Carnival Row 2x01

Carnival Row 2x01

Die ersten Folgen der zweiten Staffel der Neo-Noir-Fantasy-Serie Carnival Row auf Amazon Prime Video präsentieren sich erneut als starker Genre-Mix im düsteren Look. Ob das viel kritisierte Storytelling kohärenter als in Season eins gelungen ist, verraten wir Euch in unserem Review.

Szenenfoto aus der Serie Carnival Row (c) Amazon Prime Video
Szenenfoto aus der Serie Carnival Row (c) Amazon Prime Video
© zenenfoto aus der Serie Carnival Row (c) Amazon Prime Video

Das passiert

Anmerkung: Die folgende Kritik bezieht sich auf die ersten beiden Episoden der Serie Carnival Row auf Amazon Prime Video.

Rycroft Philostrate (Orlando Bloom) lebt seit einiger Zeit gemeinsam mit der Fee Vignette (Cara Delevingne) in der Row. In dem zum Ghetto für magische Kreaturen umfunktionierten Viertel herrschen Krankheit, Hunger und Tod. Während Rycroft sich einen Gefallen im Ring erkämpft, überfällt Vignette gemeinsam mit ihren Schwestern und Brüdern der Raven einen Zug und stiehlt lebensrettende Medikamente.

Währenddessen führt der Sohn des ermordeten Kanzlers Jonah Breakspear (Arty Froushan) ein hartes Regiment gegen die Wesen und wird von Sophie Longerbane (Caroline Ford) beeinflusst. Doch die smarte Frau hat ihre ganz eigenen Pläne, auf die sie zielstrebig hinarbeitet. In der Zwischenzeit landen Imogen (Tamzin Merchant) und der Faun Agreus (David Gyasi) auf der Flucht vor der Rache ihres Bruders in Ragusa und geraten in die Fänge einer Rebellentruppe namens The Dawn, die gegen den Pakt revoltiert.

Ein wilder Mix

Dark Fantasy, Gothic Horror, viktorianischer Krimi, Drama, Statement gegen den Kolonialismus, Rassenhass und Diversität. Was versucht „Carvinal Row“ nicht alles zu sein? Zu viel, urteilten viele Kritikerinnen, Kritiker und Fans nach der ersten Staffel nicht ganz zu Unrecht. Dabei war der Look der Show klasse, die Schauspielleistungen mit dem Ensemble rund um Orlando Bloom super und die Action sorgte für Spannung. So viel sei an dieser Stelle vorweggenommen.

An den vielen positiven Aspekten der Serie hat sich auch in der zweiten Runde nichts geändert. Sicherlich ist die aufgebaute Mythologie ein wilder Mischmasch aus allen möglichen Sagen- und Legendenwelten. Von der griechischen Antike bis hin zu schamanistischen und irischen Ansätzen ist alles dabei, was man sich nur vorstellen kann. Doch gerade das, gepaart mit dem stilistisch straff durchgezogenen Neo-Noir-Elementen im Kolonialzeitgewand, macht das Ganze schließlich erst interessant.

Story-Wirrwarr

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Amazon Prime Video - © Amazon Prime Video

Doch gelingt es der zweiten und gleichzeitig auch schon letzten Season auch, die zahlreichen Plotknoten zu entwirren und in eine Richtung zu führen, die weniger nach einem Sherlock-Holmes-Krimi und dafür nach einer Story mit Tiefgang riecht? Diese Frage lässt sich mit einem leider wenig klaren „teilweise“ beantworten. Die Suche nach dem Mörder-Wesen schwelt noch immer mehr oder weniger im Untergrund. Es wäre auch unmöglich gewesen, diesen Faden durch die Maschen fallen zu lassen. Allerdings nehmen nun die politische Ebene sowie die Beziehungen und Motivationen der Figuren noch mehr Raum ein, was sich in den ersten beiden Episoden durchaus als gute Entscheidung herausstellt.

Die Row offenbart nun eine erschreckende Analogie zum Warschauer Ghetto der Nazis im Zweiten Weltkrieg und könnte im Verlauf der Serie ebenfalls zu einem Ort des Aufstands und Massakers werden. Und die Widerstandsbewegung The Dawn, die das einst vom Pakt beherrschte Ragusa befreite, wirkt optisch und sogar sprachlich wie ein Aufguss der russischen Revolution. Hinzu kommen die Machtspiele zwischen dem neuen Kanzler Jonah Breakspear und der Oppositionsführern Sophie Longerbane, die sich als „Creach“-Hasserin gibt, aber in Wirklichkeit mit allen Mitteln für deren Freiheit kämpft. Berater Millworthy (Simon McBurney) tut sich wiederum mit Rycroft zusammen. Die einzigen Personen, die nur in diese Mühlsteine hineingeraten, weil sie sich lieben, sind der reiche Faun Agreus und seine Geliebte Imogen.

Zu viel ist zu viel

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Es ist durchaus spannend, herauszufinden, was die Protagonisten antreibt. Vor allem Sophie macht eine starke Entwicklung durch, die man der Figur in dieser Form nicht unbedingt zugetraut hätte. Auch, dass Vignette immer radikaler wird und sich immer mehr von Rycroft zurückzieht, ist eine dramatische Wendung, Andererseits gibt es da aber immer noch einen Wust an Handlungssträngen, denen man bisweilen nur schwer zu folgen vermag. Als wären die oben genannten Beziehungsgeflechte nicht schon kompliziert genug, entpuppt sich nun ausgerechnet auch noch Vignettes Freundin Tourmalin (Karla Crome) als Gefäß für den Geist der toten Hexe Haruspex Tsimani (Alice Krige).

Sie sieht die Morde durch die Augen eines anderen Wesens. Oder verwandelt sie sich und wird zur Killerbestie? Dies ist nur eine von vielen Fragen, die im Raum schweben und die sich aller Wahrscheinlichkeit nach in den letzten acht Folgen nicht vollumfänglich aufklären lassen. Das ist die Crux an der Serie. Carnival Row will ganz offensichtlich viel und hat zu wenig Zeit, all die großartigen Ideen auszuerzählen, zumal auch noch weitere Fässer aufgemacht werden. Ein etwas ruhigeres Erzähltempo und mehr Mut zur Selektion hätte der Show insofern zweifellos gutgetan.

Fazit

Man kann man den Machern allerdings fairerweise nicht vorwerfen, die Erzählung zu einem Ende führen zu wollen und dabei zu überpacen. Der Druck ist hoch. Erst die Corona bedingten Verzögerungen, dann die vorzeitige Absetzung durch Amazon Prime Video. Mehr Pech ist kaum möglich. Sicherlich war „Carnival Row“ auf mindestens drei Seasons ausgelegt, und die hätte es wohl auch gebraucht, um die Geschichte in Ruhe auserzählen zu können.

Dennoch: Wer, wie der Rezensent, die erste Staffel trotz ihrer kleinen Schwächen mochte, wird sich erneut darüber freuen, in diese spannende, düstere Welt abzutauchen. Das Ensemble leistet Großartiges, das Produktions-Design ist hochwertig, der Look dreckig und dunkel. Der Gore-Faktor stimmt ebenfalls und die vielen Anspielungen an realhistorische Begebenheiten fügen sich gut ins Narrativ ein.

Dass der Sherlock-Holmes-Faktor zugunsten der Gothic-Horrorelemente etwas zurückgefahren wird, ist vollkommen richtig, weil eine simple Detektivgeschichte letztlich langweilig gewesen wäre und das Potential der Show nicht voll ausschöpfen hätte können. Wenn es die Macher schaffen, sich in den verbliebenen acht Episoden nicht zu verzetteln und den ein oder anderen Nebenplot kurz und bündig beenden, könnte am Ende der Serie ein richtig gutes Finale stehen. Vier von fünf Bowlern.

Hier abschließend noch ein Trailer zur neuen Staffel der Serie „Carnival Row“:

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 17. Februar 2023

Carnival Row 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Carnival Row 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Folge 1
Titel der Episode im Original
Fight or Flight
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 17. Februar 2023 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. Februar 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 17. Februar 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 17. Februar 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 17. Februar 2023

Schauspieler in der Episode Carnival Row 2x01

Darsteller
Rolle
Orlando Bloom
Tamzin Merchant
David Gyasi
Karla Crome
Jay Ali
Scott Reid

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