich: Es geht mitunter schon ausgesprochen blutrünstig in der Serie zu. Etwas, das The Sarah Jane Adventures und auch die Mutterserie Doctor Who tunlichst vermeiden. Hier knüpft Class dann doch eher an Torchwood an. Die Serie richtet sich an ein Publikum junger Erwachsener, von dem man weiß, dass es gerne die Grenzen dessen austestet, was es an Bildern von (körperlicher) Zerstörung aushalten kann. Entsprechend explizit geht Class seine Gewaltszenen an. Da ist jetzt nichts dabei, was man nicht auch aus entsprechenden US-Serien kennen würde. Trotzdem: Für ein Doctor Who-Spin-Off geht die Serie hier schon recht weit. Als etwa Ram an sich herunterblickt und sieht, dass sein Bein im Kampf gegen den Schattenkönig abgetrennt wurde - das ist schon nicht ohne!

Das kennen wir doch...

In dieser Hinsicht steht Class eindeutig eher in der Tradition des ersten Erwachsenen-Spin-Offs Torchwood. Auch die grundlegende Prämisse der neuen Serie - dass sich durch die Konzentration von Atron-Energie im Laufe der Jahrzehnte an der Coal-Hill-Schule eine Art Riss in Raum und Zeit gebildet hat, durch den jetzt allerlei außerirdisches Ungemach auf die Erde vordringen kann - klingt für Fans von Torchwood sehr vertraut.

Hier würde auch die einzige größere Kritik an der Pilotfolge von Class ansetzen: Dass sie stellenweise ein bisschen zu sehr auf Vertrautes setzt. So kommen beispielsweise die Shadow Kin dem geneigten Doctor Who-Fan wie eine unausgegorene Mischung aus den Vashta Nerada (aus Silence in the Library) und den Pyroviles (aus The Fires of Pompeii) vor. Hier wäre vielleicht ein bisschen mehr Originalität - und sei es nur beim Design der neuen Aliens - angebracht gewesen.

Exposition

Ansonsten kann man sich über For Tonight We Might Die kaum beklagen. Ja, die Geschichte leidet hier und da natürlich schon etwas an Expositis. Will sagen: Sehr viel Zeit und Mühe werden auf die Exposition von Figuren und Umständen gelegt. In einem Piloten ist das allerdings kaum zu vermeiden. Class hat hier ohnehin einen sehr viel schwierigeren Job als die beiden vorangegangenen Spin-Offs. Denn Torchwood und The Sarah Jane Adventures hatten in Gestalt von Captain Jack (John Barrowman) und Sarah Jane Smith (Elisabeth Sladen) bereits bestens etablierte Sympathieträger, welche sie in den Mittelpunkt der neuen Serie stellen und alles andere (Setting und Figuren) um diesen Anker herum aufbauen konnten.

Class besitzt das nicht. Das einzig bekannte Gesicht, das uns zunächst begegnet, ist das von Schuldirektor Armitage (Nigel Betts), der als Nebenfigur bereits in den beiden vorangegangenen Staffeln von Doctor Who aufgetreten ist. Eine Ankerfunktion nimmt er damit aber natürlich nicht wahr. Vom Hauptcast her hat Class die Aufgabe, uns für eine bis dato komplett fremde Truppe von Charakteren zu interessieren - was der Pilotepisode auch sehr gut gelingt.

Beziehungen

Keine Frage: Miss Quill ist von Beginn an der Scene Stealer der Serie. Das liegt zum einen an der großartigen Katherine Kelly (Happy Valley, The Night Manager), zum anderen aber natürlich auch daran, dass ihre Heldin wider Willen mitsamt der bösen Kommentare, die sie den anderen entgegenschleudert, eine besonders dankbare Rolle ist.

Aber auch die jugendlichen Figuren gewinnen sehr schnell an Statur: Class vermeidet hier beide Fehler, die Serien mit Jugendlichen sehr leicht unterlaufen können, wenn die Figuren entweder alle sofort beste Freunde sind, oder umgekehrt erst einmal heillos zerstritten scheinen. Stattdessen zeichnet die Serie mit hoher Präzision und Einfühlung individuelle Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren, etwa zwischen Ram und Tanya.

Sie hilft ihm (gegen Bezahlung) bei den Schularbeiten. Zugleich besteht zwischen ihnen aber auch eine besondere Verbindung dadurch, dass sie beide Kinder von Einwanderern sind. Bei allen Unterschieden teilen sie damit eine Erfahrung, die zwischen ihnen eine besondere Nähe herstellt. Ram ist es, der auf die richtige Idee kommt, wie Tanya ihre Mutter doch noch dazu überreden kann, sie am Schulball teilnehmen zu lassen. Umgekehrt ist Tanya die Figur, der er sich nach dem durchlebten Trauma als erstes öffnet (eine Entwicklung, die sich - so viel lässt sich wohl gefahrlos spoilern - in der zweiten Folge fortsetzt).

Der Doctor

Ihre Initiation als Gruppe erfahren die Jugendlichen durch den Doctor (Peter Capaldi), der ihnen auf dem Höhepunkt der Handlung im Kampf gegen den Schattenkönig zu Hilfe kommt, ihnen jedoch auch klarmacht, dass er nicht immer zu Stelle sein kann und sie deshalb gemeinsam mit den Gefahren, die durch die Schwachstelle in Raum und Zeit in die Schule eindringen, fertig werden müssen. Der Auftritt des Doctors ist gut in die Handlung der Folge integriert. Er nimmt für den Startschuss von Class eine wichtige Funktion wahr, ohne dabei jedoch die Episode an sich zu reißen.

Auf jeden Fall ist der Doctor für die mit Abstand witzigste Dialogzeile des Piloten zuständig, als der Schattenkönig kund tut, dass er auf der Suche nach dem Schrank (der Seelen) ist - und ihm der Doctor einen Besuch bei IKEA nahelegt. Ansonsten gibt sich Class in Sachen Humor noch etwas zurückhaltend. Buffy the Vampire Slayer gehört zwar zu den Vorbildern, welche die Produzenten immer wieder benannt haben (und gemeinsam mit The Vampire Diaries auch selbst in der Serie zitieren). Vorerst scheint ihnen jedoch vor allem am Aufbau einer düsteren Atmosphäre gelegen, was die Comedy naturgemäß begrenzt.

Musik: Fünf

Apropos Buffy: Ein Bereich, in dem Class dem großen Vorbild nacheifert, aber spektakulär scheitert, ist die Titelmusik, welche zwar eine ähnliche Energie wie Nerf Herder zu transportieren versucht, dabei jedoch im austauschbaren Mittelmaß stecken bleibt. Auch der Vorspann per se ist nichts, was in Gefahr geriete, zum Ende des Jahres auf irgendeine Bestenliste gesetzt zu werden. Class bleibt hier viel zu zahm - und unnötigerweise dem visuellen Stil von Doctor Who verhaftet. Hier wäre etwas mehr Eigenständigkeit geboten gewesen, so wie sie etwa Torchwood in dieser Hinsicht praktiziert hat.

Fazit

For Tonight We Might Die ist ein temporeicher und unterhaltsamer Serienauftakt, der definitiv Lust auf mehr macht. Über kleinere Unzulänglichkeiten kann man da getrost hinwegsehen. Was das Format der Serie angeht, so zeichnet sich bereits ab, dass natürlich Monster of the Week-Folgen ein großes Gewicht zukommen wird. Zugleich deutet die Serie aber bereits in der Pilotfolge an, dass es in ihr auch fortlaufende Handlungselemente geben wird. Schließlich bleibt der Hauptkonflikt der Folge im Grunde ungelöst - und drängt geradezu auf eine Fortsetzung.

Für die ganz jungen Doctor Who-Fans ist Class nicht geeignet. Allen anderen kann sie - zumindest nach dem Auftakt zu urteilen - durchaus ans Herz gelegt werden.

Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 24. Oktober 2016

Class 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Class 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Die Nacht der Schatten
Titel der Episode im Original
For Tonight We Might Die
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 22. Oktober 2016 (BBC Three)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 4. April 2017
Regisseur
Edward Bazalgette

Schauspieler in der Episode Class 1x01

Darsteller
Rolle
Greg Austin
Fady Elsayed
Ram
Nigel Betts

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