Castle 6x16

Das passiert in der Castle-Episode Room 147:
Obwohl Alexis (Molly C. Quinn) nicht mehr mit ihrem Freund zusammen ist und sie bis zur Erschöpfung arbeitet, um ihre Miete bezahlen zu können, will sie nicht nach Hause zu ihrem Vater zurückkehren. Rick (Nathan Fillion) vermutet, dass es dafür irgendeinen triftigen Grund geben muss. Kate (Stana Katic) fürchtet, dass sie dieser Grund sein könnte. Doch bleibt kaum Zeit, sich näher mit dieser Frage zu beschäftigen. Denn natürlich wartet schon der nächste Mordfall auf Castle und Beckett.
Ein erfolgloser Schauspieler ist in seinem Hotelzimmer erschossen worden. Zeugen haben beobachtet, dass er kurz davor von einer Frau in ein Gespräch verwickelt worden ist, das ihn sehr beunruhigt hat. Die Polizei findet besagte Frau, Anita (Alexie Gilmore), auch sehr schnell. Und diese legt umgehend ein detailiertes Geständnis ab. Der Fall scheint abgeschlossen. Dumm nur, dass Esposito (Jon Huertas) herausfindet, dass Anita ein bombenfestes Alibi hat. Sie kann unmöglich den Mord verübt haben.
Aber warum legt sie dann das Geständnis ab? Und wieso kann sie die Tat in allen Einzelheiten beschreiben? Als wäre das nicht schon kompliziert genug, taucht wenig später Sam (Drew Powell, The Mentalist) auf dem Revier auf - und bezichtigt sich ebenfalls des Mordes. Innerhalb nur eines Tages kommen Castle und Beckett auf nicht weniger als drei Geständige, welche den Mord jedoch nicht verübt haben können - und welche auch scheinbar keinerlei Verbindung untereinander haben, außer dass sie alle drei nicht wirklich in der Lage sind zu erklären, warum sie die Tat denn überhaupt verübt haben...
Eine harte Nuss
Mit Smells Like Teen Spirit, der Episode der Vorwoche, ist Castle ganz in seinem Element gewesen. Und im Grunde setzt sich das in dieser Woche mit Room 147 nahtlos fort. Auch wenn die Caskett-Momente diesmal deutlich weniger sind.
Im Zentrum der Episode steht ein ausgeklügelter Fall, welcher Beckett fast zur Verzweiflung treibt und für den selbst Castle nur mit allergrößten Mühen eine crazy theory findet. Zwar kann man als Zuschauer relativ schnell vermuten, dass die Erinnerungen der Geständigen irgendwie manipuliert worden sind (ich dachte dabei zwischendurch immer mal wieder an Hypnose, aber eine medikamentös induzierte Manipulation ist als Lösung natürlich auch nicht schlecht). Trotzdem bereitet es sagenhaft großen Spaß, Castle und Beckett dabei zuzuschauen, wie sie sich an dieser harten Nuss abarbeiten, welche das Paranormale streift (samt „Inception“-Referenz), ohne dabei jedoch all zu schweres SciFi-/Fantasy-Geschütz aufzufahren.
Ein merkwürdiger Racheplan
Die Auflösung des Falles ist sicherlich etwas an den Haaren herbeigezogen: Um sich an der Psycho-Organisation zu rächen, welche den Tod ihres Bruders verschuldet hat, ermordet die Täterin einen Schauspieler, der für den Verein tätig gewesen ist - in der Hoffnung, dass dadurch das Treiben der Organisation auffliegt? Für einen Racheplan klingt das etwas verworren. Aber gut, manchmal ist halt der Weg das Ziel. Oder wie in diesem Falle: der Spaß daran zu sehen, wie sich Castle und Beckett fast die Zähne an dem Fall ausbeißen, ist größer, als der an der schlussendlichen Auflösung.
Alexis
Der Alexis-Nebenstrang weckte zunächst große Befürchtungen, dass die Autoren versuchen könnten, die von vornherein ziemlich unsinnigen Animositäten von Castles Tochter gegen ihre künftige Stiefmama aus der ersten Staffelhälfte wiederaufflammen zu lassen. Zum Glück hielt man sich davon fern - und zeigte stattdessen Kate, die fast mehr wie eine große Schwester Alexis mit Rat zur Seite steht, was am Ende der Folge in einen ungemein süßen Familienmoment kulminiert, als Rick seine Tochter in die Arme schließt und sie dabei Beckett anschaut und ihr ein stilles Dankeschön ausspricht. Hach!
Dieser Moment ist so schön, dass man die generelle Fragwürdigkeit des Plots glatt übersehen kann. Was um alles in der Welt ist bloß so schlimm daran, dass Alexis ihre Selbstständigkeit sucht? Überall wird in den Medien beklagt, dass die jungen Menschen heutzutage eine Generation von Nesthockern sind. Nur in Castle wird dem sogar noch Vorschub geleistet: „Ach, Alexis, Du bist zwar eigentlich schon eine erwachsene Frau. Aber weißt Du was? Komm Du zu Papa (und Mama)!“ Natürlich kann ich verstehen, was die Autoren dabei antreibt: Sie müssen Alexis nach Hause holen. Andernfalls hätten sie für die Figur schlicht keine Verwendung mehr (zumindest keine, die über einen wiederkehrenden Gaststar hinausginge).
Fazit
Ein schön komplizierter Fall, an dem Castle und Beckett ordentlich zu knabbern haben. Und dazu ein zu Herzen gehendes Zusammenwachsen der Familie Castle/Beckett. Da sieht man dann auch über manch kleinere Ungereimtheit hinweg.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 25. Februar 2014Castle 6x16 Trailer
(Castle 6x16)
Schauspieler in der Episode Castle 6x16
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