Citadel: The Human Enigma - Review der Pilotepisode der Amazon-Prime-Serie

Citadel: The Human Enigma - Review der Pilotepisode der Amazon-Prime-Serie

„Citadel“ wurde im Vorfeld stark gehypt und gilt bei Amazon Prime Video als zweitteuerste Serie aller Zeiten. Ob die Show ihrem unglaublichen Hype gerecht wird oder die Macher am Ende auch nur mit Wasser kochen, erfahrt Ihr in unserem Review der ersten beiden Episoden.

Szenenfoto aus der Serie „Citadel“
Szenenfoto aus der Serie „Citadel“
© Amazon Prime Video

Anmerkung: Dieses Review bezieht sich auf die ersten beiden Folgen The Human Enigma und Spies Appear in Night Time der Serie Citadel.

Das passiert

Die globale, unabhängige Spionagegruppe Citadel ist die letzte Bastion des Guten für die Menschheit und sorgt dafür, dass die Welt im Gleichgewicht bleibt. Mason Kane (Richard Madden) und seine Partnerin Nadia Sinh (Priyanka Chopra Jonas) gehören zu den Topspionen und sind einem Bösewicht auf der Spur, der angereichertes Uran gestohlen haben soll. In Wahrheit handelt es sich jedoch um einen der Anführer der brandgefährlichen Verbrecherorganisation Manticore, die mit Gewalt, Manipulation und Angst eine neue Weltmacht etablieren will. Und er hat eine Überraschung im Gepäck, denn Citadel wurde verraten.

Hilflos müssen Nadia und Mason per Video mitansehen, wie ihre Kollegen ermordet werden, bis nur noch sie übrig sind. Mit letzter Kraft gelingt es ihnen, zu entkommen und ihre Häscher auszuschalten, doch um den Preis, dass sie sich nicht mehr an ihr früheres Leben erinnern. Erst als der ehemalige Koordinator von Citadel, Bernard Orlick, Mason findet und um Hilfe bittet, erinnert sich der Ex-Agent allmählich an seine Vergangenheit und tritt in seine eigenen Fußstapfen, um erneut gegen Manticore anzutreten.

Zu teuer für diese Welt

Citadel“ wurde im Vorfeld als zweitteuerste Serie nach Lord of the Rings: The Rings of Power gehandelt. Satte 300 Millionen Dollar stehen als Budget für die sechsteilige erste Season im Raum, eine immense Summe für insgesamt 270 Minuten Laufzeit. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, die - dies sei an dieser Stelle vorweggenommen - nur teilweise erfüllt werden. Was „Citadel“ bietet, ist auf die Prämisse heruntergebrochen, nicht mehr oder weniger als eine kernige Agentengeschichte mit Science-Fiction-Elementen.

Bisweilen fühlt man sich auch an einen Mix zwischen „James Bond“ und Agents of S.H.I.E.L.D. erinnert. Das ist grundsätzlich nicht schlecht, aber im Vergleich zu derzeitigen Tophits wie Tom Clancy's Jack Ryan, The Night Agent oder The Recruit beim Konkurrenten Netflix auch nicht herausragend.

Nichts Neues in der Agentenwelt

Die Geschichte beginnt mit einer Rückblende, die uns acht Jahre in die Vergangenheit führt und die Hauptfiguren Mason Kane und Nadia Sinh einführt. Die Protagonisten sind Top-Agenten der unabhängigen Agentenorganisation Citadel, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, gegen das Böse dieser Welt anzutreten und das Gleichgewicht zu bewahren. Der Institution steht eine Gruppe namens Manticore gegenüber, die mit hochrangigen Politikern und Superreichen paktiert, um die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten zu verändern. Das ist in keiner Weise neu und aus Serien wie „U.N.C.L.E.“, den „Fantomas“-Filmen mit Louis de Funès oder eben aus bislang 25 „James-Bond“-Streifen altbekannt.

Dennoch wissen die ersten zehn Minuten dank eines extrem hohen Tempos und atemloser Action zu gefallen, die von wilden Schießereien über noch wildere Schlägereien in einem Zug alles auffährt, was Fans des Genres Freude bereitet. Stark ist, dass die Show Citadel nicht als unbesiegbar darstellt, sondern diese im Gegenteil soeben im Begriff ist, unterzugehen. Ein unbekannter Verräter hat die Namen und Verstecke sämtlicher Spione an Manticore verkauft, die nun losziehen, um der Konkurrenz den Garaus zu machen. Trotz ihrer Bemühungen müssen Nadia und Mason mitansehen, wie ihre Freunde überall auf der Welt im Kugelhagel ihrer Feinde sterben. Die Szene ist dazu gedacht, unter die Haut zu gehen, reißt aber aufgrund einer etwas unglücklichen Inszenierung (als Zuschauer verfolgt man die schrecklichen Ereignisse lediglich auf dem Bildschirm eines Laptops mit) nicht wirklich mit.

Ein neues Leben

Irgendwie schafft es das Citadel-Agentenduo zu überleben, ein implantierter Chip löscht jedoch ihre Erinnerungen aus, so dass sie ein neues Leben beginnen. Mason nennt sich jetzt Kane und führt in der Jetzt-Zeit der Serie eine glückliche Beziehung. Er ist Vater einer achtjährigen Tochter, hat eine wundervolle Frau und ein hübsches Haus. Bis der überaus stark von Stanley Tucci gespielte Bernard Orlick auftaucht und Mason um Hilfe bittet. Doch zuerst muss sich der verwirrte Mann erstmal zumindest ansatzweise daran erinnern, wer er wirklich ist. Der Grund für seine erneute Rekrutierung ist indes ein geschickt konstruierter MacGuffin, der Bezug auf Citadel nimmt und Spannung erzeugt.

Es handelt sich um einen Koffer, der nicht nur die Standorte aller noch lebenden Agenten verrät, sondern auch ein Serum beherbergt, mit dem Mason und Nadia ihre Erinnerungen wiederherstellen können. Dass dies notwendig ist, um den Plot voranzutreiben, ist evident, allerdings haben sich die Serienerfinder Josh Appelbaum und David Weil hier etwas Innovatives einfallen lassen und die Gelegenheit für weitere tolle Actionmomente geschaffen.

Unglaubwürdigkeiten

Tatsächlich gelingt es Mason, der sich wohlgemerkt noch immer nicht an seine Vergangenheit erinnert, den Koffer von einem brutalen Brüderpaar zurückzuergattern. Gerade die Tatsache, dass Masons Fähigkeiten noch nicht wiederhergestellt sind sowie die Leichtigkeit, mit der er in das Manticore-Gebäude eindringt und die Sicherheitsvorkehrungen austrickst, nagen an der Glaubwürdigkeit. Die Ausarbeitung der Szenen wirkt unausgegoren und stellenweise sogar weit hergeholt, weil der Ex-Topspion viel zu leicht an das X-Case herankommt. Die Erklärung, dass sich Mason zwar nicht erinnert, sein Körper aber sehr wohl, greift jedenfalls nicht vollumfänglich und hinterlässt den faden Beigeschmack, dass die Drehbuch-Autoren hier nachlässig waren.

Nadia

Der zweite Teil widmet sich hauptsächlich der Vergangenheit Nadias und dem Wiedersehen mit Mason. In den ersten Minuten zeigen die Macher, wie die taffe Frau trotz Schussverletzung und der Explosion des Zuges, in dem das Drama seinen Lauf nahm, überlebte und in die Fänge eines Brutalos geriet. Mit letzter Kraft gelang es ihr, zu überleben, kurz bevor der oben erwähnte Chip auch ihre Erinnerungen auslöschte. Acht Jahre später lebt sie in Valencia als Restaurantleiterin und schlittert erneut in die Geschichte hinein, als ihr ehemaliger Partner auftaucht. Dieser wurde allerdings von einem der Manticore-Brüder verfolgt, der nun darauf erpicht ist, die beiden zu töten. Erneut setzen die Macher hier auf ausufernde und ansprechend choreografierte Action, die mit ruhigeren Abschnitten zur Informationsvermittlung kombiniert ein angenehmes Pacing ergeben.

Ein Wort zu den Spezialeffekten

Das alles ist beileibe nicht schlecht und macht Spaß. Den großen Hype, der um Citadel gemacht wurde, rechtfertigen die ersten beiden Episoden allerdings nicht. Das liegt zum einen an der oben bereits erwähnten Tatsache, dass die Serie uns nichts Neues präsentiert, zum anderen aber auch daran, dass einige der Special Effects visuell nur im Mittelfeld rangieren. In der der Debüt-Folge ist es die Szene, in der besagter Zug explodiert und Mason herausgeschleudert wird, in Episode zwei der Kampf zwischen Nadia und ihrem fiesen Retter in einer Jagdhütte. Wenn ein Stichwaffenangriff so offensichtlich mit CGI nachbearbeitet ist und der Angriff auch noch unter den Armen, statt in der Brust oder im Bauch endet, stimmt eindeutig etwas mit der Qualitätskontrolle nicht. Das vor allem, wenn man bedenkt, wie hoch das Budget der Serie war.

Fazit

Alles in allem sind die ersten Episoden von „Citadel“ zwar alles andere als schlecht, aber eben auch nicht herausragend. Die hohen Erwartungen erfüllt die Serie bislang aufgrund teils mittelmäßiger Spezialeffekte und einer Story, die man ähnlich auch woanders schon gesehen hat, jedenfalls nicht. Um in der Topliga mitspielen zu können, müssen die restlichen vier Folgen auf jeden Fall noch ein Schippchen drauflegen.

Wir vergeben daher hier vier von fünf Agentengadgets für die neue Serie „Citadel“.

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