
Breakout Kings heißt der nächste Versuch von A&E, einen Hit im Drama-Bereich zu landen. Ursprünglich für FOX produziert, erhielt die Serie ein klares "Nein" vom Network und wurde dann von A&E übernommen. FOX' Entscheidungen werden von der Öffentlichkeit immer besonders unter die Lupe genommen, da sich der Sender in den letzten Jahren von mehreren guten Produktionen nach einer oder zwei Staffeln trennte bzw. trennen musste. Die Entscheidung jedoch, Breakout Kings nicht ins Programm zu nehmen, scheint der richtige Weg gewesen zu sein, um FOX Geld und womöglich schlechte Kritiken zu (er)sparen.
Obwohl man nach nur einer Episode nicht den Stab über ein Produkt brechen kann und darf, habe ich das Gefühl, dass die Kings kronlos bleiben werden. Natürlich muss nicht jede Serie ein Hit oder ein Kunstwerk mit völlig neuartigem Konzept sein: Fernsehen ist für die meisten Zuschauer einfach Unterhaltung. Auch klischeehafter Gebrauch von Figuren und Szenarien kann daher verziehen werden, wenn der Unterhaltungsfaktor hoch ist. Der allerdings bringt es in Breakout Kings höchstens auf eine lauwarme Mitte.
Die Schöpfung der Prison Break-Produzenten Matt Olmstead und Nick Santora dreht sich um die Zusammenarbeit zwischen dem U.S. Marshals Office und einer Gruppe Schwerverbrecher, die den Gesetzesvertretern bei der Jagd auf flüchtige Sträflinge helfen, um ihre eigene Strafzeit reduziert zu bekommen. Das Team wird von FBI-Agent Charlie DuChamp (Laz Alonso) angeführt, den wiederum Marshall Ray Zancanelli (Domenick Lombardozzi, The Wire) unterstützt. Das Konzept ist nicht neu und muss es auch nicht sein. Die Umsetzung entscheidet - für die braucht man nun allerdings interessante Figuren, zwischen denen die Chemie stimmt. Zumindest im Piloten habe ich keinen Hauch davon empfunden.
Charlie und Ray bedienen ihre Klischees - By-the-Book-Guy vs. Rebellen -, und auf Seiten der hilfsbereiten Sträflinge kann und soll man sich noch mit keiner Figur anfreunden. Warum? Weil manche sofort fallen gelassen werden, wie beispielsweise der Big-Game-Hunter Gunderson (gute Entscheidung!), und manche ab der zweiten Episode nicht mehr zu sehen sein werden. Das betrifft auch die sexy Trickbetrügerin "Philly" Rothcliffer (Nicole Steinwedell), die durch die tollwütige Tochter eines Bountyhunters und mehrfache Mörderin Erica Reed (Serinda Swan) ersetzt wird.
Zur Gruppe gehören das ehemalige Gangmitglied Shea (Malcolm Goodwin) sowie Lloyd (Jimmi Simpson), Wunderkind, Verhaltenswissenschaftler und notorischer Gambler. Der Pilot serviert Vorgeschichte in klitzekleinen Schnipseln, schenkt aber die meiste Achtung Lloyd. Jimmi Simpson macht seine Sache gut; und so ist sein Lloyd vielleicht die einzige Figur im Piloten, die Interesse erweckt.
Breakout Kings teilt uns mit, dass all diese Figuren vor etwas wegrennen, Geheimnisse haben, die nach und nach ans Tageslicht befördert werden. Laut Produzenten soll die Serie aber mehr ein Procedural sein als fortlaufende Erzählung. Aus diesem Grund fallen die Fälle der Woche und die Spannung, die sie erzeugen müssen, extrem ins Gewicht. So hat man sich für einen Meta-Schachzug entschieden, der durchaus funktionieren könnte: Breakout Kings wird sich über vier Episoden mit T-Bag (Robert Knepper) befassen, einer Figur aus der beendeten FOX-Serie Prison Break.
Ob das reichen wird? „I guess everybody's running from something, right?“ sagt eine der Figuren im Piloten. Die neue A&E-Produktion muss sich gewaltig ins Zeug legen mit den nächsten Episoden, damit ihr die Zuschauer nicht weglaufen.