
In der Pilotepisode You Have to Go Inside der Horror-Anthologieserie Channel Zero kehrt Kinderpsychologe Mike Painter (Paul Schneider) in seine kleine Heimatstadt zurück, in welcher sein Zwillingsbruder im Zuge einer Mordserie vor vielen Jahren spurlos verschwand. Doch kurz nach seiner Ankunft scheint es so, als ob die damaligen Ereignisse ihn und die Stadt erneut heimsuchen könnten.
Welcome to Candle Cove
Mike zieht es zurück in das Städtchen Iron Hill im US-Bundesstaat Ohio, denn die mysteriöse Kindersendung namens „Candle Cove“, die nur während der damaligen Morde auf Sendung war, ist wieder im Fernsehen.
Während des Abendessens mit vielen alten Bekannten, unter denen sich Mikes damaliger Schwarm Jessica (Natalie Brown), sein guter Freund Gary, der mittlerweile Sheriff des Städtchens ist, sowie deren Freundin Amy (Luisa D'Oliveira) befinden, lässt er die Verbindungen zu seiner Heimat wieder aufleben.
Gleichzeitig erleben wir in Flashbacks die gemeinsame Zeit mit seinem Zwillingsbruder im Alter von zwölf Jahren, kurz bevor es zu den dramatischen Ereignissen kam. Diese Vergangenheit scheint ihn einzuholen, denn Jessicas Tochter verschwindet spurlos und das gesamte Dorf gerät im Zuge der Suchaktion in Aufruhr.
Nach einer unheimlichen Begegnung im Wald ist es schließlich Mike, der das kleine Mädchen zur Erleichterung aller unversehrt findet. Candle Cove läuft jedoch weiter und zieht währenddessen weitere Kinder in seinen Bann. Mikes ursprüngliche Pläne, die kleine Stadt wieder zu verlassen, werden allerdings über den Haufen geworfen, denn ein Anruf seines eigentlich verstorbenen Zwillingsbruders, der ihm mitteilt, dass dies erst der Anfang ist, bringen ihn dazu, sich seinen Dämonen zu stellen.
Creepypasta
Channel Zero befindet sich in der kreativen Kontrolle von Autor Nick Antosca, der mit „The Forest“ bereits Erfahrung im Horror-Genre sammeln konnte und diese mit dem nächsten Remake von „Friday the 13th“, welches er ebenfalls zu Papier bringt, weiter vertiefen wird. Nun stellt sich die Frage, wie man an die Umsetzung einer Horrorgeschichte herangeht, die ihre Wurzeln im Internet trägt.
Das ist gelungen:
Statt uns mit wuchtigen Bildern zu überladen, setzt You Have to Go Inside auf subtilen Horror und einen allgegenwärtigen bedrohlichen Unterton. Das bedeutet allerdings nicht, dass es keine verstörenden Bilder zu sehen gibt. Im Gegenteil: Der erste Auftritt des mit jeder Menge extra Beißerchen bestückten Monsters ist zwar nur von sehr geringer Dauer, doch die Idee und die Gestaltung schaffen es auch in der kurzen Zeit, dem Zuschauer einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen.
Wer aufgrund der schwankenden Qualität von Syfy-Produktionen vor allem in Bezug auf das Budget billige Kulissen und dadurch Verlust von für Horror- und Mysteryserien essentieller Atmosphäre befürchtet, der kann sich freuen. Zwar ist die Optik aufgrund des Settings minimalistisch gehalten, jedoch kommt die erste Episode durch die gelungene Inszenierung und aufgrund der spannenden Geschichte problemlos ohne Opulenz aus, die auch gar nicht dazu passen würde.

Der Fokus, der durch die leise, aber gut eingesetzte Soundkulisse verstärkt wird, liegt eindeutig auf der unterschwelligen Bedrohung, die wären der Pilotfolge stets zu spüren ist. Die Schauspieler machen dabei bisher einen mehr als ordentlichen Eindruck, allen voran Paul Schneider, der seinen Charakter Mike Painter mit dem nötigen Feingefühl darstellt.
Gibt es auch Schwächen?
Nach der Staffelpremiere gibt es eigentlich nur kaum etwas an Channel Zero auszusetzen. Wen die düstere Stimmung allerdings noch nicht packt, der kann sicherlich argumentieren, dass in der Episode nur wenig Konkretes geschieht. Da die Serie als Anthologieformat ausgelegt ist und die erste Staffel nur sechs Episoden lang ist, bleibt tatsächlich nicht allzu viel Zeit, die Horrorschraube weiter aufzudrehen. Das wird eine der Hürden für kommende Folgen sein und es bleibt abzuwarten, ob die Internetgeschichten genug Material dafür liefern. Dementsprechend war es eine kluge Entscheidung, auf eine geringe Episodenanzahl zu setzen und den Stoff nicht unnötig in die Länge zu ziehen.
Fazit
You Have to Go Inside bietet dichte Atmosphäre, ein interessantes Mysterium und gute Darstellerleistungen. Channel Zero konzentriert sich zunächst auf subtilen Spannungsaufbau und möchte ein andauerndes Gefühl der Bedrohung und Angst schaffen - und ist mit den kurzen, aber Eindruck hinterlassenden Horroreinspielern auf einem guten Weg. Wen das schaurig-schöne Monsterdesign nicht zu sehr abschreckt, der darf ruhig einen Blick auf Candle Cove riskieren, denn Syfy könnte hier eine (un-)angenehm gruselige Überraschung gelingen. Das Potential dafür ist eindeutig vorhanden.
Der Trailer zur ersten Episode, „You Have to Go Inside“ (1x01), von „Channel Zero“: