Call Me Kat 1x01

© all Me Kat (c) FOX
Der eine oder andere Fan von The Big Bang Theory dürfte recht ungeduldig auf die neue FOX-Serie Call Me Kat hingefiebert haben, die immerhin mit der Amy-Darstellerin Mayim Bialik in der Titelrolle aufwarten kann - sowie mit Jim Parsons als Produzent, der in der vor mehr als anderthalb Jahren abgeschlossenen Erfolgssitcom bei CBS bekanntlich Amys Ehemann Sheldon gespielt hatte. Nun erschien am ersten Sonntag des Jahres 2021 die Pilotepisode namens Plus One.
Geschrieben wurde das Ganze von Darlene Hunt, die zuvor schon The Big C schuf. Call Me Kat basiert dabei lose auf einer britischen Vorlage namens „Miranda“ von und mit Miranda Hart. Neben Bialik ebenfalls im Ensemble der US-Adaption: Swoosie Kurtz als Kats Mutter Sheila, Cheyenne Jackson als ihr love interest Max, Leslie Jordan und Kyla Pratt als ihre Angestellten Phil und Randi sowie Julian Gant als Barbesitzer Carter. Die Regie übernahm Beth McCarthy-Miller.
Worum geht's?
Kat lernen wir als 39-jährige Geschäftsfrau kennen, die in Louisville, Kentucky ein Katzencafé eröffnet hat - nicht für Katzen, sondern mit Katzen, also zum Streicheln. Das Geld dafür bekam sie von ihren Eltern, die es eigentlich für ihre Hochzeit angespart hatten. Zwar scheint Kat auch ohne Ehemann oder festen Freund ein durchaus erfülltes Leben zu führen, doch muss sie das ihren Bekannten und Verwandten immer wieder auf ein Neues versichern, was mit der Zeit sehr anstrengend werden kann. Zumal sie selbst mit sozialen Ängsten zu kämpfen hat, die sie gern mit Humor zu überspielen versucht.
Angelehnt ans britische Vorbild „Miranda“ will uns die Serie einreden, dass Bialiks Charakter Kat eine eher männliche Erscheinung habe. Auch der attraktive Max, auf den sie ein Auge geworfen hat, redet sie zunächst mit Sir an. Ein Witz, der in der Adaption nicht funktionieren will, weil die Schauspielerin bei weitem nicht „merkwürdig“ genug aussieht, um die Nummer glaubwürdig rüberzubringen. Im Original hatte die Hauptdarstellerin Hart immerhin den Vorteil, 1,85 Meter groß zu sein und dazu noch kurze Haare zu haben, weshalb sie von hinten tatsächlich mit einem Mann verwechselt werden konnte.

Ohnehin müssen sich die Serienmacher fragen, ob sie nicht sowieso lieber eine andere Serie aus Großbritannien adaptieren wollten, nämlich Fleabag. Hier gibt es fast mehr Gemeinsamkeiten, wenngleich der Qualitätsunterschied dann noch eklatanter ausfällt. Genau wie das Alter Ego von Phoebe Waller-Bridge hat auch Kat ein Café (also keinen Scherzartikelladen wie bei „Miranda“). Und ihre Brüche durch die Vierte Wand wirken fast wie eine Parodie der vielfach preisgekrönten Comedy - wobei dieses Stilmittel auch in der richtigen Vorlage verwendet wird, wie der Fairness halber erwähnt werden muss.
Ein weiteres Problem von Call Me Kat: Die Serie kann sich nicht entscheiden, ob die Zuschauer nun mit oder über die dargestellten Stereotype lachen sollen (in dem Fall das der Singlefrau Ende 30, die nur mit ihren Katzen zusammenlebt). Also, ob sie die Klischees verfestigen oder mit doch ihnen aufräumen will. Diese Zerrissenheit spiegelt sie auch in der Protagonistin wider, die von Szene zu Szene zwischen lähmender Schüchternheit und beinahe arrogantem Selbstbewusstsein hin- und herpendelt. Klar kann es so was geben, aber in Sitcoms ist diese diffuse Charakterisierung wohl eher problematisch.
Fazit
Call Me Kat heißt die neue FOX-Sitcom von Mayim Bialik, wobei sich nach dem Auftakt die böse Frage aufdrängt, ob es sich überhaupt lohnt, die Serie richtig kennenzulernen. Zum Lachen bringen wird sie mit ihrem spießigen Humor vermutlich niemanden. „Du bist noch zu jung, um schon so exzentrisch zu sein“, sagt die Mutter der Protagonistin zu selbiger. Und als Zuschauer fragt man sich, was denn so exzentrisch an dieser doch eher langweiligen Person sein soll? Am Ende der Pilotepisode winken alle Figuren brav in die Kamera und man freut sich, dass man sie nicht wiedersehen muss.
Allerdings muss man auch sagen, dass das Projekt wahrscheinlich schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt war. Derartige US-Adaptionen von britischen Comedys funktionieren eigentlich nie (vielleicht mit Ausnahme von The Office). Vor allem nicht, wenn die Networks das versuchen, die aus Prinzip alles glattbügeln, was am Original charmant war und uns dann noch weismachen wollen, dass eine Frau wie Bialik - nur, weil sie kein Model ist - mit einem Mann verwechselt werden kann. Zumal diese eindimensionale Art von Geschlechtshumor in den 2020er Jahren längst überholt erscheint...
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen FOX-Sitcom Call Me Kat:
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 4. Januar 2021Call Me Kat 1x01 Trailer
(Call Me Kat 1x01)
Schauspieler in der Episode Call Me Kat 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?