Bonding 1x01

© oe Levin und Brendan Scannell in „Bonding“ (c) Netflix
Zu sagen, man interessiere sich für BDSM, also für sexuelle Dominanz beziehungsweise Unterwerfung, Schmerz- und Fesselspiele, ist inzwischen genauso mainstreamig, wie Fan von „Star Wars“ oder Game of Thrones zu sein. Man sieht sich als Teil einer kleinen Clique von erleuchteten Außenseitern, bemerkt aber nicht, dass für diese kleine Clique mittlerweile Millionenfranchises produziert werden, was zeigt, dass sie längst nicht mehr so klein sein dürfte.
Gewalt- und Machtfetischisten sind spätestens seit dem Bestseller „Fifty Shades of Grey“ keine Außenseiter mehr. Die Autorin E. L. James mag zwar keine allzu begabte Wortschmiedin sein, erkannte aber offensichtlich eine Marktlücke und wurde damit zur Traumerfüllerin zahlreicher Bestagerinnen, die in ihrem eigenen Sexleben das gewisse Etwas vermissten und folglich von einem attraktiven Milliardär fantasierten, der ihnen hin und wieder mal den Po versohlt oder sie mit einer Feder kitzelt. Kein Wunder, dass sich viele BDSMler missverstanden fühlten. Macht es die neue Netflix-Serie Bonding nun besser?
Can Carter make fun of my tiny dick, Mistress May?
Wer von der Comedyserie echte Erotik erwartet, verwechselt Netflix offenbar mit Pornhub. Bonding ist freigegeben für Abonnenten über 16, was schon zeigt, dass sich die expliziten Sexszenen in Grenzen halten. Tatsächlich scheint die Serie aber ohnehin weniger Interesse an der Sinnlichkeit der Thematik zu haben, sondern an den damit verbundenen Peinlichkeiten und somit auch am Gefühl der Scham. Wie gesagt: Es handelt sich um eine Comedyserie, nicht um einen Porno.
Im Zentrum der Geschichte steht die Psychologiestudentin Tiff (Zoe Levin), die nachts als Mistress May angesprochen wird und ihre Alltagsklamotten dann gegen ein enges Lederkostüm eintauscht. Sie verdient ihr Geld als Domina, was für eine angehende Psychotherapeutin einen krassen Kontrast in Sachen Rollenspiel darstellen dürfte. Die junge Darstellerin gibt sich alle Mühe, selbstbewusst aufzutreten, was ihr dank ihres nervösen Sidekicks Pete/Carter (Brendan Scannell) auch gelingt.

Tiff und Pete kennen sich noch aus ihrer Schulzeit im verklemmten Georgia, bis sie beide nach New York zogen, wo er ihr nun als Assistent zur Hand gehen darf. Dass sie sich von dem schmächtigen Jüngling ausgerechnet einen Bodyguard verspricht, wirkt nur wenig einleuchtend. Echten Gefahren scheint sie bei ihrer winselnden Klientel aber eh nicht ausgesetzt zu sein.
Pete droht dafür das Risiko, selbst in die Sexspielchen hineingezogen zu werden, da er sich als schwuler Mann dazu eignet, sich über die Penislänge von Tiffs Kunden lustig zu machen. Wenn es aber etwas schmutziger zugeht, muss er als sogenannter audience surrogate (in etwa: Stellvertreter für die/den Zuschauer/-in) natürlich auch ein wenig Ekel ausstrahlen.
Mit sieben Episoden à 15 Minuten in der Auftaktstaffel ist Bonding erfrischend kurzweilig, besonders für eine Netflix-Serie, in welchen Handlungsstränge bekanntlich gerne mal in die Länge gestreckt werden, um auf mindestens 13 Folgen mit je 50 Minuten Spielzeit zu kommen. Strenggenommen handelt es sich bei der Serie aus der Feder von Rightor Doyle (Barry) also eigentlich nur um einen Film - und nicht einmal um einen besonders langen. Ob es ein gutes Zeichen sein kann, wenn man sich darüber freut, dass eine Serie so erfreulich kurz ist, sei mal dahingestellt. Bei Game of Thrones regen sich die Fans immerhin schon auf, weil die ersten beiden Folgen in der letzten Staffel „nur“ knapp 60 Minuten lang sind...
Fazit
Alles in allem ist die neue Netflix-Serie Bonding erstaunlich harmlos. Statt eines Feuerwerks der Lüste erwartet die Abonnentinnen und Abonnenten eine Comedy im Stil von Sex Education, wobei dieses Beispiel deutlich sehenswerter zu sein scheint (zumindest nach Sichtung der Pilotepisode Old Friends, New Names). Allzu viel Zeit verschwendet man mit der BDSM-Komödie aber auch nicht, da sie zunächst mit nur sieben äußerst kurzen Folgen daherkommt. Und der eine oder andere Lacher dürfte auf jeden Fall dabei sein (Erektionen bleiben aber wohl eher Mangelware).
Übrigens spannend, dass Netflix die Serie im Trailer damit bewirbt, dass sie von den Produzenten von 13 Reasons Why, True Detective und Mr. Robot stammt. Welche inkohärenten Erwartungen sollen damit für Bonding geweckt werden?
Offizieller Trailer zur Netflix-Serie „Bonding":
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Verfasser: Bjarne Bock am Mittwoch, 24. April 2019Bonding 1x01 Trailer
(Bonding 1x01)
Schauspieler in der Episode Bonding 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?