Cell 8 1x01

© Viaplay
Das passiert
Der junge Punk-Rocker John Frey (Freddie Wise) sitzt im Todestrakt eines GefĂ€ngnisses in Ohio, weil er vor einigen Jahren die Tochter des erzkonservativen Gouverneurs Edward Finnigan (Richard Lintern) ermordet haben soll. Doch die Sache stinkt zum Himmel, denn John liebte Elisabeth (Lily Dodsworth-Evans) und hĂ€tte ihr nie etwas angetan. FĂŒr Kommissarin Mariana Hermansson (Mimosa Willamo ist der Fall ein ganz persönliches Drama, denn John lebte zuvor bei ihr in Schweden und war mit ihr liiert. Ihre Ermittlungen verwickeln sie und ihren Kollegen Ewert Grens (Leonard Terfelt) in eine mysteriöse Geschichte, deren dĂŒstere HintergrĂŒnde nur schwer zu ermitteln sind und ihnen alles abverlangen.
Anmerkung
Der folgende Review bezieht sich auf die ersten zwei Folgen der schwedischen Thrillerserie „Roslund & Hellström“: Cell 8 beim Streamingdienst MagentaTV.
ErzÀhlebenen
Cell 8 erzĂ€hlt eine jener Geschichten, dessen QualitĂ€t sich nicht unbedingt sofort erschlieĂt und die sich anfangs schwer einschĂ€tzen lĂ€sst. Das mag daran liegen, dass die erste Folge den Plot auf drei zeitlichen Ebenen angeht und daher zunĂ€chst verwirrend ist. Allerdings stellt sich sehr schnell heraus, dass dieser Weg der einzig gehbare ist, um dem Publikum zu vermitteln, welches Schicksal die Hauptfigur John Frey erleidet.
Zu Beginn sitzt der junge Mann in der Todeszelle eines GefĂ€ngnisses in Ohio und erhĂ€lt gerade Besuch von Mariana, die zu Hause in Schweden eine Beziehung mit ihm hatte. So erfahren wir, dass etwas in der Vergangenheit von John grĂŒndlich schiefgelaufen ist, was spĂ€ter schwerwiegende Auswirkungen auf die Polizistin nach sich zieht. Doch was fĂŒhrte zu der bedrĂŒckenden Situation? Dieser Frage widmet sich zu groĂen Teilen die Pilotfolge, in dem sie zwischen zwei weiteren SchĂŒsselereignissen hin- und herpendelt.
Auf der einen Seite ist da Freys Beziehung zu Mariana, auf der anderen sein frĂŒheres Leben in den USA, das ihn in den Todestrakt fĂŒhrte. Die Serie zeichnet das Bild von einem Jungen aus Ă€rmlichen VerhĂ€ltnissen, der der Gesellschaft rebellisch gegenĂŒbersteht, im Grunde jedoch ein weiches Herz hat. Er versucht, seinen Weg als Musiker zu finden und sich ein Leben aufzubauen, scheitert aber immer wieder an seinen Fehlentscheidungen und an falschen Freunden. Als John Elisabeth kennenlernt, scheint sich sein Leben zum Guten zu wenden. Sie ist hĂŒbsch, klug und liebt ihn von Herzen. Lediglich ihr Vater, der ausgerechnet der erzkonservative Gouverneur von Ohio ist, könnte der Beziehung einen Strich durch die Rechnung machen. Bis hierhin geht die Folge noch in Ordnung, prĂ€sentiert sich aber auch nicht herausragend. Das mag am relativ langsamen ErzĂ€hltempo oder den erwĂ€hnten ErzĂ€hlebenen liegen, die oberflĂ€chlich betrachtet willkĂŒrlich zusammengeschnitten wirken könnten.
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Die Rache ist mein
Spannend wird es, als der Politiker nach seinem Wahlsieg nach Hause kommt und seine Tochter tot im Pool treibt. FĂŒr ihn ist klar, dass nur John, den er ohnehin von Anfang an nicht mochte, der TĂ€ter sein kann. Die Macher gewĂ€hren der Zuschauerschaft an dieser Stelle zwar keinen Wissensvorsprung, doch alles im Verhalten Johns sagt uns, dass er nicht der TĂ€ter sein kann. Er ist impulsiv und hat sich nicht immer unter Kontrolle, doch erweist sich als zĂ€rtlicher und liebevolle Partner, der Elisabeth niemals etwas zuleide hĂ€tte tun können.
Finnigan ist das jedoch egal, wie sich im zweiten Teil herausstellt. Er sinnt auf Rache und missbraucht seine Macht, um sie zu bekommen. SpĂ€testens hier packt einen die Story. Man leidet mit dem Protagonisten mit, der sich in Schweden ein neues Leben aufgebaut hat und mit Mariana glĂŒcklich war. Das nimmt jedoch ein jĂ€hes Ende, als er auf der FĂ€hre, auf der er als SĂ€nger arbeitet, eine Frau vor einem Grabscher beschĂŒtzt und ihn schlĂ€gt. Die Security will ihn daraufhin verhaften lassen und John sieht keinen anderen Ausweg als die Flucht.
Dramatik pur
Das wirkt umso dramatischer, weil der zweiten Vergangenheitsebene immer auch eine weitere in Form seines Aufenthalts in der Todeszelle per Parallelmontage entgegengestellt wird. Dies verdichtet den emotionalen Bezug zu den Figuren. Besonders eindrĂŒcklich ist eine Szene, in der es tatsĂ€chlich zu einer Hinrichtung kommt. Johns Nachbar ist ein glĂ€ubiger und bei HĂ€ftlingen und WĂ€rtern beliebter Mann, der eines Tages vom sichtlich betroffenen Schichtleiter Vern Eriksen (Leon Herbert) aus den Zellentrakt in den Hinrichtungsraum wie zur Schlachtbank gefĂŒhrt wird.
Hier verhandelt die Serie unverblĂŒmt das Ungleichgewicht zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, das dem schweren Thema innewohnt. Es ist natĂŒrlich unfassbar und nicht wiedergutzumachen, wenn ein Mensch einem anderen das Leben nimmt. Dennoch spielen immer auch Faktoren eine Rolle, die sich nicht sofort erschlieĂen. Ein Mörder mag seine Tat im Nachhinein bereuen und sein Leben zum Guten wenden, um BuĂe zu leisten. Ein anderer, wie John Frey in der Serie wartet vielleicht schuldlos auf die Todesspritze. Letztlich lĂ€uft alles darauf hinaus, dass man ein Unrecht nicht mit einem anderen vergelten kann, eine starke Erkenntnis.
In den letzten Minuten der zweiten Episode dreht sich alles um John und Marina. Sie erfÀhrt von ihren Kollegen, dass er einen gefÀlschten Pass hat und in Wirklichkeit ein zum Tode verurteilter Mörder ist. Mehr noch. Laut US-Akten ist er vier Jahre zuvor an einer Herzattacke gestorben, wenige Minuten, bevor er hingerichtet werden sollte. Von nun an ist die Geschichte so verworren, dass man unbedingt dranbleiben möchte, um herauszufinden, was da vor sich geht.
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Fazit
Wer ermordete Elisabeth? Wie entkam John aus dem Todestrakt? Wer stellte die Todesurkunde aus, besorgte ihm den gefĂ€lschten Pass und ermöglichte ihm ein neues Leben in Europa? Und last but not least: Was steckt hinter diesem offensichtlichen Komplott? Das sind nur einige Fragen, die es in Cell 8 zu beantworten gilt und denen man gerne mit den Hauptfiguren hinterherjagt. Die Story ist dĂŒster, schwermĂŒtig und mitreiĂend, Figurenzeichnung und Cast passen gut zusammen und die Inszenierung verlangt dem Publikum Aufmerksamkeit ab. Der einzige Wermutstropfen ist, dass sich all diese positiven Attribute erst ab Folge zwei vollends offenbaren, weil die DebĂŒtepisode bisweilen verwirrend anmutet. Wer der Story aber eine Chance gibt und auf Nordic-Noir steht, kommt hier auf seine Kosten. Vier von fĂŒnf Punkten.
Verfasser: Reinhard Prahl am Montag, 20. MĂ€rz 2023(Cell 8 1x01)
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?