Carol's Second Act: Review der Pilotepisode

© arol's Second Act (c) CBS
Nachdem Patricia Heaton jahrelang in The Middle als schlagfertige Mutter begeistert hat, fühlt es sich irgendwie folgerichtig an, dass sie als eine charakterlich ähnlich veranlagte Figur in der Sitcom Carol's Second Act in eine zweite Karriere startet. Doch reicht ihr Charme um die Story zu tragen oder haben auch die anderen Figuren viel beizutragen?
Worum es geht
Caleb (Lucas Neff, Raising Hope), Daniel (Jean-Luc Bilodeau) und Lexie (Sabrina Jalees) warten gespannt auf ihren ersten Tag als Ärzte im Krankenhaus, genauer gesagt als Praktikanten, die sich unter der Aufsicht und Anleitung einer erfahrenen Ärztin im Klinikalltag beweisen müssen. Doch wie wird die Frau sein, die maßgeblich über den Fortgang ihrer Karriere entscheiden wird? Der erste Gag der Serie geht natürlich auf Kosten des Alters der Protagonistin, denn die drei Jungspunde halten Carol natürlich aufgrund ihres Alters für die Ärztin, was zu einer minutenlangen Verwechslung führt. Carol plappert fröhlich daher, ohne mitzubekommen, dass die anderen sie für jemand anders halten. Immerhin gibt uns die unübliche Vorstellungsrunde Gelegenheit, alle kennen zu lernen. Am wichtigsten: Carol, gescheiterte Ehe, zwei Kinder, erfolgreiche Lehrerinnenkarriere, ist auf dem Weg, sich ihren Lebenstraum zu erfüllen, nämlich doch noch Ärztin zu werden.
Ganz anders die wahre Ausbildungsärztin Dr. Maya Jacobs (Ito Aghayere), für die Disziplin und Hierarchie im Mittelpunkt stehen. Das lässt sich mit Carols Herzlichkeit und Plapperroutine nur schwer vereinbaren.
Die erste Runde an den Krankenbetten läuft dementsprechend katastrophal. Carol redet ungebeten rein, kümmert sich jedoch auch mehr um die Patienten als aufgetragen.
Nach der zweiminütigen Mittagspause bringt ihr das die Aufgabe ein, Stuhlproben zu sammeln während die anderen drei Neu-Ärzte eigene Patienten versorgen dürfen.
Doch ausgerechnet der Patient von Harvard-Absolvent Daniel bittet Carol mit ihrer einfühlsamen Art um Hilfe. Die gewährt sie trotz Verbots und das führt irgendwie dazu, dass sie in der Dusche des Patientenzimmers den Alarm auslöst, woraufhin sich die gefühlt gesamte Belegschaft der Station eben dort einfindet. Natürlich inklusive einer wenig amüsierten Dr. Jacobs.
Während Carol anschließend strikt versucht, in ihrer eigenen Spur zu bleiben, benötigt ausgerechnet Daniel ihre Hilfe. Die Testergebnisse sind schlecht und er will seinen Patienten nicht alleine die Hiobsbotschaft überbringen. Also begleitet Carol ihn und übernimmt mit ihrer einfühlsamen Art die schwere Aufgabe am Ende alleine. Belauscht wird sie dabei von der Ausbilderin. Die will ihren Schützling anschließend loben, doch Carol, nun wirklich auf Krawall gebürstet, versteigert sich zuvor in eine Wutrede darüber, welche Vorteile ihr Alter dem Krankenhaus bringen könnte.
Auf der anderen Seite der Station arbeiten Caleb und Lexie gemeinsam idyllisch an einem Patienten. Sie stellen gar fest, einen ähnlichen Hintergrund zu haben. Sie sind die ersten in ihren Familien, die überhaupt ein Studium absolviert haben, ganz zu schweigen von einem Medizinstudium. Die Gemeinsamkeit findet Lexie toll, bis sie herausfindet, dass alles gelogen war. Caleb stammt aus einer offenbar reichen, sehr gut vernetzten Familie. Zum Freundeskreis gehört unter anderem der Arzt Dr. Stephen Frost (Kyle MacLachlan, Desperate Housewives), der sie unter seine Fittiche nehmen soll. Der Streit, der sich zwischen Lexie und Caleb entspinnt, wird wird von Carol im Vorbeigehen mit großem Pädagogentalent beendet.
Nach einer turbulenten ersten Schicht sitzen die vier Neuzugänge in der Cafeteria zusammen und erkennen, dass sie zusammenhalten sollten. Besonders interessant wird das als Carol Tochter Jenny (Ashley Tisdale) vorbeischaut. Sie ist Pharmazievertreterin, ein einfacher Job für sie als hübsche, junge Frau, die ihren Weg durch eine charmante Unterhaltung kennt. Alle drei Jungärzte sind sofort von ihr hingerissen, doch Carol verbietet ihnen, ihre Tochter zu daten. Unterdessen hat sie selbst jedoch durchaus einen kleinen Flirt mit Dr. Frost am Laufen.
Wie kommt es rüber?
Pilotepisode von Sitcoms leiden fast immer darunter, dass sie ihre Figuren zu frontal vorstellen. Am besten durch eine aus dem Hut gezauberte Erklärung aus dem Mund der Figur selbst. Das trifft auch auf Carol's Second Act zu. Doch wenn man die Peinlichkeit der ersten Interaktionen abzieht, dann könnte darunter oft eine charmante Story zum Vorschein kommen. Patricia Heatons Quasselstrippe kennen wohl nicht wenige Zuschauer schon aus The Middle. Dieses Mal steht die Plapperei ziemlich aggressiv im Vordergrund. Verdenken kann man es ihrer Ausbilderin darum nicht, genervt von ihrem neuen Schützling zu sein. Doch nach besten Sitcom-Regeln schlägt Dr. Jacobs natürlich in die andere Richtung aus und hat ihrerseits Probleme mit dem zwischenmenschlich-emotionalen Aspekt ihrer Arbeit. Daraus folgt ziemlich einfach die Rechnung: Nur gemeinsam können sie alles meistern.
Dazwischen tummeln sich die drei Jungärzte mit ihren eigenen Klischees, die jedoch nach der Pilotepisode auch weniger augenscheinlich werden dürften.
Fazit
Wer Frankie aus The Middle vermisst, der dürfte sich über Carols Ankunft freuen. Doch bisher fehlt leider Mike um die Plappere auszugleichen. Carol nervt nicht nur ihre Vorgesetzte, auch die Schmerzgrenze des Zuschauers könnte manches Mal überschritten werden. Doch hat sie genügend Charme um Hoffnung auf Besserung zu machen, nachdem nun die offensichtlichen Faktoren der Stary abgeschlossen sind und in den folgenden Episoden mehr Fingerspitzengefühl auf Seiten der Drehbuchautoren zu erwarten ist. Ihre kleine Jungärztegang ist ebenfalls vielversprechend, die Ausbilderin muss noch zeigen, ob sie mehr als eine Karikatur bleiben will. Dr. Frost immerhin sollte mehr Sendezeit kriegen, aber besser ein bisschen Kyle MacLachlan als gar keiner.