Bupkis 1x01

© Peacock
Das passiert in „Bupkis“
Peter lebt in New York und ist in Bupkis ein erfolgreicher Comedian. Zwischen Fans auf der Jagd nach Selfies, seiner Familie und seinen Freunden versucht er sein Privatleben irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Dabei überwindet er manchen Schicksalsschlag und mehr als nur einen Stolperstein...
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Kennen Sie Pete Davidson?
Comedians stehen seit Jahren hoch im Kurs, sowohl in den USA als auch hierzulande. Nicht immer ist es da unbedingt leicht, den Überblick zu behalten und auf dem Schirm zu haben, wer ein Pete Davidson ist. Für denjenigen Teil der Leserschaft mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf sei an dieser Stelle deshalb eine Kurzbio vorangestellt, zumal diese für die Besprechung von „Bubkis“ nicht unerheblich ist.
Davidson wurde 1993 in Staten Island, New York City als Kind eines jüdischen Feuerwehrmanns und einer Krankenschwester irischer Abstammung geboren. Sein Vater starb bei einer Rettungsaktion während der 9/11-Ereignisse in Ausübung seiner Pflicht. Seit er 16 ist, ist er als Comedian aktiv und gehört in den USA mit zahlreichen Auftritten im TV und auf der Livebühne inzwischen zu den angesagtesten Vertretern seiner Zunft. Viele Jahre war er Teil des Ensembles von „Saturday Night Live“, also der Sketch-Comedy-Institution in den USA.
Das ist „Bupkis“
Das ist deshalb wichtig zu wissen, weil Davidsons Herzensprojekt mehr als nur eine schlichte Comedyserie ist. Im Kern haben wir es mit einer teilautobiografischen Geschichte zu tun, in der das Multitalent seine teilweise traumatische Kindheit verarbeitet.
Dabei geht es oft geradezu rotzfrech witzig zu, bisweilen verwandelt sich der Ton vornehmlich in der zweiten Episode aber auch ins Melodramatische. Nach einem die Lachmuskeln bis auf Äußerste strapazierenden Einstieg, tut das Herunterfahren des Sketch-Tempos dem Format indes sichtlich gut.
Obwohl man im Debüt schon sehr deutlich merkt, dass hinter den wilden Gags mehr als nur der reine Wille, Menschen zum Lachen zu bringen, steckt, zeigt der Folgeteil, wie tiefsinnig und emotional offen Davidson wirklich ist. Der Mix aus Ernst und Witz macht schon deshalb großen Spaß, weist aber zudem eine starke Überraschung nach der anderen auf.
Wie ein Donnerschlag
Doch beginnen wir von vorne und schauen uns genauer an, was in den jeweils 20 Minuten der ersten beiden Folgen geschieht. Alles beginnt mit einem jungen Mann, der in seinem Zimmer im Keller des familiären Einfamilienhauses mit der VR-Brille auf dem Sofa sitzt und seinen Namen googelt. Was er sieht, kann ihm ganz und gar nicht gefallen, zumindest hackt die Presse gekonnt auf ihn herum. Wie wir später erfahren, sehen die Menschen, auf die Peter trifft, ihn übrigens ganz anders, doch dies in eine andere Geschichte.
Nach der virtuellen Selbstgeißelung folgt der Umstieg auf eine bekannte Erotikseite. Was nun geschieht, behalten wir aus Spoilergründen für uns, doch allein schon aus der spröden US-konservativen Sicht auf Sexualität stellen die folgenden Szenen einen wahren Affront da.
Mit anderen Worten wird schnell deutlich, dass Davidson auf andere Meinungen pfeift und sich den Mund nicht verbieten lässt, auch wenn das Geschehen sicherlich reichlich überzogen dargestellt wird. Dennoch kommt es so überraschend wie ein Donnerschlag über das Publikum, dass man sich trotz des leicht pubertären Charakters des situationskomödiantischen Moments eines heftigen Lachers nicht erwehren kann.
Zwischen Frivolität und Tiefsinn
Um es an dieser Stelle ganz deutlich sagen: Viele der zu sehenden Scherze, sowohl auf Dialogseite als auch situativ, sind derbe und können einen ausgeprägt maskulinen Touch nicht verleugnen. Allerdings geht Davidson nie so weit, dass man seine Sprache als unverschämt empfindet. Er ist von Männern umgeben, die nun einmal mit einem veralteten Männerbild erzogen wurden und so sind, wie sie sind.
Absichtliche Boshaftigkeiten, Diskriminierungen oder Frauenfeindlichkeit gibt es da nicht. Selbst als Peter erfährt, dass sein geliebter Großvater sterben wird und er ihm eine Prostituierte für ein letztes heißes Erlebnis bucht, bekommen wir es nicht etwa mit einer Dame zu tun, die willenlos alles tut, was man ihr sagt, nur weil sie dafür bezahlt wird. Im Gegenteil ist die Escort-Lady selbstbewusst und wird von Peter höflich gefragt, ob sie zu einer bestimmten (ironisch gemeinten) Tat bereit ist.
Sicherlich kann man sich trotzdem darüber streiten, inwiefern solche Szenen einen inhaltlichen Wert haben, doch die lustigen Situationen gehen stets auf die Kosten von Peters direktem Umfeld und nicht auf jene Menschen, die ihn sonst noch umgeben. Ganz davon abgesehen legt Davidson damit den Finger in die Wunder des in den USA immer stärker werdenden erzkonservativen Lagers, von dem sich der Comedian ganz offensichtlich abgrenzen möchte.
Ernsthaftigkeit
Wie oben bereits angedeutet, geht es im zweiten Teil der bislang achtteiligen Serie wesentlich ruhiger und ernster zu. Pete Davidson geht hier gezielt auf den schweren Verlust seines Vaters ein, der laut Serie zwar ein heldenhafter Feuerwehrmann, aber nicht unbedingt ein guter Gatte war.
Besonders tragisch ist, dass die Schwester seiner Mutter nur eine Woche nach dem Tod des Vaters heiratet und der Junge nun seine Trauer überwinden soll, um die wichtige Familienparty nicht zu sprengen. Die Inszenierung lässt dabei zunächst an eine Beerdigung denken, umso schockierender ist der Moment, als wir erfahren, dass in der kleinen Kirche gerade eine Hochzeit stattfindet.
Die ganze Sequenz ist hervorragend geschrieben, da die Ambivalenz von Davidsons Familie intensiv und feinfühlig beleuchtet wird. Peters Mutter argumentiert, dass die 9/11-Terroristen nicht gewinnen dürfen und die Hochzeit deshalb wichtig sei, obwohl der Vater gerade erst beerdigt wurde. Über das Timing darf man auch hier geteilter Meinung sein, doch andererseits wünscht man sich unwillkürlich, niemals in eine ähnliche Situation zu kommen.
Solche Momente gehen tief auf die Emotionsebene und zeigen das Bild eines jungen Mannes, der irgendwie mit dem tragischen Verlust, der Verzweiflung seiner Mutter, den teils schrägen Tipps seiner Verwandtschaft und bisweilen fragwürdigen Erziehungsmethoden klarkommen muss. Das Ende der Episode wird schließlich von Originalfotos der zuvor verfilmten Ereignisse geprägt, ein Beweis dafür, dass sich Davidson sehr eng an seinen Erinnerungen orientiert, wow.
Fazit
Bupkis bedeutet soviel wie „gar nichts“, kann aber auch in die Richtung von „Quatsch, Unsinn“ gehen. Genau das suggeriert uns diese feinsinnige, aber derb-witzige Serie mit ihrem sehenswerten Staffelstart. Ja, Teile der Serie sind autobiografisch, doch man sollte und darf wohl auch nicht alles bierernst nehmen, was auf dem Bildschirm zu sehen ist.
Ohnehin sorgt Davidson mit klugen, flüssig geschriebenen Abgrenzungen dafür, dass man schnell ein Gefühl dafür bekommt, an welchen Stellen man tiefere Einblicke in das Leben der Serienerfinders und Hauptdarstellers erhält. So erfahren wir, wer sowohl der Protagonist als auch die dahinter lebende Person sind und wie sie zum dem Menschen wurden, die wir auf dem kleinen Screen erleben.
Wenn sich die weiteren sechs Folgen in ähnlichen Bahnen bewegen - und davon darf man ausgehen - darf sich das geneigte Publikum also auf circa 240 Minuten angefüllt mit Witz, Tiefsinn und einem gewissen Charme einstellen. Von uns gibt es dafür 4,5 von 5 schrägen Erlebnissen.
Übrigens in den USA beim Streamingdienst Peacock war schon eine zweite Staffel geplant, https://www.serienjunkies.de/news/serien/bupkis-pete-davidson-retourniert-staffel-bei-peacock-92907146.html.
Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 8. Juli 2025Bupkis 1x01 Trailer
(Bupkis 1x01)
Schauspieler in der Episode Bupkis 1x01
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