Briarpatch 1x01

© osario Dawson und eine stattliche Giraffe in Briarpatch (c) USA Network
Briarpatch, was übersetzt „Dornbusch“ bedeutet, ist eine besondere Serie. Das merkt man bereits nach wenigen Sekunden. Und man kann es auch schon vorher ahnen, wenn man weiß, wer hinter dem neuen Format des Kabelsenders USA Network steht, nämlich der Mr. Robot-Schöpfer Sam Esmail. Sein „seltsamer“ Stil ist fraglos spürbar, obwohl er diesmal nur als Produzent dabei ist. Die Regie der Auftaktepisode First Time in Saint Disgrace übernahm Andy Greenwald, das Drehbuch derweil Ana Lily Amirpour. Beide waren einst auch an Legion beteiligt, was ja ebenfalls keine ganz normale Serie ist...
Die Geschichte von Briarpatch, das hierzulande noch keinen Abnehmer gefunden hat, dreht sich um die Ermittlerin Allegra Dill, gespielt von Rosario Dawson (Daredevil), die in ihren texanischen Heimatort zurückkehrt, nachdem ihre Schwester dort mit einer Autobombe ermordet wurde. Durch ihre unangenehmen Fragen wirbelt sie viel Staub in der mysteriösen Kleinstadt auf. Und sie geht einer Verschwörung auf die Spur, in die auch sie selbst irgendwie verwickelt ist. Zwar findet das Ganze in der Gegenwart statt, aber die Ursprungsidee basiert auf einem Thrillerroman von Ross Thomas, der schon 1984 erschien.
Willkommen im Dschungel
Trotz der eigangs erwähnten Eigenartigkeit kommen einem bei der Suche nach Vergleichen für Briarpatch zahlreiche Serien in den Sinn. An Sharp Objects erinnert sie wegen ihres verschwitzten Südstaatensettings und wegen der Protagonistin, die mit Süchten und Traumata zu kämpfen hat. Mit Fargo hat sie ihre Vorliebe für einfältige Landeier und deren unverkennbares Vokabular gemein. Und was verrückte Figuren und Ereignisse betrifft, hat sie sich ganz klar von Twin Peaks inspirieren lassen (oder vielleicht sogar von The Leftovers und The Young Pope, zumindest in puncto tote Kängurus).
Vieles fasziniert an der Inszenierung von Briarpatch. Insgesamt strahlt die Serie eine große Unruhe aus, aber ohne hektisch zu wirken. Jazzige und folkige Rhythmen treiben uns und Allegra von einer Begegnung zur nächsten. Der einstündige Pilot wirkt einerseits überladen und gleichzeitig kann man kaum genug von allem kriegen. Diese Ambiguität schwingt auch bei der Charakterzeichnung mit, denn viele Figuren wirken wie bekannte Stereotype, doch sorgen trotzdem nicht für Langeweile. Wie gesagt: Dass die Serie besonders ist, fühlt man ohne jeden Zweifel. Nur die Gründe sind schwierig zu erörtern...

Allerdings geht es schon bei Allegras Ankunft im fiktiven Provinznest San Bonifacio los. Beiläufig berichtet ihr ein Taxifahrer, dass kürzlich sämtliche Tiere aus dem Zoo entlaufen sind und dass die Polizei nun eines nach dem anderen erlegen müsse. Gut möglich, dass ich diesem kleinen Gimmick viel zu viel Bedeutung zuschreibe - doch wie genial ist das denn bitte? Allein der Trick, einen frei herumlaufenden Tiger zu erwähnen, verleiht jeder einzelnen Szene zusätzliche Spannung. Jeden Moment rechnet man damit, dass er ins Bild springt und jemanden anfällt. Obwohl Spannung für die Serienmacher nicht viel wichtiger zu sein scheint als Humor. Und auch in dieser Hinsicht ist der animalische Nebenhandlungsstrang ein absoluter Volltreffer!
Tatsächlich passieren bei Briarpatch derart abwegige Dinge, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob die Serie weniger in der realen Welt verhaftet ist, sondern vielmehr als Allegorie gedacht ist. Befindet sich Allegra etwa in Dante Alighieris Göttlicher Komödie? Stellt San Bonifacio alias Saint Disgrace also die Vorstufe zur Hölle dar? Es ist zumindest auffällig, dass die Stadt voller „Sünder“ ist. Somit könnte am Ende sogar herauskommen, dass Allegras Schwester nicht getötet wurde, weil sie vom rechten Pfad abgekommen ist, sondern, weil sie ihn als Einzige stets beschritten hat. Vielleicht ist der Tod in dieser Welt ja die Erlösung. Für die Hauptfigur wäre dies ein tröstender Gedanke, zumal ihre gesamte Familie nicht mehr lebt...
Fazit
Die Serie wirft viele Fragen auf und dank der inspirierten Inszenierung von Amirpour wirkt nahezu jede Antwort denkbar. Welche Bedeutung haben zum Beispiel die Insekten, die als wiederkehrendes Motiv auftreten? Was genau ist Allegras Job für den sinisteren Senator? Oder warum der auffällige Fokus auf die Augen in der Szene mit Ed Asner? Und natürlich: Was zum Teufel hat es mit den Tieren auf sich? Neben der Hauptdarstellerin machen übrigens auch Jay R. Ferguson als Jake Spivey, Edi Gathegi als A. D. Singe, Brian Geraghty als Captain Gene Colder und Kim Dickens als Eve Raytek eine gute Figur.
Briarpatch ist keineswegs perfekt. Kleine Schwächen wie zum Beispiel der Versuch, die Hauptfigur auf wenig subtile Weise durch ihre Getränkeauswahl zu charakterisieren (sie ist „trocken“ und nicht „fruchtig“), verzeiht man aber gern, weil sich die Serie so viele Dinge einfallen lassen hat, die wir so noch nicht gesehen haben. Ihr oberstes Ziel scheint stets zu sein, dass wir uns nicht langweilen - und welch noblere Mission könnte eine Serie sonst haben? Optimistisch kann man nach der ersten Episode der zehnteiligen Auftaktstaffel demnach festhalten, dass das Ganze sehr, sehr vielversprechend ist. Aber das war bei einer Produktion von Mr. Robot-Mastermind Sam Esmail und mit Rosario Dawson eigentlich ohnehin klar...
Hier abschließend noch der Trailer zur US-Serie Briarpatch:
Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 7. Februar 2020Briarpatch 1x01 Trailer
(Briarpatch 1x01)
Schauspieler in der Episode Briarpatch 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?