King of Stonks 1x01

King of Stonks 1x01

Das tolle Team von How to Sell Drugs Online (Fast) persifliert in der neuen deutschen Netflix-Serie King of Stonks den Wirecard-Skandal. Der Schauspieler Matthias Brandt wird dabei zum exzentrischen Fintech-Unternehmer.

Szenenfoto aus der Serie King of Stonks (c) Netflix
Szenenfoto aus der Serie King of Stonks (c) Netflix
© zenenfoto aus der Serie King of Stonks (c) Netflix

Der Traum von einem deutschen Silicon Valley wurde durch Wirecard zum Albtraum: Das Fintech-Unternehmen, das einst die deutschen Aktienmärkte bullish werden ließ, hat sich als großer Betrug erwiesen. Schon in „Der große Fake - Die Wirecard-Story“, eine Mischung aus Doku und Serie mit Christoph Maria Herbst aus dem Jahr 2021, wurde der Finanzskandal aufbereitet. Nun folgt mit King of Stonks bei Netflix eine etwas losere Nacherzählung, die auch den Firmennamen in CableCash umändert.

Hinter dem Sechsteiler steht das Produktionsstudio btf, das zuletzt die erfrischende Coming-of-Age-Serie How to Sell Drugs Online (Fast) fabrizierte. Als Produzenten und Showrunner fungieren Philipp Käßbohrer und Matthias Murmann. Die Inszenierung der Pilotepisode mit dem Titel It's the Economy, Stupid übernahm der Regisseur Jan Bonny. Die Hauptrollen spielen der Bundeskanzlersohn Matthias Brandt (Babylon Berlin), der junge Österreicher Thomas Schubert sowie die Sängerin Lary (bürgerlich: Larissa Sirah Herden).

Worum geht's?

Unser Protagonist heißt Felix Armand (Schubert). Sein großer Lebenstraum war es schon immer, CEO zu werden. Den Job erledigt er sowieso schon, doch den Titel ist ihm sein exzentrischer Chef Dr. Magnus A. Cramer (Brandt) noch schuldig. Das Unternehmen CableCash, ein innovatives Enfant terrible der deutschen Bankenszene, steht kurz vor dem Börsengang. Doch ein paar Problemchen könnten den Coup noch verhindern: Geldwäsche, Anleger-Täuschung, Internetpornografie et cetera.

Die Zusammenarbeit mit einem Bundesministerium soll CableCash endlich das nötige Saubermannimage verleihen, wodurch die dreckigen Internettage mit zwielichtigen Kunden ein für alle Mal der Vergangenheit angehören könnten. Einer dieser ersten Nutzer der Vorzüge des Online-Bezahldienstleisters war etwa ein Pornoproduzent, gespielt von Wilson Gonzalez Ochsenknecht. Dumm nur, dass dieser unter anderem einen Fake-Porno ausgerechnet mit der Ministerin veröffentlicht hat, die den Auftrag nun erteilen muss.

Netflix
Netflix - © Netflix

Doch solche Probleme löst Felix im Handumdrehen. Als Souffleur flüstert er seinem Chef Magnus die Rede seines Lebens ein, in der Elon Musk zum Heiland toxischer Self-Made-Männlein ausgerufen und Täter zu Opfern umgedichtet werden. Die Krypto-Bros im Publikum lieben es, und CableCash geht beim folgenden Einzug in den DAX durch die Decke. Davon lässt sich auch der Serientitel „King of Stonks“ ableiten, denn in der Meme-Kultur, der die btf schon bei „HTSDO(F)“ gefrönt hat, werden dumme Aktienentscheidungen gern als „Stonks“ statt „Stocks“ bezeichnet.

Felix hat mal wieder den Tag gerettet, aber gefeiert wird nur Magnus. Zumal dieser ihm später noch ein weiteres Messer in den Rücken rammt, indem er ihn erst zum COO degradiert und dann sogar an die Polizei ausliefert, um für alles geradezustehen, was er selbst verbockt hat. Nicht mal die Bekanntschaft der charmanten Shortsellerin Sheila Williams (Sirah Herden) kann Felix da noch aufheitern. Alles geht den Bach runter, nur kampflos ergeben wird er sich nicht...

Wie ist es?

Alles in allem ein relativ solider Einstieg für die neue deutsche Netflix-Serie King of Stonks, wobei sofort auffällt, dass der jugendliche Stil, der bei How to Sell Drugs Online (Fast) perfekt zur Coming-of-Age-Story gepasst hat, bei der Finanzsatire nicht ganz zündet. Trotzdem hat die Serie ein paar Lacher zu bieten, die sie vor allem der tollen Performance von Matthias Brandt verdankt, der sichtlich Spaß an dieser für ihn eher untypischen Rolle hat. Auch, wenn er selbst das sicher nur ungern hören würde, liegt die größte Freude seiner wahnwitzigen Darbietung irgendwie auch darin, dass man ihm die Ähnlichkeit zu seinem Vater ansieht, der ja als vielleicht meistgeachteter Staatsmann der bundesdeutschen Geschichte gilt.

Brandt ist sicherlich das Highlight der Serie, die leider auch thematisch ein bisschen zu spät kommt. In aller Munde war der Wirecard-Skandal vor knapp zwei Jahren, und seitdem hat sich die Welt so rapide weitergedreht, dass es sich noch länger anfühlt. Auch wirkt es immer ein bisschen albern, wenn man den Teufel nicht beim Namen nennen darf (Wirecard heißt hier ja CableCash und wird nur vage angezwinkert). Zu guter Letzt sorgt auch die Episodenlänge etwas hinderlich, damit der Sechsteiler in Schwung kommen kann. Schon in Folge eins hätte einiges gekürzt werden können.

Hier abschließend noch der Trailer zur Netflix-Serie King of Stonks:

Verfasser: Bjarne Bock am Mittwoch, 6. Juli 2022

King of Stonks 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(King of Stonks 1x01)
Deutscher Titel der Episode
It's the Economy, Stupid
Titel der Episode im Original
It's the Economy, Stupid
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 6. Juli 2022 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 6. Juli 2022
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 6. Juli 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 6. Juli 2022
Autoren
Jan Eichberg, Mats Frey, Beatrice Huber
Regisseur
Jan Bonny

Schauspieler in der Episode King of Stonks 1x01

Darsteller
Rolle
Larissa Sirah Herden
Andreas Döhler
Matthias Brandt
Wilson Gonzalez Ochsenknecht
Thomas Schubert
Altine Emini

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