
Captain Jean-Luc Picard, Professor Charles Xavier und nun Walter Blunt. Während uns die einschlägigen Rollen des britischen Schauspielers Sir Patrick Stewart als heroisch, weise und liebenswürdig im Gedächtnis sind, müssen wir uns in Blunt Talk an eine ganz andere Fassette des Darstellers gewöhnen. Starz hat gleich zwei Staffeln der derben Comedyserie Blunt Talk bestellt, von der nun die Pilotepisode I Seem to Be Running out of Dreams for Myself vorliegt. Engage!
I just need to adjust my mask - it keeps on slipping
Der zum vierten Mal geschiedene Newsmoderator Walter Blunt hatte keinen guten Tag und begießt diesen mit ein paar (oder zehn) Drinks in einer Promibar. Hier ist auch Brent Spiner, Stewarts langjähriger Schauspielkollege aus Star Trek: The Next Generation zugegen und sitzt - diesmal ganz aus Fleisch und Blut - am Piano. Tea-Time mit Daniel Craig und DreamWorks-Chef Jeffrey Katzenberg ausschlagend, beschließt er, den Heimweg anzutreten. Diesen bestreitet er daraufhin mit einer guten Portion Haschischschokolade, die in ihm die Lebensgeister weckt.

So macht er die nicht ganz zufällige Bekanntschaft der Sexarbeiterin Gisele (Trace Lysette), deren Transsexualität den einsamen Walter nicht weiter juckt. Ehe jedoch eine eher traurige Sexszene ihren Lauf nimmt, erscheinen die Cops auf der Bildfläche. Noch immer im Rauschgiftschokorausch leistet Walter lautstarken Widerstand, was natürlich nicht undokumentiert bleibt, wodurch der Skandal perfekt ist.
It's a shitstorm, Walter!
Am kommenden Tag brainstormt der abgehalfterte Newsmoderator mit seinem Team (Jacki Weaver, Karan Soni, Dolly Wells, Mary Holland und Timm Sharp) bezüglich der prekären Situation. Walters Kollegen aus den Medien - Bill O'Reilly von FOX und Anderson Cooper von CNN werden genannt - sind in der Zwischenzeit nicht gerade sanft mit ihm umgegangen. Auch Bob (Romany Malco), der Senderchef des UBS-Networks, auf welchem Walter mit britischer Herablassung seine Nachrichtensendung gestaltet, hat gehörig die Faxen dicke, lässt sich aber mit einem Sportwagen bestechen, um „Blunt Talk“ nicht aus dem Programm zu nehmen.
I'm feeling a bit woozy, Doctor
Walter plant, in seiner Sendung auf den in den Medien breitgetretenen Vorfall einzugehen - und sich im Zuge dessen selbst in einem Interview durch die Mangel zu nehmen, was zu der wohl amüsantesten Sequenz der Pilotfolge führt, wenn die reaction shots für das Interview aufgenommen werden.
Ehe es allerdings zurück auf Sendung geht, um sich vor der Nation zu rechtfertigen, steht ein Pflichttermin beim Networkpsychiater (Richard Lewis) an. Eine Sitzung, die Walter mit Aufputschmitteln seines Kollegen Jim (Sharp) zu bestreiten gedenkt. Stattdessen hat er allerdings Beruhigungstabletten bekommen, was ihn auf der Couch einschlafen lässt. Von seinem Assistenten und ehemaligen British-Army-Kameraden Harry (Adrian Scarborough) gibt es deshalb erst mal eine Nasenportion feinster Speed-Koks-Melange, die ihm bald zum Verhängnis wird: In den letzten Momenten seiner Livesendung bricht Walter vor laufender Kamera zusammen.
Fazit
Patrick Stewart in einer völlig anderen Rolle zu sehen, als wir es gewohnt sind, ist zweifellos eine amüsante Angelegenheit. Amüsant, aber nicht unbedingt zum lauten Auflachen witzig, auch wenn Stewart ganz schön aufdreht, was sein Schauspiel angeht. Dabei musste ich jedoch stets an seinen brillanten Gastauftritt in Extras mit Ricky Gervais denken, in welchem er sich selbst ebenfalls als versauten, älteren Herrn spielte, dies aber weitaus kontrollierter und subtiler darstellte.
Im Fall von Blunt Talk wirkt die Comedy ein ganzes Stück gewollter und angestrengter. Ulkigerweise das gleiche Problem, das ich mit der Sitcom seines besten Kumpels, Sir Ian McKellen, hatte, der in Vicious äußerst bemüht ist, komisch und überdreht zu sein, was leider auch nur zur Hälfte für mich funktioniert.

Walter Blunt ist offensichtlich nicht ganz ohne die britische TV-Persönlichkeit Piers Morgan entstanden, der ebenfalls eine Talksendung im US-Fernsehen moderiert und sich mit den Worten „You stole my life!“ bereits gegenüber Stewart über seine neue Serie geäußert hat. Wünschenswert wäre gewesen, Walters Sendung vor dem Skandal zu etablieren. Die Serie scheint aufgrund der Morgan-Connection nämlich davon auszugehen, dass wir bereits wissen, um was für ein News- und Talkformat es sich handelt und wie der Moderator sich darin gibt.
Einschalten und sich ansehen, wie es sich entwickelt, ist vermutlich trotzdem keine schlechte Idee. Denn zum einen ist es noch immer Sir Patrick, zum anderen ist die Serie scheinbar trotz des drogengetränkten Klamauks an echtem Drama interessiert und nimmt ihre Hauptfigur mit ihren Existenzängsten zuweilen sogar ernst.