Die Walkinder: Review der Pilotepisode von Netflix

Die Walkinder: Review der Pilotepisode von Netflix

Ein sandiges Anime-Highlight kann ab heute beim Streamingdienst Netflix abgerufen werden. Gleichzeitig könnt Ihr Euch unser lobendes Pilotreview zu Children of the Whales aka Die Walkinder zu Gemüte führen.

Die Walkinder Chakuro und Sami (c) J.C.Staff/Netflix
Die Walkinder Chakuro und Sami (c) J.C.Staff/Netflix
© ie Walkinder Chakuro und Sami (c) J.C.Staff/Netflix

Netflix profiliert sich in jüngster Zeit als Produzent eigener Animeserien, kauft aber nach wie vor fleißig Titel für sein immer größer werdendes Angebot japanischer Zeichentrickware ein. So auch das postapokalyptisch anmutende Abenteuermärchen Die Walkinder aus dem Studio J.C.Staff, das international unter dem Titel „Childen of the Whales“ erscheint und im japanischen Fernsehen schon im Herbst 2017 zu den spannendsten neuen Titeln der Anime-Season zählte. Heute schauen wir uns die Pilotepisode mit dem deutschen Titel Es war unsere ganze Welt genauer an.

Ein Völkchen im Sandexil

Die Walkinder“ basiert auf dem bisher einzigen Manga von Abi Umeda und nimmt uns auf den MudWhale mit - eine im endlos scheinenden Sandmeer treibende Insel, die von 513 Leuten bewohnt wird. Etwa 90 Prozent von ihnen zählen zu den sogenannten Markierten, die mithilfe der übernatürlichen Kraft Thymia Gegenstände bewegen können, indem sie leuchtende Runen herbeibeschwören. Die Fähigkeit kommt jedoch mit einem Preis, denn die Markierten werden nur um die 30 Jahre alt, während die Älteren unter anderem den regierenden Rat bilden und ohne Kräfte eine normale Lebenserwartung genießen.

Zu den Markierten gehört auch der 14-jährige Chakuro, der kein großes Geschick mit seinem Thymia beweist und stattdessen lieber als Archivar tätig ist. Über die Welt vor dem Schlammwal ist nur wenig bekannt, weshalb er möchte, dass den späteren Generationen einmal mehr Wissen über die Vergangenheit vermittelt wird. Dabei soll er möglichst wenige Emotionen in seine Texte einfließen lassen. Generell versucht man auf der MudWhale, seine Gefühle zu unterdrücken. So auch bei der Bestattung der Lehrerin von Chakuro und seinen Freunden, wo die Trauernden sich, anstatt zu weinen, die Fingernägel in die gefalteten Hände drücken sollen, um nicht ins Totenreich gerufen zu werden.

J.C.Staff/Netflix
J.C.Staff/Netflix - © J.C.Staff/Netflix

Es ist wahrlich eine Wucht, was die erste Episode von „Die Walkinder“ alles an Figuren und Konzepten einführt, ohne dass sich die Folge überladen anfühlt. Wir lernen einen Haufen farbenfroher und erinnerungswürdiger Charaktere vom Rücken des Schlammwals kennen, wo wir mehrere Schauplätze wie die Werkstatt, das Gefängnis oder die Krankenstation besuchen und dabei einiges vom Aufbau der Gesellschaft sowie vom Aberglauben und von Traditionen lernen. Schließlich wird auch noch der eigentliche Haupthandlungsbogen in Form einer weiteren umhertreibenden Insel angeschwemmt, was den Mikrokosmos der isolierten Walkinder in höchste Aufruhr versetzt.

Expeditionen von Kundschafter-Trupps sind eigentlich nichts Außergewöhnliches, um wertvolle Rohstoffe zu sammeln, doch während dieser Erkundung trifft Chakuro plötzlich auf ein Menschenmädchen. Zwar wissen die Walkinder um eine frühere Zivilisation, deren Relikte noch überall auf der Insel herumliegen, doch einen anderen Menschen haben sie noch nie zu Gesicht bekommen. Überraschenderweise verfügt die blauhaarige Fremde ebenfalls über so etwas wie Thymia-Kräfte und greift an. Zu Chakuros Glück ist sie geschwächt und bricht zusammen, ehe sie den ungeschickten Jungen mit einem Schwert aus ihrer blutigen Kollektion durchbohren kann.

Auf dem MudWhale sorgt das aufgelesene Mädchen, das sie vorerst Lykos nennen, für große Aufregung. Sie spricht dieselbe Sprache wie ihre Entführer, zählt zu den gefürchteten, emotionslosen Personen namens Apátheia und scheint mindestens so viel über die Beschaffenheit der Welt zu wissen wie der Ältestenrat, der offenbar Informationen zurückhält und sie wegsperren will. Die Rechnung haben sie aber ohne den tollkühnen badass Ôni gemacht, der kürzlich aus der Haft im Inneren des MudWhale entlassen wurde und das Mädchen kurzerhand befreit. Gemeinsam mit Chakuro und Lykos will auch er den Geheimnissen der sandigen Welt und ihrer Geschichte auf den Grund gehen.

Fazit

Die Walkinder verfügt über ein warmes und gleichzeitig abenteuerliches Flair, was nicht zuletzt der atemberaubenden Präsentation zu verdanken ist. An den ungewöhnlich dünnen Linien der Charakteranimation lassen sich zum Teil noch die grundlegenden Bleistiftskizzen erahnen, die Umgebung der Sandgebäude gleicht groberen Kohlezeichnungen und die wunderschönen Hintergründe muten nach Tusche- und Wachsmalzeichnungen an. Wenngleich die Serie das Animationsniveau der ersten Folgen nicht durchgehend halten kann, muss die visuelle Komposition, ebenso wie der gelungene Soundtrack, insgesamt gelobt werden.

Eine Geschichte über übernatürlich begabte Kinder und ein Mystery-Mädchen kann im Animebereich wohlwollend als „klassisch“ oder weniger gutwillig als „wenig originell“ beschrieben werden. Sie wird in diesem Fall durch ein gekonnt präsentiertes Mysterium, vor allem aber durch das beeindruckend ausgearbeitete Setting des MudWhale im Sandmeer aufgewertet. Hierdurch kommen wohl nicht vollkommen zufällig Erinnerungen an Klassiker wie Miyazakis Animefilm „Nausicaä aus dem Tal der Winde“ oder die OVA-Serie „Green Legend Ran“ auf.

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