Blood Coast: Die Durchgeknallten - Review der Pilotfolge

Blood Coast: Die Durchgeknallten - Review der Pilotfolge

Die französische Actionserie „Blood Coast“ aka „Pax Massilia“ bei Netflix erzählt die temporeich inszenierte Geschichte der Drogenfahnder Alice und Lyès, die in Marseille auf die Jagd nach dem Großdealer und Mörder Franck Murillo gehen. Wer harte Action liebt, sollte ein Auge riskieren, wie wir nach Sichtung der Pilotfolge finden.

Die Schauspieler aus der Serie „Blood Coast“
Die Schauspieler aus der Serie „Blood Coast“
© Netflix

Das passiert in der Pilotfolge der Serie „Blood Coast“

Der Vater der Interpolbeamtin Alice Vidal (Jeanne Goursaud, „Barbarinas“) wird in Blood Coast aka „Pax Massilia“ vom inhaftierten Drogendealer Franck Murillo (Nicolas Duvauchelle) während eines Begleitauftrages zu einem Begräbnis brutal ermordet. Der Killer flieht und baut sich ein Drogenimperium in Marseille auf, in dem der Drogenfahnder Lyès Benemar (Tewfik Jallab, „Black Hearts“) auf seine ganz eigene Art die Bandenkriminalität bekämpft.

Doch Murillo hat sich die französische Küstenstadt nicht grundlos als neuen Wirkungskreis erwählt. Ihm geht um die Rache an seinen Konkurrenten Ali Saïdi (Samir Boitard, der seinen Sohn auf dem Gewissen hat.

Als sich Alice nach Marseille versetzen lässt, um den Drogenboss zur Strecke zu bringen, tut sich sie mit Lyès zusammen, der ausgerechnet aus dem Viertel stammt, in dem die Gangs aufeinanderprallen. Ein brutales Katz- und Maus beginnt, in dem jeder jeden jagt und Rache die treibende Kraft hinter den Taten von Verbrechern und Polizisten ist. Doch wer wird am Ende überleben?

Die harte Gangart

Szenenfoto aus der Serie „Blood Coast“
Szenenfoto aus der Serie „Blood Coast“ - © Netflix

Wer französische Actionserien und -filme kennt, weiß, dass man im Land des Champagners durchaus eine härtere Gangart bevorzugt. Diese Tatsache greift auch in „Blood Coast“, was der Serie von der ersten Minute an ein gewisses Tempo verleiht. Die Geschichte beginnt, als der Vater der Interpolbeamtin Alice Vidal einen (noch) namenlosen Gefängnisinsassen zu dem Begräbnis seines Sohnes begleitet.

Gesprochen wird in den ersten Minuten des spannungsgeladenen Einstiegs kaum, doch anhand der nahen Kameraführung wird sofort klar, dass der Mann, der dort von einer Spezialeinheit umgeben im Van sitzt, brandgefährlich ist.

Tatsächlich geschieht das Unvermeidbare nur einen Augenblick später. In einer hollywoodreif inszenierten Szene flieht der Gefangene im Kugelhagel seiner Verbündeten, die rücksichtslos auf die Beamten schießen und mehrere Polizisten töten. Schon hier wird klar, dass die sechsteilige Staffel ihr Publikum nicht mit Samthandschuhen anfassen wird und Actionliebhaber voll auf ihre Kosten kommen.

Dieser Eindruck verstärkt sich nach einem harten Schnitt, der uns acht Monate weiter in die Ist-Zeit der Serie führt. Der Drogenfahnder Lyès und sein Team lauern in Marseille gerade zwei Kurieren auf, die eine große Menge Crack verkaufen wollen. Der Zugriff geht jedoch gründlich schief, weil einer der Jugendlichen wild um sich schießt und es Verletzte gibt. Als der Schütze geschnappt und auf das Revier gebracht wird, offenbaren sich die eigenwilligen Methoden Lyès. Brutal schlägt er den Verhafteten zusammen, um Namen zu erfahren.

Nicht frei von Tadel

Obwohl Tewfik Jallab seiner Figur durchaus eine gewisse Skrupellosigkeit verleiht und es Hinweise gibt, dass Lyès auch hin und wieder in sichergestellte Geldtaschen greift, lernt man den harten Hund jedoch schnell zu mögen. Ja, Benamar geht seine eigenen Wege, doch nicht etwa aus Gier oder Hass, sondern weil er selbst aus einem Armutsviertel mit hoher Kriminalitätsrate stammt und seine Nachbarn und die Familie beschützen will. Das macht seine Taten nicht richtiger, aber doch nachvollziehbar.

Wenn es darum geht, eine große Menge Drogen von der Straße zu holen oder einen Dealer dingfest zu machen, kennt der Cop keine Gnade und legt sich auch mal mit seiner gut von Florence Thomassin gespielten Chefin Commissaire Fabiani an. Die hat allerdings glücklicherweise ein Herz für ihn, so dass ihm weitestgehend freie Hand bleibt, obwohl ihm die Dienstaufsichtsbehörde im Nacken sitzt.

Temporeiche Action

Beim Lesen ahnt man es vielleicht bereits: Die ersten 15 Minuten halten für das Publikum eine große Menge Informationen und nicht minder viele Actionmomente parat, was insgesamt zu einer explosiven und unterhaltsamen ersten viertel Stunde führt.

Erfreulicherweise halten die Serienerfinder und Showrunner Kamel Guemra und Oliver Marchal (Die purpurnen Flüsse) das Tempo über die Debütepisode hinweg aufrecht und schaffen es sogar noch, es zu erhöhen.

Mit der Versetzung von Alice zur Abteilung Benamars prallen nämlich zwei Motive aufeinander, die sich allerdings bald zu einem großen Ziel vereinen werden: dem brutalen Drogenboss und Killer Franck das Handwerk zu legen. Dieser breitet sich indes in Marseille aus wie die Pest. Er erpresst Kleindealer, für ihn zu arbeiten, ermordet zwei Familienmitglieder des arabischen Großdealers Ali Saïdi und verbreitet mit brutalen Aktionen Angst und Schrecken auf den Straßen.

Daran, dass nur ein Mann wie Lyès in der Lage sein könnte, ihn zu schnappen, lässt „Blood Coast“ kaum einen Zweifel, weil der Fahnder die Sprache der Gewalt versteht und diese wiederum die Einzige ist, die Franck versteht. Alice wiederum ist jedes Mittel recht, um ihren Vater zu rächen, womit sich hier ein Duo findet, das für eine ganze Reihe hart inszenierter, rasanter und blutiger Szenen sorgen dürfte.

Fazit

Die Schauspieler Tewfik Jallab und Jeanne Goursaud auf einem Szenenfoto zu „Blood Coast“
Die Schauspieler Tewfik Jallab und Jeanne Goursaud auf einem Szenenfoto zu „Blood Coast“ - © Netflix

Wer sowohl harte Action als auch den französischen Stil mag, wird mit Blood Coast aka „Pax Massilia“ sicherlich glücklich werden. Der Originaltitel der Serie leitet sich übrigens vom römischen Pax Romana ab, was so viel wie „Römischer Friede“ bedeutet. Massilia ist die römische Bezeichnung für Marseille, womit der Titel als Metapher für die kommenden Ereignisse zu verstehen sein dürfte.

Allein das verspricht schon eine große Portion Spannung, wobei die ersten rund 45 Minuten keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass es temporeich, blutig und brutal zugehen dürfte. Im Verbund mit der routinierten Inszenierung und herrlich martialisch agierenden Protagonisten und Antagonisten (Der „Indianer“ ist wirklich furchteinflößend kaltblütig) verbreitet die Pilotepisode das Flair einer unterhaltsamen Action-Thrillerserie. Genau das Richtige also für ein, zwei nette TV-Abende, vorausgesetzt, der Serie geht im Verlauf der verbleibenden fünf Episoden nicht die Luft aus. Vier von fünf Punkten.

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