Castle 6x10

Castle 6x10

Mit The Good, The Bad & The Baby bringt Castle das Publikum schon mal in Festtagsstimmung. Ein Mord, ein Baby und ein herzerweichender Dialog in der Mülltonne sind alles, was man dazu braucht.

Strahlend: Castle (Nathan Fillion) mit Baby auf dem Arm. / (c) ABC
Strahlend: Castle (Nathan Fillion) mit Baby auf dem Arm. / (c) ABC

How long have I been gone?“ (Alexis staunt nicht schlecht, ihren Vater, ihre Oma und Beckett auf einmal mit einem Baby zu sehen...)

Das passiert in der Castle-Folge The Good, The Bad & The Baby:

Die Vorbereitungen für Thanksgiving im Hause Castle laufen auf Hochtouren, wobei Richard (Nathan Fillion) seiner Verlobten Kate (Stana Katic) im Scherz ein paar völlig falsche Vorstellungen davon vermittelt, wie Thanksgiving bei ihm in der Familie gefeiert wird. Da werden die beiden allerdings auch schon zu ihrem nächsten Fall gerufen.

Cameron Ducane, ein Miet-Chauffeur, ist erschossen worden. Bevor er gestorben ist, hat er sich jedoch noch in eine Kirche schleppen können - und dem Priester ein Bündel übergeben. Bei diesem Bündel handelt es sich um ein Baby. Schnell steht fest, dass es nicht das Kind des Mordopfers ist. Und so stehen Castle und Beckett nun vor der Aufgabe, nicht nur den Mörder zu finden, sondern auch das Zuhause des kleinen Jungen.

Castle liebt es, sich um das Baby kümmern zu können. Er spielt seine Vaterqualitäten voll aus. Und sieht mit einer gewissen Sorge, dass Beckett mit dem süßen Fratz deutlich weniger anfangen kann. Zunächst jedenfalls...

Keine Originalitätspunkte

Um eines gleich vorweg zu sagen: Ja, der Einfall, den Hauptfiguren ein Baby in die Hand zu drücken und zu schauen, wie sie damit klar kommen, gerade wenn die Hauptfiguren ein Paar sind, ist so etwas von nicht neu, dass man wahrscheinlich die Serien mit der Lupe suchen muss, in denen so etwas in der Art nicht schon mal der Plot gewesen ist. Originalitätspunkte kann Castle mit The Good, The Bad & The Baby also auf keinen Fall sammeln.

Aber darum geht es auch gar nicht. Es ist eine Feiertagsfolge, die vor allem eines sein will: leichte, humorvolle Unterhaltung, die es einem warm ums Herz werden lässt. Und dafür spielt es keine Rolle, dass der Plot schon so alt ist, dass er mit einem Weihnachtsmann-Bart daherkommt. Er ist im erzählerischen Rahmen von Castle gut umgesetzt. Und das ist das einzige, worauf es ankommt.

Ryans Vatersorgen

Vor allem deshalb, weil man das Baby eben nicht nur dafür benutzt, um Caskett als Paar in Szene zu setzen, sondern auch Ryan (Seamus Dever) mit ins Boot holt. Dessen Frau ist, wie wir wissen hochschwanger, in einem Monat steht der Nachwuchs ins Haus (da in der Serie gerade Thanksgiving ist, kann man Ryan sogar mit einem echten Christkind rechnen!), und Ryan fühlt sich noch total unvorbereitet. Was sich noch dadurch verschlimmert, dass Baby Cosmo ständig zu weinen anfängt, sobald Ryan ihn auf den Arm nimmt.

Seine Unsicherheit, ob er ein guter Vater sein wird, sorgt außerdem noch für eine herzerwärmende Szene mit Espo (Jon Huertas), in der dieser ihm anvertraut, dass allein seine Sorge ihn zu einem hundertmal besseren Vater macht als Espos.

Das Baby in der Handlung sorgt für eine Interaktion der Charaktere, wie es sie sonst nicht so ohne weiteres gegeben hätte. Zugleich ist es natürlich für viele komische Momente gut, etwa den Umstand, dass fast alle auf dem Revier durch das Baby ihre weiche, mütterliche/väterliche Seite entdecken, sogar Gates (Penny Johnson Jerald). Lanie (Tamala Jones) verfällt während ihres Berichts geradezu in melodischen Singsang. Nur Beckett und Espo können dem Kleinen zunächst nichts abgewinnen.

Muttergefühle

Was man an The Good, The Bad & The Baby außerdem sehr schön ablesen kann, ist der Wandel der Zeit. Den Rezensenten hat sie beim Anschauen vor allem an eine Episode („Steele Knuckles and Glass Jaws“) von Remington Steele erinnert, in der Laura (Stephanie Zimbalist) und Steele (Pierce Brosnan) sich um ein Baby kümmern müssen (welches übrigens ebenfalls von einem Mordopfer angeliefert wurde), nur dass es vom emotionalen Kern der Folge her, eher darum ging zu zeigen, dass der Schwindler und Tunichtgut Steele ein guter, verlässlicher Vater sein könnte. In Castle sind die Geschlechterrollen vertauscht: Rick, der die meiste Zeit über ein alleinerziehender Vater gewesen ist, ist vielleicht nicht der Babyflüsterer, aber er hat das Kinder- und Babyzeug natürlich immer noch gut drauf. Kate, die selbständige, berufstätige Frau, versucht dagegen, erst einmal Distanz zu Cosmos zu halten.

Die Frage, die sich Castle damit stellt, lautet deshalb: Wäre Kate eine gute Mutter? Die Antwort darauf lautet natürlich - spätestens nachdem sie Cosmo nach dem Wickeln lächelnd auf den Arm genommen hat und Castle beim romantischen Zusammen-in-der-Mülltonne-Wühlen versichert, ihn nicht mit ihren späteren Kindern allein zu lassen - ganz eindeutig Ja. Das sind auch die Momente, wo es dem Zuschauer richtig warm ums Herz wird.

Jackpot

Der Fall-der-Woche selbst wiederum profitiert davon, dass er nicht nur über das Baby eine Verbindung zur persönlichen Story der Hauptfiguren aufweist, sondern über Ryans Sorge für die finanzielle Sicherheit seiner Familie und den daraus resultierenden Lotto-Wahn auch noch eine zweite Anbindung, welche letztlich sogar zur Auflösung des Falles beiträgst.

Die Szene, in der Castle die Lottozahlen vorhersagt, ist schon sehr cool (wobei sich zumindest der Rezensent gefragt hat, wie die Manipulation vonstatten gehen konnte, dass Castle sogar die richtige Reihenfolge der Zahlen nennt... egal, mit solchen Kleinigkeiten wollen wir uns nicht beschäftigen).

Thanksgiving

Das Verhältnis von Castle und Alexis sowie Castle und Pi scheint sich normalisiert zu haben; jedenfalls so weit, dass alle gemeinsam zum Thanksgiving-Essen zusammenkommen, was ja auch schon mal sehr schön zu sehen ist.

Fazit

Ich komme immer wieder bei der Beschreibung auf „warm“ und „Herz“ zurück. The Good, The Bad & The Baby ist warmherzige Unterhaltung. Vielleicht kein Glanzlicht der Serie, dafür ist die Grundidee einfach schon zu oft verwendet worden, aber doch eine vergnügliche Dreiviertelstunde. Allein schon wegen der Inszenierung des Windelwechselns als Actionszene!

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 26. November 2013

Castle 6x10 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 10
(Castle 6x10)
Deutscher Titel der Episode
Der Gute, die Bösen und das Baby
Titel der Episode im Original
The Good, The Bad & The Baby
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 25. November 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 7. März 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Dienstag, 30. August 2016
Autor
Terri Edda Miller
Regisseur
John Terlesky

Schauspieler in der Episode Castle 6x10

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