Camping: Review der Pilotepisode

Camping: Review der Pilotepisode

Seit gestern zeigt HBO die neue Comedy Camping aus der Feder von Lena Dunham und Jenny Konner. Inmitten der Idylle der ursprünglichen Natur kommt innerhalb einer Gruppe von Freunden und Familie bei einem Campingurlaub so manch unerwartetes Geständnis ans Tageslicht.

Serienposter von „Camping“ (c) HBO
Serienposter von „Camping“ (c) HBO
© erienposter von „Camping“ (c) HBO

Der angekündigte Cast und die vorauseilende Inhaltsbeschreibungen der neuen HBO-Serie Camping sind zunächst sehr vielversprechend. Das Comedy-erfahrene Duo Lena Dunham und Jenny Konner (Girls) nehmen den Zuschauer mit auf eine Reise in die konfliktträchtige und spannungsgeladene Szenerie eines beschaulichen und ländlichen Campingausflugs einer Gruppe Menschen, die sich größtenteils angewidert oder gleichgültig gegenüberstehen. Lediglich der Zwang der 45. Geburtstagsfeier des gemeinsamen Freundes Walt (David Tennant) bringt die einzelnen Personen dazu, sich ein paar Tage lang zu ertragen. Sie versuchen es jedenfalls.

Wie Hund und Katz

Im Zentrum von „Camping“ steht die verklemmte und zwanghafte Kathryn (Jennifer Garner), die Familie und Freunde zu einem von ihr bis ins letzte Detail durchgeplanten Campingurlaub eingeladen hat. Sie überlasst nichts dem Zufall, denn Abweichungen jeglicher Art bringen ihre Balance aus dem Gleichgewicht. Zum Leidwesen aller sieht ihr Tagesprogramm minütlich vorbereitete Aktivitäten vor, die keinen Raum für Spontaneität und Leichtigkeit lassen. Kein Wunder, dass Spaß und Freude aufgesetzt anstatt ehrlich wirken. Selbst ein lockeres Gruppenfoto wird von Kathryn unterbrochen und nach Plan erneut arrangiert. Ihr wird Jandice (Juliette Lewis), die neue Freundin von Miguel (Arturo Del Puerto), gegenübergestellt. Mit ihren esoterischen Ansichten der Welt und ihrer unkonventionellen, ungenierten und freizügigen Art stellt sie den klaren Kontrast zu Kathryn dar. Die beiden Frauen umkreisen sich wie Beute und Opfer in der Wildnis. Für Kathryn ist Jandice die Ausgeburt von Gefahr und Chaos. Jandice hingegen interessiert sich überhaupt nicht für die spröde Frau und Mutter und sabotiert aufgrund ihrer nicht empathischen Art Kathryn gegenüber so manchen Tagesordnungspunkt des Geburtstagswochenendes.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Doch nach und nach bröckelt auch bei allen anderen die nette Fassade und jeder offenbart sein ganz persönliches Drama und seine individuellen neurotischen Störungen. Da ist zum Beispiel Kathryns Schwester Carleen (Ione Skye). Sie wirkt in einer Menschenansammlung nahezu unsichtbar, was auch daran liegt, dass sie ihren Anliegen und Wünschen keine Stimme verleihen kann und nicht in der Lage ist, für ihre Forderungen einzustehen. Selbst ein Widersprechen klingt mit ihrer süßlich zarten Stimme wie ein höfliches Flehen. Da überrascht es kaum, dass ihr Freund Joe (Chris Sullivan), der eben noch versucht, seine Tablettensucht in den Griff zu bekommen, nicht lang zögert und sich von Jandice zu einer Runde Oxy überreden lässt. Auch wenn Carleen ihm vorher mehrfach sorgenvolle Blicke zuwirft. Walts Freund George reagiert völlig übertrieben, als Joe angeblich seine afroamerikanische Freundin Nina-Joy rassistisch beleidigt hat. Der verdutzte Joe muss daraufhin eine Tirade auf das Problem der amerikanischen Gesellschaft in Form von Ausländer-ablehnenden Geschöpfen erdulden. So entwickeln sich alle Beteiligten zu unsympathischen Zeitgenossen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben wollen und sollten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Und an diesem Punkt bleibt die Charakterzeichnung und die Entwicklung der Geschehnisse bei „Camping“ meines Erachtens nach zu flach. Die überzogene Besetzung der einzelnen Personen mit allzu typischen Eigenschaften führt nicht zu den gewünschten Lachern, sondern ist teilweise sogar nervig. Eigentlich birgt die ganze Idee viel Spielraum für Entwicklung, Humor und spannende Verwicklungen, doch davon ist im Piloten noch nicht viel zu sehen (und ich gebe zu, ich habe mir bereits zwei weitere Folgen angesehen, aber psst...). Der Versuch, Kathryn eine Hintergrundgeschichte zu basteln und damit ihr Verhalten ansatzweise zu erklären, scheitert. Ihre zurückliegende Hysterektomie steht gefühlt in keinem Verhältnis zu ihren Kontrollzwängen und hysterischen Reaktionen. Sie erntet für eine eigentlich dramatische Begebenheit nicht einmal Mitgefühl. Und damit wird es verpasst, dieser Figur mehrere Seiten zu verleihen. Überhaupt fehlt mir eine Figur, mit der ich die Reise wirklich weitergehen möchte, die ich verstehen oder sogar mögen kann. Wenn die Stereotypisierung der einzelnen Personen nicht zum Lachen führt, was ist dann der Sinn einer solchen Comedy? Ich werde trotz allem dabeibleiben, denn ich hoffe, dass das Potential an Schauspielern und der Story noch ausgeschöpft wird. Es wäre sehr schade, wenn es ungenutzt bliebe. Da es im Piloten zunächst nur so vor sich hinplätschert und mich eher die Hoffnung an „Camping“ heftet, vergebe ich bisher lediglich zwei Punkte.

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