Chad 1x01

© asim Pedrad (Mitte) ist Chad. (c) TBS
So wie sich Erwachsene an Silvester anlügen, dass sie dieses Jahr alles anders machen werden, spielen Schülerinnen oder Schüler dasselbe Spielchen zu Beginn des neuen Schuljahres (neue Mappenführung, neuer Look und neuer Freundeskreis). Die Trope der uncoolen Teenager, die nach den Sommerferien endlich beliebt sein wollen, ist die vielleicht häufigste im ganzen Highschool-Filmgenre, so wie Hollywood es über Jahrzehnte definiert hat.
Obwohl man nach jüngeren Serien wie Euphoria, Sex Education und Generation eigentlich vermuten konnte, dass langsam ein Paradigmenwechsel stattfindet. Mobbinggeschichten unter Gleichaltrigen wurden seltener, stattdessen wurden die Eltern und ihre verlogenen Moralvorstellungen zu den wahren Bösewichten. Eine ziemlich erfrische Perspektive, die auch gut zur aktuellen Klimadebatte passt. Die Jungen sitzen allesamt im selben Boot (das die Alten versenken).
In der neuen TBS-Serie Chad geht der Blick wieder zurück. Nasim Pedrad, die man aus „Saturday Night Live“ und Serien wie New Girl oder Mulaney kennt, macht hier einen auf PEN15 und spielt als 39-jährige Frau einen 14-jährigen Jungen (den titelgebenden Chad). Dabei ist es ihrer unangenehm starken Darbietung zu verdanken, dass die Coming-of-Age-Comedy trotz aller Klischees funktioniert. Wie gesagt werden vor allem Fans von Fremdschamhumor Gefallen am Format finden.
Worum geht's?
In Chad geht es um Chad, ein Vorname, der in der Meme-Kultur meist mit übergelten Haaren, einer verwöhnten Erziehung und wenig Respekt vor Frauen verbunden wird. Dabei ist unser Chad - oder der Chad, gespielt von Pedrad - ganz anders: ein schmächtiger, fast unsichtbarer Bursche aus einer persisch-amerikanischen Patchwork-Familie. Diesen Sommer ist er endlich seine Zahnspange losgeworden, was für ihn den Aufbruch in ein besseres Leben mit höherem Sozialstatus bedeutet. Da kann ihm nur noch seine nervöse und ungeschickte Art im Weg stehen.
Und tatsächlich marschiert Chad am ersten Schultag stolz von einem Fettnäpfchen zum nächsten. Selbst sein bester Freund Peter, besetzt mit dem tollen „Eighth Grade“-Absolventen Jake Ryan, sieht neben ihm aus wie der coolste Punk, obwohl er rational nicht mal einsehen würde, was es überhaupt nützt, cool zu sein (was ihn wahrscheinlich so cool macht). Cool ist zumindest nicht, wie Chad sich verzweifelt beim Schulhofplatzhirsch Reid (Thomas Barbusca) und seiner Gang anbiedert. Schlussendlich tut er das, was so viele andere Film- oder Serienfiguren in seiner Situation auch getan haben: Er lügt sich eine Geschichte zusammen, die ihn zum Star macht - und natürlich geht es dabei um Sex...

Eine Lüge führt zur nächsten und plötzlich findet sich Chad im Bett mit einem Mädchen wieder, das offensichtlich nicht zu durchschauen scheint, dass er eigentlich noch Jungfrau ist. Was zunächst wie eine lustige Szene aus „American Pie“ oder „Superbad“ aussieht, kippt schnell zu etwas Dramatischem. Chad ist einfach nicht bereit, Sex zu haben und kriegt fast eine Panikattacke, als er am Morgen danach aufwacht und denkt, er würde bald Vater. Klar weiß man, dass da sicher nichts gelaufen ist, aber zu sehen, wie der Junge so in Angst gerät, ist dann doch was Neues für das Genre.
Wie ist es?
Nicht ganz neu ist wie gesagt der Kniff, dass der Teenager in der Serie von einer Erwachsenen gespielt wird, wobei das eingangs erwähnte Beispiel PEN15 nicht zusätzlich auch noch einen Geschlechtertausch leistet. Pedrad spielt das Ganze phänomenal, sodass man ab und zu vergisst, dass Chad kein echter „angsty teen“ ist. Sie ist das beste Argument, um Chad zu schauen, zumal sie auch die Serienschöpferin und ebenso Showrunnerin ist. Die Regie übernimmt ihr „SNL“-Kollege Rhys Thomas.
Anerkennung verdient aber auch die Tatsache, dass der Kabelsender TBS bei Chad einer fiktiven Familie die Bühne bereitet, die im US-Fernsehen leider noch sehr unterrepräsentiert ist. Der Protagonist Chad selbst sieht sich zwar nicht als Muslim, doch die Kultur seiner Vorfahren ist muslimisch. Interessant übrigens, dass die Serie ursprünglich für den Sender FOX entwickelt wurde, der 2016 dann aber doch nicht mitzog. Dadurch ging mit United States of Al bei CBS erst kürzlich, aber eben fünf Jahre später die erste Comedy im amerikanischen Networkfernsehen mit muslimischer Hauptfigur an den Start...
Vielversprechend mit Blick auf die kommenden Episoden der zehnteiligen Auftaktstaffel von Chad wirkt nach der Pilotepisode vor allem die Mutter-Sohn-Beziehung von Chad und der von Saba Homayoon gespielten Naz. Sie ist nämlich noch sehr jung und sucht einen neuen Mann an ihrer Seite, der auch Chad unter seine Fittiche nehmen würde. Ansonsten ist da nur sein Onkel Hamid (Paul Chahidi), der mit im Haus lebt und ihm in Sachen „awkwardness“ Konkurrenz macht.
Schaut man auf die blanken Zahlen zur Serie scheint Chad einen Schattenexistenz als Kritikerliebling bevorzustehen. Bei Rotten Tomatoes stand die TBS-Comedy zum Start bei glatten hundert Prozent, wenngleich das Userrating nur ein Viertel davon erreicht. Beim Pilot schauten 710.000 Menschen zu, was einem Rating von immerhin 0.2 in der werberelevanten Zielgruppe entspricht. Hierzulande interessiert sich noch kein Sender für die Serie (TNT Comedy käme aber durchaus infrage).
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen TBS-Comedyserie Chad:
Verfasser: Bjarne Bock am Donnerstag, 8. April 2021Chad 1x01 Trailer
(Chad 1x01)
Schauspieler in der Episode Chad 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?