Bordertown 1x01

In einer Zeit, in der Präsidentschaftskandidat Donald Trump in den USA allen Ernstes den Bau einer neuen Chinesischen Mauer fordert, um mexikanische Einwanderer („illegal aliens“) davon abzuhalten, ins „Land der Freien und Tapferen“ zu kommen, bringt der Family Guy-Produzent Mark Hentemann mit der neuen FOX-Animationskomödie Bordertown eine Satire auf ebenjenen stupiden amerikanischen Rassismus ins Fernsehen. Einen besseren Zeitpunkt hätte er sich wohl kaum aussuchen können und doch ist leider festzustellen, dass die Serie weder besonders geistreiche noch erhellende Standpunkte anzubieten hat.
Die Geschichte dreht sich um den engstirnigen Grenzschützer Bud Buckwald (Hank Azaria) und dessen Nachbarn Ernesto Gonzalez (Nicholas Gonzalez). Die beiden wohnen gemeinsam mit ihren jeweiligen Familien Haus an Haus in dem fiktiven Wüstenstädtchen Mexifornia. Während sich die Buckwalds und Gonzalez an sich ganz gut verstehen, so spielt Patriarch Bud den Störenfried. Seine Vorurteile und Abneigungen gegenüber Einwanderern aus Lateinamerika zerstören das Nachbarschaftsidyll, auch wenn zumindest Ernesto sich das Ganze nicht besonders zu Herzen nimmt. Er sieht Buds Ansichten in dessen Beruf begründet.
„I will murder your grass and its family“
Als Officer der Border Patrol soll dieser nämlich verhindern, dass sich Mexikaner illegal ins Land schleichen. Doch offensichtlich ist der übergewichtige Bud nicht sehr gut in seinem Job - so lässt er sich auf billigste Art und Weise vom legendären Schmuggler El Coyote (Carlos Alazraqui) austricksen. Kein Wunder also, dass Ernesto, der übrigens legal in den USA lebt, ein wertvolleres Mitglied der Gemeinde ist als Bud, was ein Rassist wie er jedoch niemals einsehen würde. Bei der anstehenden Wahl über den umstrittenen Antrag 7010, der Mexikaner zu Bürgern zweiter Klasse abstempeln soll, wird er jedenfalls mit „Ja“ stimmen.

Die politischen Ansichten Buds stoßen vor allem in seiner eigenen Familie auf Unverständnis. Besonders seine liberale Tochter Becky (Alex Borstein) prangert ihn dafür an. Doch Hentemann beweist hier seine Family Guy-Wurzeln, indem er auch sie, die man gemeinhin als „die Gute“ ansehen würde, als eine hässliche Karikatur mit dämlichen Argumenten darstellt. Zumindest das ist nach wie vor erfrischend, so hat man jedenfalls nicht das Gefühl, sich Propagandafernsehen anzusehen. An einer Stelle sagt sie beispielsweise: „I want you to put a baby in me, so I can fight to legally abort it.“
Einer der wichtigsten und vielleicht der entscheidene Grund dafür, dass Becky dagegen ist, Mexikaner abzuschieben, ist der, dass sie in einen verliebt ist. Nämlich in Ernestos Neffen J. C. (Zach Villa), einen 21-jährigen Idealisten, der gerade erst sein Studium beendet hat, aber noch nicht nach einem Job sucht, da er zunächst alle Probleme dieser Welt lösen will. Die beiden verloben sich tatsächlich bereits in der Pilotepisode und hadern dann damit, es Bud mitzuteilen. Dieser hat ohnehin schon wenig Sympathie für den „Egghead“ J. C. übrig.
„He's better here to translate ,La Bamba'“
Und wie eigentlich zu erwarten war, explodiert im wahrsten Sinne des Wortes Buds Kopf vor Empörung, als seiner Frau Janice (ebenfalls Alex Borstein) das Geheimnis rausrutscht. Tatsächlich stirbt Bud gleich zweimal in dieser ersten Episode namens The Engagement, aber wie bei Family Guy hat das wohl wenig zu bedeuten und dient einzig und allein dem Zweck eines schnellen Gags. Das Interessanteste, was man im Pilot über Janice herausfinden kann, ist, dass sie und Bud offenbar in getrennten Betten schlafen, was nicht unbedingt für einen guten Zustand der Ehe spricht. Ansonsten blieb sie zunächst im Hintergrund, genau wie Buds Sohn Sanford (Judah Friedlander).

In seiner Verzweiflung über die Verlobung Beckys kommt Bud die gewählte Annahme von Antrag 7010 gerade recht. Diese hat nämlich zur Folge, dass J. C. mithilfe einer Kanone nach Mexiko „deportiert“ wird und das, obwohl er eigentlich sogar in den USA geboren ist. Als Bud dann aber sieht, wie traurig seine Tochter wegen der erzwungenen Trennung ist, kommen väterliche Gefühle in ihm hoch und er beschließt, J. C. zurückzuholen - koste es, was es wolle!
Gemeinsam mit Ernesto begibt er sich auf den Weg nach Mexiko, um nach J. C. zu suchen. Dieser versucht indes, mit der Erkenntnis klarzukommen, dass so manches Vorurteil über das Ursprungsland seiner Vorfahren vielleicht doch nicht von der Hand zu weisen ist. Dasselbe gilt auf der anderen Seite übrigens auch für die Red Necks aus „'Murica“, die in feinster Family Guy-Manier teilweise als inzestuöse Freaks dargestellt werden.
Schließlich finden die beiden J. C. und fahren mit ihm zurück Richtung Heimat. An der Grenze geraten sie jedoch in Schwierigkeiten, da sie auf einen von Buds Kollegen treffen. Die brenzlige Situation wird jedoch rasch durch einen Deus-ex-Machina-Moment à la Fargo aufgelöst, der vorab sehr aufwändig und fast schon nervtötend aufgebaut wurde. Im Lauf der Episode gab es immer wieder Szenen, in denen Buds Kollege Bryce (Mark Hentemann selbst) von einem UFO entführt wurde. Letztendlich war es dieses UFO, das den dreien zur Hilfe kam.

Am Ende kommen sie sicher und geborgen zu Hause an, im „Good Olde“ Bordertown - „Don't say the name of the show!“ Anders als Bud hätte sich Peter Griffin (Seth MacFarlane) bestimmt darüber gefreut, dass Ernesto den Titel der Serie innerhalb der Serie sagt. Doch vielleicht darf er das ja bald, denn offenbar ist bereits ein Crossover-Gastauftritt des Family Guy geplant.
Fazit
Alles in allem kann die neue FOX-Animationskomödie Bordertown mit seiner ersten Episode The Engagement keinen wirklich überzeugenden Start hinlegen. Wir haben uns auf einen neuen, aber frischeren Ableger von Family Guy gefreut und auf spitzzüngige Kommentare zum teils schockierend salonfähigen Rassismus in Amerika. Tatsächlich bekommen wir aber eine Serie, die zu Beginn mindestens genauso verbraucht wirkt wie „FG“ selbst, das inzwischen bereits in der 14. Staffel läuft und längst die einstige Magie verloren hat.
Bordertown ist übersät mit lahmen Gags („Pig gets it“) und pseudowagemutigen Attitüden, die im Vergleich zu Konkurrenzformaten wie BoJack Horseman, South Park oder Rick and Morty aber wenig Eindruck hinterlassen. Und auch der Animationsstil der Serie ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Zwar sollen die Figuren, wie gesagt, als hässliche Karikaturen dargestellt werden, aber diese Bemühung scheint an mancher Stelle etwas übertrieben. Besonders negativ fällt dabei die beinahe unerträgliche „Idiotenstimme“ von Becky auf.
Die größte Stärke der Serie sind, meiner Meinung nach - übrigens genau wie bei F Is for Family -, die fiktiven Fernseheinspieler. Diese waren tatsächlich ziemlich lustig, zum Beispiel, als das vierjährige Mädchen die liberale Position in der TV-Debatte vertreten sollte. Doch teilweise waren sie vielleicht sogar zu albern... Stichwort „Mini-Pelé“.
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 4. Januar 2016Bordertown 1x01 Trailer
(Bordertown 1x01)
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