Castlevania: Nocturne 1x08

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Castlevania: Nocturne
Castlevania zählt bis dato zu den besten Videospiel-Adaptionen, die auf dem Markt sind. In vier Staffeln wurde unter der Leitung von Warren Ellis großartiges geleistet, was vor allem für die charakterlichen Betrachtungen von einzelnen Figuren gilt, ob sie nun dem guten oder bösen Lager angehörten oder irgendwo dazwischen ihren Platz hatten. Mit Castlevania: Nocturne versucht Serienschöpfer Clive Bradley an diesen Erfolg anzuknüpfen und liefert mit der ersten Staffel, die seit dem 28. September 2023 auf Netflix zu sehen ist, schonmal gut ab. Erneut stehen die Figuren im Vordergrund, die in einer düsteren Zeit leben und über sich hinauswachsen müssen, um den Bedrohungen die Stirn zu bieten, die unsere Welt für sich haben wollen.
Die Hauptrolle hat Richter Belmont (Edward Bluemel), dessen Mutter Julia (Sophie Skelton) vom Vampir Olrox (Zahn McClarnon) vor seinen Augen getötet wurde. Richter lebt seitdem bei Tera (Nastassja Kinski) und deren Tochter Maria (Pixie Davies) in Frankreich, wo sich nun die Französische Revolution anbahnt beziehungsweise bereits im Gange ist. Maria unterstützt den Widerstand, der auf Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit setzt, während die blutsaugende Aristokratie (in diesem Fall mehr als eine Metapher) ihre Position nicht nur halten, sondern ausbauen will. So dauert es auch nicht lange, ehe die jüngste Versammlung von Vampiren angegriffen wird und die magiebegabte Maria sich zusammen mit dem peitschenschwingenden Vampirjäger Richter zur Wehr setzt.
Sie erfahren von einem „Vampir-Messiah“, der den Blutsaugern zu einer ewigen Nacht verhelfen soll und werden kurz darauf von Kreaturen angegriffen, die uns aus der Mutterserie noch bekannt sind. Unterstützung erhält unser Duo von Annette (Thuso Mbedu) und Edouard (Sydney James Harcourt), die von Übersee angereist und der Sklaverei entflohen sind. Auch den ortsansässigen Abt (Richard Dormer) bitten sie um Hilfe, wenngleich dessen Ziele zunächst undurchsichtig bleiben und uns noch einige Überraschungen liefern sollen.
Das Böse formiert sich jedenfalls und die Ankunft von Drolta Tzuentes (Elarica Johnson) ist nur ein kleiner Teil der Bedrohung, die sich schließlich in Form von Erzsebet Bathory (Franka Potente) präsentieren soll - dem großen Staffel- oder gar Seriengegner von Castlevania: Nocturne. Aber auch Olrox sehen wir nicht nur in den Eröffnungsszenen. Wer auf altbekannte Gesichter beziehungsweise Stimmen hofft, muss übrigens bis zum Ende der Staffel durchhalten oder auch genießen. Denn da erfolgt ein Gastauftritt, der dem an sich sehr düsteren Ende der Staffel eine gute Portion Hoffnung gibt.
Castlevania vs. Castlevania: Nocturne
Die Überschrift soll keineswegs einen Wettbewerb suggerieren, denn der ist ganz gewiss nicht nötig, wenn es um die beiden Serien geht. Ich möchte hier lediglich anmerken, was die eine Reihe vielleicht besser als die andere macht oder umgekehrt. Denn gewisse Unterschiede sind zu spüren und die betreffen nicht nur den unterschiedlichen Stil der Animation, die in der neuen Serie etwas anders gestaltet wird und mitunter auch etwas weniger grausige Kills liefert (die aber trotzdem vorhanden sind).

Oben weiter sprach ich beispielsweise von „in diesem Fall mehr als eine Metapher“ und das ist korrekt, weil Leute wie der Marquis (Jonathan Roumie) in dieser Serie tatsächlich Vampire sind und nichts Gutes im Schilde führen - womit der Serie eine Meta-Ebene gegeben wird, die in meinen Augen ein wenig besser funktioniert als bei Dracula (Graham McTavish). Dieser ist rein bedrohungstechnisch zwar mythologisch ein äußerst guter Gegner, aber hat geschichtlich doch einen weniger großen Fuß als es hier mit Madame Bathory beziehungsweise Sachmet (engl.: Sekhmet) und der Französischen Revolution der Fall ist. Der erhöhte Zugriff auf historische Figuren und Ereignisse hat mir jedenfalls gefallen und gibt Castlevania: Nocturne ein wenig mehr als der Vorgänger-Reihe.
Auf der anderen Seite - und das ist jetzt nicht unbedingt ein Negativ-Punkt für „Nocturne“ - waren Trevor (Richard Armitage), Sypha (Alejandra Reynoso) und Alucard (James Callis) zum Beginn von Castlevania nicht direkt greifbar, sondern mussten sich erst über längere Zeit etablieren, um uns abzuholen. Wir sind damals als Zuschauer zusammen mit den Figuren gewachsen beziehungsweise sind sie uns über den Verlauf der Serie ans Herz gewachsen, denn keiner der drei war auf Anhieb sympathisch. Clive Bradley überspringt diesen Schritt fast komplett, denn bei den neuen Protagonisten fällt es weniger schwer, von Beginn an mit ihnen mitzufiebern, auch wenn Richter bei der Versammlung noch etwas Gleichgültigkeit an den Tag legt.
Der gravierendste Unterschied dürfte aber sein, dass die erste Staffel von „Nocturne“ keinen glücklichen Abschluss bietet, während es zuvor üblich war, dass unsere Helden jede Staffel mit einem Sieg abschließen durften. Das zeugt von einer gewissen Selbstsicherheit der neuen Macher, die hoffentlich mit weiteren Staffeln belohnt wird, aber eben auch die Gefahr birgt, den Zuschauer im Negativ-Fall hängen zu lassen.
Eine düstere Stimmung
Der gerade angesprochene letzte Punkt sorgt aber auch dafür, dass wir mit dem neuen Trio, welches aus Richter, Maria und Annette besteht, jederzeit mitbangen können und hoffen, dass sie doch irgendwie in der Lage sind, die Welt zu retten. Tragische Ereignisse umwittern unsere Protagonisten dabei und machen neugierig auf den weiteren, persönlichen Verlauf jeder Figur. Kann ein Richter Belmont beispielsweise mit Olrox zusammenarbeiten, wenn dieser zwar heimlich gegen Bathory ausgerichtet ist, aber Richters Mutter getötet hat? Wie sieht die weitere Rolle vom Abt aus, der als „Forgemaster“ fungiert und sich als Marias Vater entpuppt, der bereit war, seine Tochter zu opfern und dafür verantwortlich ist, dass ihre Mutter Tera zu einem Vampir wird? Weiter gefragt, dürfte Teras zukünftige Gesinnung interessant werden und vor allem auch, wie Maria mit ihren Eltern umgeht. Für Annette bleibt derweil Edouard, der zu einer Kreatur der Nacht wurde, aber sich seines früheren Lebens bewusst ist, ein interessanter Ansatzpunkt für weitere Entwicklungen.

Wie gesagt, bestimmen tragische Ereignisse (durch Monster) die weitere Entwicklung unserer Hauptfiguren und machen neugierig auf mehr. Dazu kommt aber noch, dass jeder der sehr gut inszenierten Kämpfe nicht automatisch mit einem Sieg daherkommt. Im Gegenteil, regelmäßig sieht es aussichtslos für unsere Helden aus, die auch im Staffelfinale mehrere Niederlagen einstecken müssen. So erscheint Erzsebet unbesiegbar und leitet die (ewige?) Mondfinsternis ein, die Maschine des „Forgemasters“ kann nicht zur Hölle geschickt werden und selbst bei Drolta führt erst der Gastauftritt von Alucard zu einem Hoffnungsschimmer. Aber auch zuvor wird deutlich gemacht, dass der Kampf unserer Protagonisten für eine bessere Welt nicht einfach wird, denn bereits beim ersten Auftritt der Kreaturen der Nacht sind Richter und Maria auf die Hilfe von Annette und Edouard angewiesen. Ferner gelingt es Richter erst später, seine magischen Fähigkeiten, die er als Kind einmal hatte, wieder zu reaktivieren und sich aus einer misslichen Lage zu befreien - nur, um wieder etwas später zu erkennen, dass diese ihm beim Kampf gegen Erzsebet auch nicht helfen.
Von daher bin ich sehr gespannt auf die nächste Staffel, die hoffentlich kommt und hoffentlich wieder etwas Licht in diese düstere Geschichte bringt. Denn vielleicht gibt es neben Alucard noch weitere Ressourcen, auf die unsere Helden zurückgreifen können. Vielleicht sind weder Edouard noch Tera verloren und vielleicht entdeckt selbst der Abt, dass er sich mit den falschen Leuten verbündet hat. Abwarten.

Fazit
Castlevania: Nocturne legt einen mindestens guten Start hin und bietet kaum Anlass zur Kritik. Vielleicht gibt es weniger Handlungsbögen als zuvor und die Protagonisten sind direkt greifbarer als beim Vorgänger. Aber das schmälert dieses größtenteils tragische Erlebnis nur wenig, welches extrem neugierig auf die zweite Staffel macht, die hoffentlich bestellt wird. Von mir gibt es vier von fünf Sternen für die erste Staffel. Und von Euch?
Castlevania: Nocturne Trailer zur Animationsserie
Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 3. Oktober 2023(Castlevania: Nocturne 1x08)
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