Childhood's End 1x03

Childhood's End 1x03

Mehr als 60 Jahre nach dem Erscheinen wurde endlich eines der gefeiertsten Werke des SciFi-Meisters Arthur C. Clarke verfilmt. Leider hatte der Teufel seine Hand mit im Spiel. Unsere Staffelreview zur dreiteiligen Miniserie Childhood's End des Senders Syfy. Ein Gastbeitrag von sw2012.

Unsere Kritik zur SciFi-Miniserie „Childhood's End“ von Syfy. / (c) Syfy
Unsere Kritik zur SciFi-Miniserie „Childhood's End“ von Syfy. / (c) Syfy

Im Jahr 1953 veröffentlichte Arthur C. Clarke den Roman Childhood's End über eine friedliche Invasion von Außerirdischen, die der Menschheit eine Utopie aufzwingen. Von Kritikern als Meisterwerk gefeiert, bis heute ein zentraler Einfluss auf das Genre, musste das Werk trotzdem lange vom Bücherregal aus zusehen, wie „2001: A Space Odyssey“ auf dem Bildschirm den ganzen Ruhm einheimste. Jetzt hat sich Syfy mit einer dreiteiligen Miniserie an den Klassiker herangewagt - allerdings mit einigen Änderungen am Stoff.

Der Meister in Reinform: Childhood's End als Roman

Fangen wir mit einem Lob an: Wenn man Syfy irgendwas nicht vorwerfen kann, dann ist das Feigheit. Clarke gehört zusammen mit Robert A. Heinlein und Isaac Asimov zu den Big Three des Science Fiction und Childhood's End ist einer seiner wichtigsten Romane. Die Liste von anderen Filmen, Büchern und Serien, die davon beeinflusst wurden, ist lang und enthält „Village of the Damned“ (1960) und V. Wenn bei „Independence Day“ riesige Raumschiffe über den Städten schweben, ist das eine Hommage an Childhood's End. Nur War of the Worlds von H.G. Wells hat in diesem Sub-Genre einen größeren Einfluss. Der Sender muss also gewusst haben, dass jeder SciFi-Fan, der etwas auf sich hält, diese Verfilmung kritisch betrachten wird.

Zudem gibt es handfeste Gründe, warum sich bislang niemand an das Buch herangewagt hat. Da wäre als erstes die Grobstruktur: Eigentlich erzählt es nicht eine, sondern zwei Geschichten, die eine bittersüß, die andere tragisch.

Sympathy with the Devil

Der Hauptstrang entspricht dabei mehr oder weniger der Handlung der TV-Serie, daher bietet sich für die noch-nicht-Gucker hier eine Zusammenfassung an: Eine übermächtige Gruppe von Außerirdischen - die Overlords - zwingen der Menschheit eine Utopie auf (ja, sie sehen aus wie Teufel, aber das wird schnell unwichtig). Der Haken an der Sache ist, dass damit die Umwandlung der Menschheit in eine höhere Daseinsform verbunden ist: Die Verschmelzung mit dem Overmind des Universums. Alle Kinder bekommen irgendwann Superkräfte, werden komisch und verschwinden dann. Traumatisch für die Eltern - nicht zuletzt, weil die Erde als Teil dieses Prozesses zerstört wird -, aber der ultimative Ritterschlag für die Menschheit.

Der zweite Strang wird im Buch erst nach und nach eingeführt, je mehr wir von den Overlords erfahren. Denn trotz all ihrer Technik, ihres Wissens und ihrer Macht ist ihrer Spezies dieser Aufstieg aus genetischen Gründen verwehrt. Sie stecken in einer evolutionären Sackgasse fest. Irgendwann wird klar: Die Overlords werden vom Overmind nur als Werkzeug benutzt, um anderen Rassen den Weg zur geistigen Verschmelzung zu ebnen. Was dabei eigentlich passiert, verstehen sie trotz ihrer Forschung auch nicht. Im tieferen Sinne sind die Overlords die tragischen Figuren des Buches, verdammt zu ewiger Einsamkeit.

Der Roman beginnt damit als Geschichte der Menschheit, endet aber in gewisser Weise als Geschichte der Overlords. Der wunderbar vollzogene Übergang ist einer von vielen Gründen, warum das Buch so gefeiert wird.

Die Zukunft aus der Sicht von 1953

Das ist allerdings nicht eine Struktur, die einfach ins klassische Film- oder Fernsehschema passt, und damit ein zentraler Grund, warum niemand Childhood's End bislang verfilmt hat. Syfy hat beschlossen, das Problem mit der Brechstange zu lösen: Der Overlord-Strang wurde fast komplett ausgelassen. Acht Minuten vor dem Ende der letzten Folge fällt dem allerletzten Menschen Milo Rodricks (Osy Ikhile) ein, die Overlords mal zu fragen: Hey, warum seid ihr eigentlich nicht Teil des Overminds?

Was man also als erstes über die Syfy-Version von Childhood's End wissen muss, ist dass ein ziemlich großer Teil der Geschichte ausgelassen wurde.

Nun muss man den Machen zugestehen, dass man ein Buch aus dem Jahr 1953 beim besten Willen nicht ohne Änderungen verfilmen kann. Triviale Beispiele: So benutzt Clarke ganz selbstverständlich das Wort „negro“. Die Horrorvision einer utopischen Gesellschaft, die sich nur noch amüsiert, sind unfassbare 500 Stunden Radio- und TV-Sendungen am Tag. Und dass in Clarkes Utopie die Poliamorie - man kann viele Partner haben - gesellschaftlich akzeptiert ist, ist ein Fass, das ein amerikanischer Fernsehsender vermutlich nicht aufmachen möchte.

Mein Held mit dem blauen Helm

So etwas ist beherrschbar. Inhaltlich hat Childhood's End allerdings drei große Probleme, wenn man US-Zuschauer als wichtigste Zielgruppe im Auge hat: Der Okkultismus im Buch, dessen Umgang mit der Religion und die politische Weltsicht.

Fangen wir mit der Politik an, das große Thema der ersten Folge von Childhood's End. Es dürfte niemanden überraschen, dass das Buch von dem Trauma des Zweiten Weltkriegs geprägt ist. Wohl mit dem Wunsch als Vater des Gedankens heraus stellt es Clarke als Fakt dar, dass sich die Nationalstaaten langsam auflösen und durch große, harmonische, überstaatliche Organisationen abgelöst werden - die Overlords beschleunigen diesen Prozess nur. In dieser hoffnungsvollen - man könnte im Rückblick auch sagen naiven - Sicht der Zukunft spielen die Vereinten Nationen eine zentrale Rolle.

Folgerichtig ist der Protagonist im ersten Teil des Buchs, der Mann, der die Overlords auf der Erde vertritt, der UN-Generalsekretär Rikki Stormgren.

Ja, Rikki musste zu Ricky werden ...

Wer die Medien in den USA verfolgt, wird an dieser Stelle lachen. In der amerikanischen Presse sind die Vereinten Nationen heute bestenfalls eine korrupte und unfähige Geldvernichtungsmaschine, schlimmstenfalls Teil einer Verschwörung, um den Planeten mit Hilfe von Blauhelm-Soldaten und schwarzen Hubschraubern für die New World Order zu unterjochen. Der Stormgren-Schauspieler Mike Vogel selbst formulierte es in einem der Interviews vor der Ausstrahlung nur wenig diplomatisch:

In today's climate, that's not necessarily the guy you're going to want to believe every word coming out of his mouth.

Vogel spielt daher in der TV-Serie nicht den finnischen UN-Chef Rikki Stormgren, sondern den US-Farmer Ricky Stormgren aus Missouri. Für den amerikanischen Zuschauer ist hier ein Witz eingebaut, der leider der restlichen Welt nicht erklärt wird: Die Bürger des Bundesstaates gelten als Skeptiker. I'm from Missouri, you'll have to show me, lautet das Sprichwort.

Ricky aus Missouri steht allerdings auch für zentrales Ärgernis bei der TV-Version von „Childhood's End“: Wo Teile neue eingefügt wurden, sind es Klischees, die an der Grenze zur Eigenparodie wandeln.

... aber bitte nicht so

Ricky ist ein gut gebauter, blonder Sunnyboy-Farmer mit einem treuen Hund auf einem kleinen Hof, der sich offenbar noch mit einem (natürlich halb-kaputten) Trekker bewirtschaften lässt. Er hat eine Schrotflinte, missachtet aber die einfachsten Sicherheitsvorschriften (sehr zum Schaden des Overlords Karellen, gespielt von Charles Dance). Er spielt Basketball, aber schlecht genug, dass man ihn dafür gern hat. Er lebt in einer kleinen Gemeinde mit vielen einfachen, aber gutherzigen Menschen.

Noch mehr gefällig? Da wäre die Musik: Das neue, glückliche Zeitalter wird John Lennons Imagine eingeleitet, natürlich. Die Presse, die im Buch kaum eine Rolle spielt, ist in der Serie genau so, wie es sich für modernes US-Fernsehen gehört: durchtrieben, parteiisch, verlogen und böse.

Beim Wissenschaftler Milo Rodricks (Osy Ikhile) haben wir dagegen eine kuriose Situation. Er scheint der stereotypische Black Nerd zu sein, den Hollywood so liebt (und der leider an der Wirklichkeit in den USA vorbeigeht). Tatsächlich ist Jan - nicht Milo - Rodricks schon in der Vorlage schwarz und wird von Clarke als Beispiel für den gesellschaftlichen Wandel unter den Overlords benutzt: Seine Hautfarbe habe seiner Karriere in der neuen Utopie nicht im Wege gestanden, erfahren wir.

And no religion, too

Trotz dieser Änderungen muss man sagen, dass die erste (wie auch die dritte) Episode der Serie eher nah am Buch bleibt. Die Overlords kommen, der anfängliche Widerstand löst sich auf, die Utopie ist da. Nur ein paar Spinner harren noch aus. Religiöse Spinner, insbesondere, was uns zum zweiten großen Problem für die Macher bringt, der Umgang mit dem Glauben.

Im Buch stirbt die Religion eher nebenbei aus. „It was a completely secular age“, schreibt Clarke trocken vom Goldenen Zeitalter der Menschheit. Nur eine abgespeckte Variante des Buddhismus überlebt. Was das Christentum und den Islam und die anderen Glaubensrichtungen abtötet, ist eine Overlord-Maschine, mit der man jeden Augenblick in der Geschichte sehen kann. Die ungeschönte Sicht auf die Ursprünge der Weltreligionen führt zu deren Untergang. Es wird sehr deutlich, dass Clarke ihnen keine Träne nachweint. Karellen (Charles Dance), so erfahren wir, nimmt zu religiösen Fragen übrigens nicht Stellung, sondern sagt nur: „A man's belief is his own affair“.

Losing my Religion

Auch hier muss man den Machern zugestehen, dass die Handlung geändert werden musste. Zum einen haben sie beschlossen, in einem kürzeren Zeitraum zu operieren: Im Buch wartet Karellen 50 Jahre, bevor er sich der Menschheit vorstellt (Rikki Stormgren stirbt in der Zwischenzeit an Altersschwäche und nimmt das Geheimnis des Overlord-Aussehens mit ins Grab). In der TV-Serie sind es nur 15 Jahre. Es ist nicht realistisch, dass innerhalb einer so kurzen Zeit alle Fanatiker wegsterben oder ein Einsehen haben.

Entsprechend die Einführung der Figur Peretta Jones (Yael Stone) als religiöse Irre. Wir wissen, dass sie nicht ganz bei Verstand ist, denn sie guckt sich Holzschnittbilder vom Teufel in alten Büchern an anstatt wie normale Leute im Internet. Außerdem trinkt sie viel Wein, wird schnell hysterisch, klammert sich an die Bibel und ihr Kreuz und neigt zur Gewalt. Hier haben die Macher der TV-Serie wieder tief in ihre Klischee-Kiste gegriffen.

Space aliens stole my husband's sperm!

Was schade ist, denn hier ist eine sehr gute Idee versteckt. Jones ist die Antwort auf eine Frage, die in diesem Szenario berechtigt ist: Wie kommen die gläubigen Menschen mit dem Auftauchen von außerirdischen Heilsbringern klar, die dummerweise aussehen wie der Teufel? Allgemeiner gefragt, was ist mit den Menschen, die sich nicht anpassen können oder wollen? Clarke redet nicht viel von ihnen. In der Figur Jones finden wir die Antwort, wenn auch leider zur Karikatur verzerrt: Sie gehen zugrunde. Es ist eine brutale, aber glaubwürdige Entwicklung, die mehr Sorgfalt verdient hätte.

Zeit genug wäre gewesen: Was aus dem zweiten Teil des Buchs - entsprechend die zweite Episode der Serie - gemacht wurde, ist kläglich.

Statt die verstörende Entwicklung der Kinder langsam herauszuarbeiten oder in die zweite Geschichte des Buchs - die der Overlords - einzusteigen, spielen die Macher lieber Szenen aus „The Exorcist“ nach. Der noch lebendige Ricky erkrankt wegen seiner Besuche auf dem Raumschiff mit einem tödlichen Leiden, eine Gefahr, die ihm die Overlords irgendwie verschwiegen haben. Nebenbei haben sie Ricky kurzerhand unfruchtbar gemacht. Der große Diplomat Karellen (Charles Dance) erleidet einen IQ-Sturz, verliert plötzlich seine Empathie, wird arrogant und stößt auf der großen Party allen vor den Kopf. Dann drängt er eine Schwangere zur Manipulation von fragwürdigen Maschinen in dunklen Hinterzimmern. Zwischendurch erklärt er Jones (Yael Stone) ins Gesicht, dass Religion eigentlich Müll ist.

Der Moment, an dem sich Clarke im Grab umdreht

Hier werden große Teile der sorgfältig aufgebauten Charakterisierung der Overlords aus dem ersten Teil der Serie in die Tonne getreten: Ihr Gerechtigkeitssinn (Kinder im Rollstuhl erschießt man nicht), ihr Mitgefühl für Mensch und Tier (die Heilung der Krankheiten) und die Loyalität gegenüber ihren Helfern (Ricky wird vor seinen Entführern gerettet). Was die Macher sich hier zusammengeschrieben haben, verletzt die innere Logik der Geschichte, wirft jede Menge neuer Fragen auf (sterben jetzt auch alle Tiere in der Alien-Arche an der Strahlung?) und lenkt dazu noch vom großen Bild ab. Das sich davon nichts im Buch findet, versteht sich von selbst.

Dieser massive Qualitätsverlust bei Childhood's End in der zweiten Hälfte der zweiten Folge dürfte ein gescheiterter Versuch sein, das dritte und vielleicht größte Problem der Vorlage zu umgehen: Die Sache mit dem Okkultismus.

Was Syfy vermeidet wie der Teufel das Weihwasser

Allgemein wird das Buch Childhood's End als Science Fiction eingestuft, aber das ist eigentlich nicht richtig. In einem Vorwort von 1989 zur einer leicht überarbeiteten Ausgabe spricht Arthur C. Clarke selbst von einem Roman, der sich „both with the paranormal and visitors from space“ befasst. Verbunden damit ist auch ein disclaimer, der sich etwa so zusammenfassen lässt: Damals war das Übernatürliche noch irgendwie denkbar, heute glaube ich auch, dass 99 Prozent davon Unfug ist.

Im Jahr 2015 ist auch der letzte Prozentpunkt faktisch erloschen. In einem Zeitalter, in dem jeder mit einer Handy-Kamera herumläuft und jedes Katzengähnen Sekunden später auf Facebook oder Twitter dokumentiert wird, müsste es eigentlich endlose Beweisfotos für Geister geben. Zudem wird besonders in den USA das Paranormale heute ungleich stärker als 1953 mit dem Satanismus verknüpft, eine Nachwirkung der „Moral Panic“ der 80er Jahre über den angeblichen rituellen Kindesmissbrauch durch Teufelsanbeter.

Was wirklich auf der Party geschah

Für Syfy ist das ein Problem. Childhood's End soll zusammen mit The Expanse die Lücke beim hard core SciFi im Programm füllen, die Battlestar Galactica hinterlassen hat. Das geht so weit, dass wir in dieser Serie am Anfang Szenen mit der Galactica im Hintergrund sehen. Ein paranormaler Einschlag würde dieses branding verwässern. Da die Mehrheit der Amerikaner auf Okkultismus bestenfalls mit Gelächter, schlechtestenfalls mit hysterischen Warnungen vor dem seelischen Untergang der Jugend reagiert, kann man gut verstehen, dass dieser Teil komplett herausgeschnitten wurde. Dummerweise verliert Childhood's End damit die stärkste Szene im ganzen Buch.

Den eigentlich ist Rupert Boyce (Julian McMahon) ein Tierarzt, nicht eine reiche und prominente Variante von Rodricks (Osy Ikhile). Er ist außerdem ein Playboy und ein Angeber, der seine Freunde gerne zu wilden Partys einlädt. Am wichtigsten ist aber: Er besitzt die größte Sammlung von paranormaler Literatur der Welt.

Mama told me not to come

Was seine Gäste an diesem Abend nicht ahnen: Die Overlords sind als Teil ihrer Forschung über den Overmind sehr an seiner Bibliothek interessiert. Da Boyce die Bücher nicht herausgibt, muss der Overlord Rashaverak zu ihm. Ein Außerirdischer, das ist natürlich der Party-Hit überhaupt. Eigentlich will Rashaverak in Ruhe lesen, wird aber in ein echtes okkultes Ritual einbezogen, denn ein Ouijabrett wird hervorgeholt. Forscher Rodricks sieht seine große Chance und fragt in die Runde, wo der Heimatplanet der Overlords ist. Die paranormal generierte Antwort kommt sofort: NGS 549672, in dem Buch die Katalognummer ihres Sterns.

Die noch sehr unschwangere Jean Morrel - in der Serie zu Amy (Hayley Magnus) umbenannt - fällt wegen der ganzen psychischen Energie in Ohnmacht und zieht damit nicht nur das Interesse der Overlords auf sich: Ihr Freund George Greggson (TV: Jake Greggson, gespielt von Ashley Zukerman), macht ihr einen Heiratsantrag. Rashaverak und Karellen führen nach dem Vorfall ein ernstes Gespräch, kommen aber zum Schluss, dass Rodricks mit der Information nichts wird anstellen können. Jean ist dagegen die wichtigste Person auf dem Planeten geworden, denn mit ihren Kindern wird die Verwandlung beginnen.

Wo die Verfilmung versagt

Damit wissen wir jetzt, warum die Overlords in der TV-Serie ein leuchtendes Space-Ouijabrett benutzen, um Kontakt mit dem Overmind herzustellen, obwohl das nicht wirklich zum restlichen Design im Inneren ihrer Schiffe passt. Mehr bleibt von dieser Szene nicht in der Serie.

Wir haben damit vier große Änderungen an der Geschichte: Der Overlord-Strang wurde ausgelassen, die UN ist gegen eine Farm getauscht worden, wir befassen uns länger mit der Frage der Religion und vom Okkultismus bleiben nur Andeutungen. Auch wenn es dem Clarke-Puristen schmerzen wird: Diese Entscheidungen sind alle zumindest nachvollziehbar, man kann sogar diskutieren, ob sie nicht unumgänglich waren.

Das Problem mit der Verfilmung ist daher nicht, was ausgelassen wurde. Womit die Macher komplett überfordert waren, war die Stellen mit neuem Material zu füllen.

Karellens plötzlicher Persönlichkeitswechsel, die Sammlung von Klischees über Farmer und Gläubige, der Subplot über Rickys Eheprobleme, Zeugungsunfähigkeit und Krankheit - was davon nicht einfach überflüssig ist, ist zweitklassig. Es ist natürlich hart von den TV-Autoren zu verlangen, unter vermutlich unmenschlichen Zeitvorgaben schnell mal das Werk eines Großmeisters massentauglich anzupassen. Wenn man aber nicht das Geld und die Zeit darin investieren will, sollte man vielleicht das machen, was die Filmindustrie in den vergangenen sechs Jahrzehnten aus gutem Grund gemacht hat: Die Finger von Childhood's End zu lassen.

Fazit

Syfy hat an einer, möglicherweise an zwei Stellen eine Hommage an Arthur C. Clarke eingebaut. Rodricks erklärt seiner Mutter noch als kleiner Junge im Rollstuhl, dass die Overlords keine Zauberer sind, sondern nur über bessere Technologie verfügen - „Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic“, lautet Clarkes berühmtes drittes Gesetz. Und auf der Party berichtet ein homosexueller Mann, wie schön es ist, sich jetzt offen mit seinem Partner zeigen zu können.

Die größte Ehre haben die Macher aber Clarke nicht zuteil werden lassen: Sein Werk mit Respekt und Sorgfalt anzugehen. Childhood's End mag per Definition die beste Verfilmung des Romans sein, die es im Moment gibt. Wir können nur inständig hoffen, dass sie nicht die letzte bleiben wird.

Serientrailer zu „Childhood's End“:

Verfasser: Mariano Glas am Samstag, 19. Dezember 2015

Childhood's End 1x03 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 3
(Childhood's End 1x03)
Deutscher Titel der Episode
Neue Generation
Titel der Episode im Original
The Children
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 16. Dezember 2015 (Syfy)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 2. November 2019
Regisseur
Nick Hurran

Schauspieler in der Episode Childhood's End 1x03

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