Call Your Mother: Review der Pilotepisode

Call Your Mother: Review der Pilotepisode

Nach FOX' Call Me Kat und Mr. Mayor von NBC startet mit Call Your Mother bei ABC die nächste halbgare Network-Comedy der Midseason 2021. The-Closer-Star Kyra Sedgwick spielt in der Serie eine Mutter mit Empty-Nest-Syndrom.

Call Your Mother (c) ABC
Call Your Mother (c) ABC
© all Your Mother (c) ABC

Vielleicht liegt es einfach an diesen besonderen Zeiten, dass die neuen Sitcoms aus den USA aktuell noch banaler wirken. Die Midseason 2021 ist bislang eine einzige Enttäuschung, was die frischen Network-Comedys angeht. Nach dem schwachen Serienstart von Call Me Kat bei FOX und dem kaum weniger verlockenderen Auftakt der NBC-Produktion Mr. Mayor schafft nun auch Call Your Mother von ABC keine Trendwende - ganz im Gegenteil!

Hinter dem Format steht die TV-Autorin Kari Lizer, die zuvor The New Adventures of Old Christine schuf. Die Inszenierung übernimmt die erfahrene How I Met Your Mother-Regisseurin Pamela Fryman. Für die Hauptrolle wurde Kyra Sedgwick verpflichtet, die für ihre Darbietung in The Closer einst mit dem Golden Globe und Emmy Award ausgezeichnet wurde. Zuletzt war sie bei ABC im kurzlebigen Krimi Ten Days in the Valley zu sehen. In Call Your Mother spielt Sedgwick nun besagte Mutter, die gern öfter von ihren Kindern angerufen werden würde und einen radikalen Schritt geht.

Worum geht's?

Schon die Prämisse von Call Your Mother liest sich wie die Parodie einer Network-Comedy: Im Zentrum steht eine moderne amerikanische Familie, deren Mitglieder Dinge tun, die kein normaler Mensch je in Erwägung ziehen würde. Sedgwicks Protagonistin Jean Raines leidet als Mutter zweier erwachsener Kinder am sogenannten Empty-Nest-Syndrom. Um ihrer Einsamkeit entgegenzutreten, zieht sie kurzerhand nach Los Angeles, wo ihre beiden Sprösslinge aufs College gehen. Als Anlass dient ihr ein schlechter Spanischtest ihres Sohnes Freddie (Joey Bragg), der stets ihr kleines Sorgenkind war.

In Kalifornien angekommen, bemerkt sie aber schnell, dass ihre Sorge eigentlich ihrer Tochter Jackie (Rachel Sennott) gelten sollte. Unter anderem, weil diese sich, ohne etwas zu sagen, von ihrem langjährigen Freund getrennt hat. Nun wohnt sie mit Lane (Austin Crute) zusammen, den Jean rasch ins Herz schließt (dumm nur, dass er schwul ist und nicht als neuer Partner für Jackie in Frage kommt). In Liebesfragen läuft es für Freddie momentan deutlich besser, wobei seine Social-Media-süchtige Freundin Celia (Emma Caymares) sicher nicht der größte Sympathiebolzen zu werden verspricht.

Call Your Mother
Call Your Mother - © ABC

Und dann ist da natürlich noch Jeans eigenes Datingleben, welches sie im Optimalfall davon hätte ablenken können, ihren Kindern auf die Pelle zu rücken. Durch den Trip nach L.A. lernt sie wenigstens den bodenständigen Danny (Patrick Brammal) kennen, der als Airbnb-Gastgeber aufs Parkett tritt. Der humorvolle Bartträger stellt zusammen mit Jeans bester Freundin Sharon (Sherri Shepherd), die ihr sowieso geraten hatte, lieber in Iowa zu bleiben, in der Serie die Stimme der Vernunft dar. Familie Raines selbst scheint jedenfalls keinen allzu sicheren Bezug zur Realität zu haben.

Klar kann man sich absprechen und gemeinsam entscheiden, dass es Sinn ergeben würde, wenn Jean in die neue Heimatstadt ihrer Kinder ziehen würde, wenn sie sonst nichts mehr in Iowa hält. Aber einfach so aufzukreuzen, um das Leben der beiden zu managen, als wären sie noch immer in der Highschool, geht eindeutig zu weit. Zumal dieses Szenario sich schlecht als Comedy-Stoff eignet, da eine Mutter mit Empty-Nest-Syndrom eher etwas Trauriges an sich hat. Dass es schon am Ende der Pilotepisode zur großen Aussprache kommt, überrascht ein wenig. Obwohl wir die Figuren noch nicht lang kennen, wirkt es alles andere als charakterkonform, dass Freddie und Jackie so schnell einlenken.

Storytechnisch ist Call Your Mother also schon mal ziemlicher Murks, mit wenig Aussicht auf Besserung. Doch leider versagt die Sitcom auch in Sachen Humor. Hatte zum Beispiel Mr. Mayor im Auftakt immerhin zwei, drei echte Lacher zu bieten, ist hier nun wirklich Langeweile angesagt. Das Lustigste an der ganzen Episode war in meinen Augen tatsächlich der Abspann, als das grandiose Logo der Produktionsfirma von Chefproduzentin Lizer eingeblendet wurde, die Kari's Logo Here heißt.

Fazit

Alles in allem ein sehr schwacher Serienstart von Call Your Mother. Auch ABC schafft es also nicht, die neue Midseason mit einem coolen Comedy-Pilot zu bereichern. Man würde sich fast schon wünschen, dass das Format eine Vollkatastrophe geworden wäre, weil es dann leichter wäre, eine Kritik dazu zu schreiben. Wenn Geschichten so egal und leer wie diese sind, plagt man sich mit jedem einzelnen Satz ab. Kann wenigstens Kyra Sedgwick als Darstellerin überzeugen? Na ja, geht.

Abschließend noch ein Gedanke zu Lane: Zwar freut man sich, dass schwule Figuren, die zudem noch People of Color sind, auch in Network-Produktionen inzwischen nichts Besonderes mehr sind, aber gleichzeitig fragt man sich, wann endlich der nächste notwendige Schritt erfolgt und solche Charaktere nicht mehr nur als Clowns an der Seitenlinie fungieren, sondern vielleicht auch mal als Helden mit eigenen Gedanken und Gefühlen. Wenn Sender Diversity so halbherzig umsetzen - wie eine unliebsame Pflichtaufgabe -, ist am Ende auch nicht viel gewonnen. Ja, ich weiß, dass ABC beispielsweise auch ein Black-ish im Programm hat, aber eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer.

Hier abschließend der Trailer zur ABC-Serie Call Your Mother:

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