
Als Bewohner einer hippen Großstadt, die viel verspricht und wenig davon hält, konnte ich mich sofort mit den beiden zentralen Figuren der neuen Comedy Central-Serie Broad City identifizieren. Manche mögen argumentieren, dass solche Wiedererkennungsmerkmale nicht die wichtigsten Eigenschaften guter Serienunterhaltung sind - für mich trifft dies jedoch zu. Was Ilana Glazer und Abbi Jacobson als namensgleiche Heldinnen in der Auftaktepisode What a Wonderful World veranstalten, ist Comedy der allerfeinsten Sorte.
I'm getting my paycheck today and I can spot you, bitch
Die Abenteuer und Bekanntschaften der beiden sind witzig, klug, ehrlich und authentisch porträtiert. Sie wandeln dabei stets auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und Albernheit und schaffen es doch ein ums andere Mal, die Balance zu halten. Damit unterscheidet sich Broad City von einer anderen sehr erfolgreichen Comedy Central-Produktion, den Workaholics. Dort überschreiten die drei Protagonisten wissentlich die imaginäre Grenze zum Absurden, was auch witzig, aber eben weniger lebensnah ist.
Wir lernen Abbi und Ilana kennen, wie sie sich per Videochat über bevorstehende nächtliche Abenteuer unterhalten. Beide sind gerade mit sexuellen Aktivitäten beschäftigt, die eine mit Partner, die andere ohne. Internet und Sex, beide sind untrennbar miteinander verbunden, beide sind feste Bestandteile unseres Lebens - und beide haben sich seit dem Aufkommen des Internet grundlegend verändert. All diese Erkenntnisse packen Glazer und Jacobson in einen knapp zweiminütigen Sketch - einfach wunderbar!
Als beste Freundinnen navigieren die beiden durch die Wirren des Großstadtlebens. Beide haben furchtbare Jobs, wobei nur Abbi für ihren bezahlt wird. Sie arbeitet in einem Fitnessstudio als Mädchen für alles (was stets auf ihrem T-Shirt - „Cleaner“ - plakatiert wird) und träumt davon, eines Tages für einen ausgefallenen Trainer einspringen zu dürfen. Dabei sieht sie gar nicht so aus, als könne sie beim Spinning die Vorturnerin spielen, wie wir später in der Episode sehen werden.

Da prostituieren sich die beiden auf ganz absonderliche Weise: Für das Versprechen eines astronomischen Stundenlohns putzen sie - in ihrer Unterwäsche - die Wohnung eines völlig Fremden, der sich zu allem Überfluss auch noch verhält wie ein Baby (inklusive angezogener Windel). Die Bezahlung bleibt natürlich aus, auch die anschließende Verwüstung des Appartements hilft nicht weiter.
I think all we ever talk about is black people and slavery
Nachdem die Rückgabe der Büroutensilien von Ilanas Chef (sie arbeitet für eine Onlinefirma, die ihre Angestellten nicht bezahlen kann) und das Trommeln im Park nicht geholfen haben, war das Nacktputzen die letzte Möglichkeit, an Geld zu kommen. Zuvor hatten sich die beiden die genaue Summe ausgerechnet, um auf dem Konzert von Ilanas Schwarm, Lil' Wayne, ordentlich abfeiern zu können. Nun sitzen sie auf der Straße, betrinken sich mit geklautem Whiskey und genießen ihren PCP-Rausch.
Das alles funktioniert wunderbar als Parabel auf modernes Großstadtleben im postindustriellen Amerika - und ist dabei effektiver als die beiden HBO-Produktionen Girls und Looking. Die Protagonisten dort haben ähnliche Probleme, welche sich jedoch viel weniger drastisch und kompromisslos manifestieren. Broad City zeigt schonungslos, in welch miserablem Zustand sich die amerikanische Wirtschaft und Gesellschaft befindet. Sie macht greifbar, welch große Hürden junge Amerikaner bei der Etablierung eines halbwegs annehmbaren Lebensstandards überspringen müssen.
Neben den wunderbar schrulligen Hauptfiguren können auch die Nebencharaktere glänzen. Chris Gethard als Ilanas unbeholfener Chef Derek, Hannibal Buress als ihre verliebte Affäre Lincoln und vor allem Abbis Mitbewohner Bevers (John Gemberling, ein „junger“ Zach Galifianakis-Verschnitt) tragen dazu bei, dass die Pilotepisode ein wahres Feuerwerk an witzigen Szenen liefert. Bravo!