Clark: Review der Pilotepisode

Clark: Review der Pilotepisode

Die schwedische Netflix-Miniserie Clark hat großen Spaß, die unglaubliche Lebensgeschichte des Promi-Gangsters Clark Olofsson zu erzählen. Der Regisseur und Autor Jonas Akerlund nahm sich offenbar Scorsese zum Vorbild.

Bill Skarsgard als Clark (c) Netflix
Bill Skarsgard als Clark (c) Netflix
© ill Skarsgard als Clark (c) Netflix

Go big or go home“, sagt man so schön im Englischen, wenn Künstler:innen einfach alles geben, um ja nicht zu langweilen. Diesen Spirit spürt man in der schwedischen Netflix-Eigenproduktion Clark in jeder einzelnen Szene. Der Serienschöpfer Jonas Akerlund („Lords of Chaos“, „Polar“) kündigte seinen Sechsteiler, der die Autobiografie des Promi-Gangsters Clark Olofsson zum Leben erweckt, schon großmäulig an: „'Clark' ist die Geschichte des politisch inkorrektesten Mannes, der das politisch inkorrekteste Leben geführt hat. Es ist eine ultra-gewaltsame, witzige, emotionale, reale und surreale Biografie, die dem Begriff Stockholm-Syndrom ein Gesicht gibt, aber es dreht sich nicht nur um den Norrmalmstorg-Raub.

Und auch der Hauptdarsteller Bill Skarsgard, der dem Horrorclown Pennywise in der neuen „It“-Verfilmung sein Gesicht gab, sparte nicht an selbst auferlegten Vorschusslorbeeren: „Clarks Leben und Geschichte sind so bemerkenswert und schräg, dass es selbst Scorsese rot werden lassen würde.“ Tatsächlich spürt man im einstündigen Auftakt (mit dem lächerlich langen Episodentitel Wenn ich schon nicht der Beste von den Guten sein kann, dann bin ich der Beste von den Bösen.) den unverschämten Spaß, den alle Beteiligten mit dieser eigentlich nicht ganz unheiklen Charakterstudie haben.

Worum geht's?

Die eindeutig auf Krawall gebürstete Biopic-Serie kann es kaum erwarten, ihr Publikum zu schocken, und schafft das schon mit ihrer Anfangseinstellung: Wir sehen, wie Clarks Mutter Ingbritt (Sandra Ilar) zigarettenrauchend ihren Sohn zur Welt bringt. Ein kurzer Blick in den Mutterleib zeigt uns ein bärtiges Baby, das mehr Albtraumpotential birgt als Skarsgards Pennywise-Darbietung. Mit diesem absurden Bild macht Regisseur und Chefautor Akerlund klar, dass er es mit der wahren Wahrheit nicht so ernst nimmt. Hinzu kommt ein Voiceover-Erzähler, der alles andere als zuverlässig scheint. Doch all das ist irgendwie charakterkonform, sodass selbst ein paar ziemlich peinliche Sprüche stimmig klingen.

Skarsgard bringt den optimalen spitzbübischen Charme ins Spiel, den diese Figur ausstrahlen soll. So drückt sich für die Serie vielleicht sogar der Werbeslogan „Michel aus Lönneberga für Erwachsene“ auf. Wobei man bei all dem Spaß natürlich nie vergessen darf, dass unter Olofssons Taten viele echte Menschen echten Schaden davontrugen. Aber Schweden scheint das auch vergessen zu haben, so wie Olofsson - der mehr als die Hälfte seines Lebens hinter schwedischen Gardinen saß - gesellschaftlich verklärt wird. Wobei man aus Akerlunds Adaption durchaus eine feine Kritik herauslesen kann, denn es fällt auf, wie leicht sich die Leute von Clark um den Finger wickeln lassen. Auch wird Clark nicht unbedingt als kriminelles Genie dargestellt, sondern nur als stumpfer Typ mit zu viel Selbst- und zu wenig „Fremdbewusstsein“.

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Netflix - © Netflix

Die erste Episode ist überaus ereignisreich: Clark stirbt fast bei einem Autounfall, bricht aus dem Gefängnis aus und hat eine Liaison mit zwei reichen Frauen: Mutter Liz (Malin Levanon) und Tochter Madou (Isabelle Grill). In diesen Momenten wirkt die Serie ähnlich männerfantasievoll wie etwa „The Wolf of Wall Street“. Dabei ist es sowieso schwer zu glauben, was von Olofssons wahrer Lebensgeschichte wirklich wahr ist, immerhin stammt sie von einem professionellen Berufsschwindler. Aber auch das ist egal, solang es nur nicht langweilig wird. Obwohl bei pausenlosem Exzess durchaus Langeweile entstehen kann, was hier sicherlich ein Risiko für den Lauf der weiteren Staffel ist. Wenn sich nämlich Clark über seine coolen Selbstdarstellungen hinaus nicht tiefer ergründen lässt.

Interessant zu werden verspricht vor allem die Dynamik zwischen Clark und seiner Nemesis Tommy Lindström (Vilhelm Blomgren), ein Mann des Gesetzes, der es sich zum Ziel gemacht hat, Clark dingfest zu machen. Und auch wenn sich die Serie dem berüchtigten Norrmalmstorg-Raub zuwendet, durch den der pseudo-psychologische Ausdruck Stockholm-Syndrom geprägt wurde, dürfte es noch mal extra spannend werden. Sein ganzes Pulver verschossen hat Mastermind Akerlund also noch nicht, trotz dieses Feuerwerks, das die Premiere zu bieten hatte (ein Einbruch beim damaligen schwedischen Ministerpräsidenten Tage Erlander in den 1960ern ist da schon Nebensache).

Wie ist es?

Alles in allem ein ziemlich wilder Auftakt zur sechsteiligen Netflix-Serie Clark von Jonas Akerlund und mit Bill Skarsgard. Dem Publikum wird die unzuverlässige, aber dafür sehr farbenfrohe Biografie eines legendären Störenfrieds und Kriminellen präsentiert (die Farbe setzt aber erst nach 15 oder 20 Minuten ein). In erster Linie will man uns zum Lachen und zum Staunen bringen, wobei der Humor schon etwas derbe rüberkommen kann. Da ist man in Schwedens wohl auch einiges gewöhnt, was hierzulande verstören kann. Und manche Witze wirken wie weggeworfenes Family Guy-Material, wenn zum Beispiel ein Elch mit dem Protagonisten spricht, als dieser kurz davor ist, wegen diesem zu crashen.

Vieles an dem Format kann unsympathisch rüberkommen, aber für mich funktioniert es trotzdem größtenteils, weil der Ton einfach zum Titelcharakter passt, und weil auch Skarsgard perfekt in die Rolle übergeht. Außerdem schaue ich lieber eine Serie, die übertreibt und ein paar Fehlschläge hinlegt, als es sicher zu spielen und dabei nichts Verrücktes ausprobiert. Mut muss belohnt werden, auch wenn er schon in Übermut umschlägt. Wer mit frechen Filmen wie etwa dem „Deadpool“-Franchise etwas anfangen kann, wird sich sowieso sehr wohl fühlen mit „Clark“.

Hier abschließend noch der Trailer zur schwedischen Netflix-Serie Clark:

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