Blood and Treasure 1x01

Blood and Treasure 1x01

CBS möchte über seinen Neustart Blood and Treasure sein Publikum mit auf ein turbulentes Abenteuer nehmen, das uns bei der Jagd nach geheimnisvollen Artefakten einmal rund um die Welt führt. Das Resultat fällt jedoch recht dürftig aus. Das größte Problem: Die neue Genreserie macht einfach keinen Spaß.

„Blood and Treasure“ (c) CBS
„Blood and Treasure“ (c) CBS
© ??Blood and Treasure“ (c) CBS

Ich bin schon immer für eine gute Abenteuergeschichte zu haben gewesen. Als ich ein Kind war, lief die Videokassette zum allerersten „Indiana Jones“-Film, „Raiders of the Lost Ark“ („Jäger des verlorenen Schatzes“), bei mir in der Dauerschleife. Das hatte gar nicht mal so viel mit dem legendären Archäologen und waghalsigen Springinsfeld Dr. Henry Walton Jones Jr. (Harrison Ford) zu tun, sondern einfach nur mit der Welt, die mir dieser Film eröffnete. Exotische Orte, aufregende Herausforderungen, um auf die Bedeutung hinter historischen Artefakten zu kommen, die die verschiedensten Kulturen der Menschheitsgeschichte hervorgebracht haben... Als kleiner Knirps konnte ich mich vollends für solche Dinge begeistern, mein eigener Entdeckerdrang wurde dabei perfekt angesprochen.

Bis heute weiß ich diese Stärke von einer guten Abenteuergeschichten sehr zu schätzen. Doch das Genre schwächelt seit einiger Zeit. Immer wieder traut sich noch die eine oder andere Produktion dieser Art ins Kino ( so zum Beispiel die Neuauflage um Grabräuberin Lara Croft) oder auf den kleinen Bildschirm. Doch kaum ein Kandidat jüngerer Zeit konnte nachhaltig überzeugen. Das Abenteuergenre ist mittlerweile zu einem Element, wenn nicht sogar nur zu einem überschaubaren Zusatz verkommen, ein kleiner Teil großer Blockbuster-Titel in Film und Fernsehen, die auf eine Mischung aus Action, Thriller, Drama und vieles mehr setzen. Aber ein richtiger Abenteuerfilm oder eine Abenteuerserie, die die Abenteuerlust auch ins Zentrum der Erzählung packt? Das fehlt momentan.

Dafür gibt es viele Gründe, deren Aufzählung den Rahmen sprengen würden. Das Genre hat jedenfalls seine Hochzeit längst hinter sich und das Interesse der Allgemeinheit ist einfach nicht mehr gegeben. Das passiert. Der Western war auch für einen langen Zeitraum abgemeldet und feierte nach der Jahrtausendwende eine kleine Renaissance. Ob es dem Abenteuergenre eines Tages ähnlich gehen wird? Wer weiß das schon. Ob eine Serie wie Blood and Treasure dabei helfen kann, das Genre ein Stück weit neu zu beleben? Immerhin wird sie von CBS zu einem Zeitpunkt im Serienjahr veröffentlicht, bei dem man hinsichtlich des Vertrauens des Senders in diesen Neustart durchaus berechtigte Zweifel bekommt... Die Antwort auf die gestellte Frage fällt daher auch relativ eindeutig aus: Nein. Sicherlich nicht.

Und so habe ich einen viel zu großen Bogen geschlagen, um meine Liebe zu Abenteuergeschichten kundzutun, nur um letzten Endes bei dieser Kritik zum Auftakt der neuen Abenteuerserie „Blood and Treasure“ zu landen. In Form einer Doppelfolge wollen uns die beiden Serienschöpfer Matthew Federman und Stephen Scaia auf einen abwechslungsreichen Trip quer über den Globus mitnehmen, von New York über Rom bis hin zu Nordafrika. Ja, sogar zurück in die Zeit des Zweiten Weltkrieges geht es, als fiese Nazi-Schurken die letzte Ruhestätte von Kleopatra und ihrem römischen Liebhaber Antonius geplündert haben, um... ja, um irgendetwas mit dem Sarkophag der legendären Herrscherin über das alte Ägypten anzustellen, was für die gesamte Menschheit schlimme Folgen haben könnte...

An der Seite des Geschichts- und Kunstexperten Danny McNamara (Matt Barr), der obendrein auch einmal als FBI-Agent gearbeitet hat, und seiner taffen Partnerin, die gerissene Berufskriminelle Lexi Vaziri (Sofia Pernas), die über eine gemeinsame, tragische Vergangenheit mit Danny verfügt, stürzen wir uns von der ersten Minute an kopfüber hinein in diese wilde Hatz nach Schätzen der Vergangenheit. Uns erwarten verhängnisvolle Mysterien und die Machenschaften eines obskuren Geheimbundes sowie die Jagd Interpols nach einem gefürchteten Terroristen, der in dieser allumfassenden Gleichung einfach nicht fehlen darf. Kurzum: „Blood and Treasure“ hat alles zu bieten, was in so einer ausladenden Abenteuergeschichte drin sein muss - also, zumindest nach der Vorstellung der Macher. All diese Elemente allerdings clever, mitreißend und unterhaltsam unter einen stilsicheren Abenteurerhut zu bringen, daran scheitert man jedoch auf ganzer Linie.

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CBS
CBS - © CBS

Bloodless and no pleasure

Dabei möchte ich diesen traurigen Umstand nicht einmal allein an den zahlreichen unlogischen Erscheinungen sowie hochgradig quatschigen Szenen festmachen, die man in dieser Doppelfolge beobachten kann. Man kann in dem Abenteuergenre gerne ein bisschen frei drehen und sich an den skurrilsten Szenarien probieren. Die Beteiligten referenzieren ja sogar stellenweise selbst ihre Vorgänger im Geiste (von „Indiana Jones“ über „National Treasure“ bis hin zu „The Da Vinci Code“) und sind sich voll darüber im Klaren, was für eine Nummer sie hier eigentlich abziehen. Das finde ich fast schon wieder charmant. Man nimmt sich selbst nicht zu ernst und bewahrt sich eine gewisse Lockerheit, da es doch mehr als offensichtlich ist, auf welche anderen Titel man eins zu eins anspielt. Warum auch so tun, als wäre es anders?

Selbst der Produktionsstandard befindet sich auf einem soliden Niveau. Hier und da zeigen sich zwar ein paar schwammige CGI-Brocken, dazu gesellt sich eine eher blutleere Inszenierung, deren bester Kniff noch die Spiegelung der Anfangssequenz nach der Hälfte der Laufzeit ist, als wir zu den bereits erwähnten Nazi-Schurken im Zweiten Weltkrieg springen, die das Grab von Kleopatra und Antonius leerräumen. Wie heißt es so schön: Für das, was Blood and Treasure sein will, geht das alles schon irgendwie in Ordnung. Da habe ich schon weitaus schlimmere Versuche gesehen, eine derartige Geschichte zu teilen. Doch der große, alles überschattende Makel ist hier einfach, dass die gesamte Erzählung von der ersten bis zur letzten Minute schrecklich öde ist. Es macht schlichtweg keinen Spaß, sich „Blood and Treasure“ anzuschauen.

Das hängt mit dem beliebigen Hin- und Herspringen von einem Handlungsort zum nächsten zusammen, als würde man lieblos durch ein Fotoalbum voller halbgarer Urlaubserinnerungen blättern. Man hat unter anderem vor Ort gedreht, doch die ausgewählten Kulissen fühlen sich so abgedroschen und, nun ja, kulissenhaft an, man könnte fast glauben, dass der Trevi-Brunnen aus dem Rechner kommt und der Green Screen ein steter Begleiter der Darstellerriege ist. Diese darf wiederum in einen Haufen austauschbarer Charaktere schlüpfen, die sich uns binnen weniger Minuten komplett erschließen. Ich möchte ja nicht um jeden Preis überrascht werden, was sich hinter den verschiedenen Figuren verbirgt. Diese sind aber leider dermaßen uninspiriert gezeichnet, dass es nicht einmal die extrem drögen Konflikte und verzwickten Beziehungen unter ihnen braucht, um mich angestrengt abwinken zu lassen.

Anstrengend“. Ein Wort, das es generell ziemlich gut trifft, wenn man sich an eine Beschreibung der Pilotfolge von „Blood and Treasure“ wagt. Nicht einmal baut sich in gut 80 Minuten ein packendes Erzähltempo auf, nicht einmal gelingt es den Autoren, mich mit ihren Protagonisten mitfühlen und mitfiebern zu lassen. Bevor es so weit kommt, wechseln wir lieber wieder schnell den Schauplatz, um den internationalen, grenzenlosen Flair dieser Geschichte zu wahren. Was inmitten dieser Ansammlungen an Genretropen und Versatzstücken bekannter Vorbilder fehlt, ist das Herz und eine Idee, all diese Bestandteile zu etwas zusammenzusetzen, das einen Unterhaltungswert hat. Nicht, weil es schon wieder so schlecht oder sinnfrei ist, dass man nur noch darüber lachen kann. Sondern, indem man uns aufrichtig Laune macht auf dieses Abenteuer, so abgedreht es inhaltlich auch sein mag.

Blood and Treasure macht aber keine Laune. Zu keiner Sekunde. Manch eine/-r wird sich mit aller Kraft an die verschiedenen Facetten des Unsinns dieser Serie klammern (der Höhepunkt: „Dude Bro Father“ Chuck (Mark Gagliardi), der laut eigener Aussage sehr verbandelt aka „tight“ mit dem Papst ist), um der CBS-Produktion irgendetwas abgewinnen zu können. Ohnehin werfen die Darbietungen einiger Schauspielerinnen und Schauspieler in dieser Serie große Fragen auf. Aber: geschenkt. Ich werfe nicht nur aus diesem Grund frühzeitig das Handtuch und lege heute vielleicht mal wieder meine Blu-ray von „Raiders of the Lost Ark“ ein. Vielleicht spiele ich auch ein bisschen „Uncharted“. Irgendwas mit Abenteuern. Irgendwas, das Spaß macht eben.

Hier zum Abschluss der Trailer zu Blood and Treasure“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 22. Mai 2019

Blood and Treasure 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Blood and Treasure 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Agent und die Meisterdiebin
Titel der Episode im Original
The Curse of Cleopatra – Part I
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 21. Mai 2019 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 1. Januar 2020
Autoren
Matthew Federman, Stephen Scaia
Regisseur
Michael Dinner

Schauspieler in der Episode Blood and Treasure 1x01

Darsteller
Rolle
Sofia Pernas
Katia Winter
Michael James Shaw
Oded Fehr
Alicia Coppola
Mark Gagliardi

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