
The Carrie Diaries basiert ebenso wie die erfolgreiche Comedy Sex and the City (1998-2001) auf den Büchern von Candace Bushnell. Die Prequelserie beschäftigt sich dabei jedoch mit der Jugend der späteren New Yorker Sexkolumnistin Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker). Da die neue Serie zudem den Sendeplatz von Gossip Girl (2007-2012) übernommen hat, bleiben auch Vergleiche dazu nicht aus. Hinter den „Carrie Diaries“ steht erneut das „Gossip Girl“-Duo Josh Schwartz und Stephanie Savage, die gemeinsam mit Candace Bushnell und Amy B. Harris als ausführende Produzenten fungieren. Harris (Sex and the City, Gossip Girl) verfasste das Drehbuch zum Pilot.
Die Pilotepisode stellt dem Zuschauer eine junge und noch etwas unbedarfte Version der beliebten und von Fans für ihre Offenheit bewunderten Carrie aus der Originalserie vor.
No Sex in the Suburbs
Die Serie beginnt mit einer Traumsequenz - die junge Carrie (AnnaSophia Robb) spaziert durch New York und gehört einfach dazu. Doch das Weckerklingeln holt sie in die Realität zurück. Der erste Schultag nach den Sommerferien steht an und die 16-jährige Carrie ist nun im vorletzten Schuljahr angelangt.
Genau wie in der Mutterserie „Sex and the City“ werden auch in „The Carrie Diaries“ die Erlebnisse von Carrie Bradshaw durch sie in einem Voiceover kommentiert. Wir erfahren so, dass sie im Jahr 1984 in Castlebury, Connecticut lebt, Autorin werden will und erst vor drei Monaten ihre Mutter durch Krebs verloren hat.
Einen morgendlichen Streit mit ihrer 14-jährigen Schwester Dorrit (Stefania Owen) um eine verschwundene Tasche ihrer Mutter und Dorrits Besitz von Pot versucht ein offenbar überforderter Vater (Matt Letscher) zu schlichten.
Schnell wird klar, dass die Familie den kürzlichen Tod der Mutter noch nicht annähernd überwunden hat. So fühlt Carrie sich beim Betreten der Schule auch als von allen Seiten beobachteter Freak, der keine Mutter mehr hat. Doch neben falsch-freundlichen Worten der Schulschönheit Donna LaDonna (Chloe Bridges) kann Carrie zum Glück auf ihre wahren Freunde zählen. Mouse (Ellen Wong), Maggie (Katie Findlay) und deren Freund Walt (Brendan Dooling) bilden trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere eine eingeschworene Gemeinschaft. Und natürlich drehen sich die Gespräche der Mädchen wie in „Sex and the City“, aber eben auch an jeder Oberschule weltweit, um Liebe und Sex.
Doch The CW ist nicht HBO und Carrie ist noch nicht einmal volljährig, also geht es hier ganz unschuldig eher um das erste Mal überhaupt und nicht um das erste Mal mit einem neuen Mann.
Wie sich herausstellt, ist Carrie unter ihren Freundinnen die einzige, die ihre Unschuld noch nicht verloren hat. Wehmütig stellt sie fest, dass ihre Freundinnen erwachsen geworden sind, während sie den Sommer über trauerte.
The New Kydd
Aufregung unter den Schülerinnen der Castlebury High macht sich breit, als ein neuer Schüler auftaucht. Der blendend aussehende Sebastian Kydd (Austin Butler) flog bereits von drei Internaten und verblüfft alle, indem er Carrie persönlich sein Beileid ausspricht und klar wird, dass sie den Mädchenschwarm schon kennt. Im Jahr zuvor lernten sich beide im Schwimmbad kennen und Carrie erlebte mit ihm einen unvergesslichen ersten Kuss. Nachdem Sebastian einen eigenen Pool zu Hause bekam, sah sie ihn nie wieder.
Nun sucht der neue Schüler offenbar wieder Kontakt zu Carrie und es kommt zu einigen Gesprächen zwischen ihnen. Sebastian steht gerade neben ihr, als Carrie ihren Vater in der Schule sieht und von den schrecklichen Erinnerungen an den Tag, als ihre Mutter starb, heimgesucht wird. Sie bricht ohnmächtig zusammen und Sebastian will helfen, wird jedoch von ihrem Vater weggeschoben.
Doch dieses Mal hat Carries Vater Tom gute Nachrichten für seine verstörte Tochter: Er hat ihr ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei in Manhattan besorgt, wo sie an einem Tag in der Woche eine Auszeit von Castlebury haben soll.
Als die aufgeregte Carrie ihr Outfit für ihren ersten Arbeitstag zusammenstellen will, gibt es erneut mit Dorrit Streit um die noch immer verschwundene Tasche der Mutter. Als Carrie die Tasche schließlich findet, ist sie mit Nagellack verschmiert. Um die Tasche doch noch benutzen zu können, verschönert Carrie sie wie ein Action-Paintig mit verschiedenen grellen Nagellacken und schreibt in Pink ihren Namen darauf.
Manhattan Is Mine
Als die frischgebackene Praktikantin in der Mittagspause eine neue Strumpfhose kaufen will, ist sie überwältigt von der Auswahl an Mode im Kaufhaus. Carrie Bradshaw erkennt hier erstmals, dass man sich anhand seiner Kleidung ganz neu erfinden kann. Im Kaufhaus lernt sie die Britin Larissa Loughlin (Freema Agyeman) kennen, die von Carries Tasche begeistert ist. Nachdem Carrie erst fürchtet, Larissa wolle ihre Tasche stehlen, ist sie ganz aus dem Häuschen, dass ihre neue Bekannte für Interview-Magazine arbeitet und die Tasche in einem Fotoshoot haben will. Als Larissa Carrie für den Abend einlädt, erfindet Carrie sich kurzerhand neu und verschweigt, dass sie den sechs-Uhr-Zug nach Castlebury nehmen muss.
Für einen ausschweifenden Abend mit Larissa und ihren hippen Freunden - natürlich allesamt Künstler und Designer - lässt Carrie sogar die Möglichkeit eines Dates mit ihrem Schwarm Sebastian sausen. Rivalin Donna LaDonna nutzt Carries Abwesenheit sogleich aus, um Sebastian um den Finger zu wickeln. Als die durch ihr Manhattan-Abenteuer gereifte Carrie die beiden nach ihrer Rückkehr nach Castlebury gemeinsam sieht, bleibt sie überraschend gelassen.
Nach ihrem ereignisreichen Tag kommt Carrie nach Hause, wo Dorrit vermisst wird. Sie kommt am nächsten Morgen ohne große Erklärungen zurück und Carrie versucht, ihr klarzumachen, dass sie es satt hat, die sorgende Mutterrolle für ihre Schwester zu übernehmen. Außerdem gibt ihr Vater zu, wie überfordert er ist.
In den Schlussszenen des Piloten packen Carrie, Dorrit und ihr Vater gemeinsam die Sachen der Mutter zusammen. Schließlich ist kurz Maggie zu sehen, wie sie statt Walt einen Cop küsst. Sebastian kommt ins Schwimmbad und Carrie und er albern herum. Carrie bekommt von ihrem Vater leere Notizbücher ihrer Mutter. Sie freut sich darauf, beim Schreiben ihre eigene Stimme zu finden. In der letzten Einstellung ist sie durchs Fenster zu sehen... und schreibt.
Fazit
Die Pilotepisode ist durchaus gelungen, doch es besteht noch Potential nach oben. Im Gegensatz zu „Sex and the City“ strebt „The Carrie Diaries“ gar nicht an, eine Comedy sein zu wollen. Neben lockeren Sprüchen unter Freunden und dem Flirt mit Sebastian bietet die erste Episode viele nachdenkliche Szenen. So sind es die ernsten Töne des Piloten, die hängen bleiben. Die Bewältigung der Trauer um die geliebte Mutter wird sich wohl wie ein roter Faden durch die kommenden Episoden ziehen. Es bleibt abzuwarten, wie The Carrie Diaries den Spagat zwischen dem Kleinstadtleben einer Schülerin und den Szenen im wilden New York schaffen wird. Die Momente in Carries Zuhause sind eindeutig intensiver, während das bisherige Abenteuer in Manhattan Carrie naiv und oberflächlich wirken lässt.
Vieles hat die neue Teenagerserie gut gemacht. Carries Freunde sind sympathisch und bieten Potential für eigene Storylines. Carries Vater ist sehr liebenswert dargestellt, der sich unbeholfen mit seiner neuen Situation als alleinerziehender Witwer auseinandersetzt. Auch die Geschichte um die traurig-rebellische Dorrit wirkt realistisch und kann sicher weiter ausgebaut werden. Der Charakter des schillernden Paradiesvogels Larissa passt am wenigsten in die Serie. In der literarischen Vorlage von Bushnell existiert diese Mentorin sowie gesamte New Yorker Storyline übrigens gar nicht. Larissa wirkt einfach zu bemüht weltoffen und allwissend. Dass sich die coole Styleredakteurin einem fremden Mädchen in einem Kaufhaus derart annimmt und ihr sogar ein Kleid schickt, ist wirklich sehr an den Haaren herbeigezogen.
Die Serie legt viel Wert auf die Ausstattung der achtziger Jahre. Dabei ist die Inneneinrichtung des Sets mit witzigen Gegenständen wie dem Mickey-Mouse-Telefon, dem obligatorischen Zauberwürfel und den Cabbage-Patch-Puppen durchaus gelungen. Doch die Kleidung der Darsteller ist zwar poppig bunt, stammt aber ganz offensichtlich nicht aus einem 30 Jahre alten Kostümfundus. Viel mehr sind es wohl schrille Exemplare aus der Teenagerabteilung sämtlicher aktueller 80's-inspirierter Kollektionen führender Modeketten. Mut zur Hässlichkeit würde die Serie wesentlich authentischer wirken lassen, als wenn sie sich nur die mittlerweile wieder angesagten Teile herauspickt.
Ja, „The Carrie Diaries“ übernimmt die Protagonistin aus „Sex and the City“ und soll zeigen, wie einst alles begann. Trotzdem besteht durchaus die Chance, dass sich die neue Serie in eine komplett eigene Richtung entwickeln wird und sich so eine neue Fangemeinde schafft. Neben den wenigen grundlegenden Gemeinsamkeiten zwischen der alten und der neuen Carrie, wie der Bedeutung von Freundschaft, dem Spaß am aufregenden Leben in Manhattan und der Liebe zum Schreiben, ist „The Carrie Diaries“ einfach eine Jugendserie. Das frühere Publikum von „Sex and the City“ ist sicher nicht die Zielgruppe der „Carrie Diaries“ aber vielleicht deren jüngere Schwestern und Töchter, die The Carrie Diaries einfach nur als eine neue Serie über ein junges Mädchen in einer längst vergangenen Stilepoche annehmen und lieben lernen.