
Das Piratengenre war vor einigen Jahren hoch im Kurs, als es immer wieder Spielfilme über die wagemutigen Freibeuter im Kino oder im Fernsehen zu sehen gab. Mit der Filmreihe „Fluch der Karibik“, welche unermüdlich weitere Fortsetzungen hervorbringt, konnte man der Thematik dann noch einmal etwas Leben einhauchen, doch eine waschechte Piratenserie blieb uns bis jetzt vergönnt. Als dann der amerikanische Pay-TV-Sender Starz ankündigte, mit seinem neuen Projekt Black Sails eine solche Serie über die Herrscher der sieben Weltmeere zu produzieren, wurde manch einer hellhörig.
Jedoch können das kräftige Rühren der Werbetrommel sowie die großen Ambitionen der Serienmacher nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Pilotepisode von Black Sails als eher holpriger Start erweist. Teilweise gelingt es, die Atmosphäre des zügellosen Piratenlebens einzufangen, doch so richtig warm wird man mit der Materie noch nicht. Kritik an den geschichtlichen Ungenauigkeiten mag man noch beiseiteschieben, gerade mit Hinblick auf „Black Sails“' Vorgänger im Geiste, Spartacus, wo man es mit der Historie auch nicht so genau genommen hatte.
So erkennt man recht schnell, auf was es die Produzenten von Black Sails abgesehen haben: Ein scheinbar ähnliches Format wie eben besagtes Spartacus zu entwerfen, in welchem kurzweilige Unterhaltung, markige Charaktere sowie viel Blut und nackte Haut im Mittelpunkt stehen. Freunde dieses Formats dürften damit wohl keine Probleme haben, auch als Guilty-Pleasure-Serie könnte „Black Sails“ im Laufe der Staffel gut herhalten. Für mehr wird es wohl jedoch nicht reichen, gestaltet sich hier nicht nur die Charakterzeichnung als viel zu flach, sondern lässt auch die dramatische Tiefe schwer zu wünschen übrig. Selten hat der Satz „What you see is what you get“ besser gepasst als bei der Serie „Black Sails“.
1715, West Indies
In den ersten Minuten der Pilotfolge von Black Sails werden wir unmittelbar in das raue Piratenleben eingeführt. So versucht sich die Crew eines Handelsschiffes, dem Angriff einer wilden Piratenmeute zu erwehren, was jedoch nicht wirklich gelingt. Zwar können die ersten Kampfsequenzen ganz gut unterhalten, doch wirklich packend gestalten sich diese nicht. Manch einer wird eventuell jetzt schon mit dem Kopf schütteln, betrachtet man die übertriebene Inszenierung des Piratenangriffs und Einführung verschiedener Charaktere.
Nach dieser kleinen Kampfeinlage bekommt man dann sogleich einen ersten Einblick in den Personenkreis, mit dem wir es in Black Sails vorwiegend zu tun haben werden: Da wäre zum einen Captain Flint (Toby Stephens), berühmt und berüchtigt, jedoch nicht mit dem besten Stand bei seiner Crew, blieb doch schon seit längerer Zeit eine erfolgreiche Beute aus. Ihm treu zur Seite steht Quartiermeister Gates (Mark Ryan), äußerst loyal Flint gegenüber und eine Art Mädchen für alles. Dazu kommt noch Billy Bones (Tom Hopper), der etwas trottelig wirkende Bootsmann der „Walrus“. Das muntere Namedropping geht dann mit dem jungen John Silver (Luke Arnold) weiter, seines Zeichens ein äußerst gewiefter Lebemann, welcher an Bord von Flints Schiff sogleich beziehungsweise notgedrungen als Koch anheuert, jedoch seine ganz eigenen Pläne zu verfolgen scheint. Es würde nicht verwundern, wenn im Laufe der Staffel in bester „Schatzinsel“-Manier dann auch noch ein Jim Hawkins in Erscheinung treten würde, um den Figurenkreis des Literaturklassikers von Robert Louis Stevenson abzurunden.
Life in Nassau
Dies hört sich bis jetzt nicht besonders originell an, doch man probiert sich mit der Ankunft der „Walrus“ im Piratenparadies Nassau daran, gleich eine weitere Handvoll Protagonisten einzuführen. Die Ankunft in Nassau selbst gestaltet sich dabei als harte Probe für all diejenigen, die keine Freunde am übermäßigen Einsatz von computergenerierten Bildern haben. Generell muss man anmerken, dass gerade viele Totalaufnahmen im Studio entstanden sind, was aus Kostengründen sicherlich verständlich ist, aber in Sachen Authentizität einen faden Beigeschmack hinterlässt. Die Dreharbeiten zu Black Sails fanden zwar in Kapstadt, Südafrika statt, doch so richtig mag man sich mit der Optik der Serie noch nicht anfreunden. Und das trotz einer recht passablen Ausstattung und passenden Szenenbildern.
Wie bereits erwähnt, treten dann in Nassau weitere Figuren in Erscheinung, darunter Eleanor Guthrie (Hannah New), Tochter des größten Schwarzmarkthändlers der Karibik und Besitzerin einer Taverne in Nassau, sowie der eher skrupellose Captain Vane (Zach McGowan) oder die geheimnisvolle Prostituierte Max (Jessica Parker Kennedy). Leider blickt man auch hier schnell hinter die Fassade der einzelnen Figuren, welche sich eher als Abziehbilder bekannter Rollenmuster gestalten. Wichtig ist hierbei anscheinend nur der lässige Auftritt, welcher jeder Charakter hinlegen muss. Ein wenig Bescheidenheit hätte Black Sails in diesem Punkt ohne Frage gutgetan, doch wie bereits erwähnt: Die Serie setzt ganz bewusst auf eine (Selbst-)Inszenierung dieser Art.
War is coming
Kommen wir zur Handlung der Pilotepisode. Diese lässt insgesamt leider ordentlich zu wünschen übrig und lässt uns lange im Dunkeln tappen, was zur Folge hat, dass man sich schnell langweilt, weil nun mal schlichtweg nicht sehr viel passiert. So werden gleich mehrere Handlungsstränge aufgegriffen, die schlussendlich irgendwie ineinandergreifen, aber keineswegs vollends überzeugen können. Erst mit Captain Flints Erzählung über eine spanische Eskorte, welche Unmengen an Gold transportiert, kommen wir langsam in den Plot rein. Flint jagt diesem Schiff schon seit längerer Zeit hinterher und scheint seinem Ziel fast nahe, doch es fehlt ihm noch das letzte entscheidende Puzzleteil, um dieses zu erreichen. Er selbst steht derweil gehörig unter Druck, droht ihm doch die Absetzung als Kapitän der „Walrus“. Seine Crew ist es leid, dass sie von ihrem Kapitän nicht in dessen Pläne eingeweiht wird und scheinbar ziellos durch die Karibik schippern muss. Da helfen schlussendlich auch nicht die Bemühungen von Quartiermeister Gates, den Großteil der Crew auf die Seite von Flint zu ziehen.
Flints Motivation ist es dann auch, welche den Zuschauer zumindest ein wenig aufhorchen lässt. Dieser ist sich nämlich bewusst, dass die Tage des Piratentums gezählt sind, sollte sich nicht ein Piratenkönig finden lassen, der gewillt ist, die vereinigte Front der Freibeuter gegen die Vertreter der unaufhaltsamen Zivilisation anzuführen. In einer finalen Auseinandersetzung mit Singleton (Anthony Bishop), seinem Konkurrenten um den Kapitänsposten, kann sich Flint dann auch durchsetzen und die Crew abermals hinter sich vereinen. Jedoch muss man an dieser Stelle erneut festhalten, dass nie wirklich große Spannung aufkommt und selbst die eindringliche Motivationsrede von Flint ein wenig verpufft. Zwar wird die Handlung auf gewisse Art und Weise konsequent zu einem Ende gebracht, doch insgesamt fühlt sich die erste Episode von Black Sails wie eine Abfolge von Einführungen der verschiedenen, übermäßig coolen Charakteren an, die alle vielleicht ganz nett anzusehen sind, aber sonst nicht viel mehr zu bieten haben.
Fazit
Viele werden sich darauf gefreut haben, andere haben genau das erwartet: Die Pilotepisode von Black Sails zeigt, dass die neue Starz-Serie wohl als eher einfache Unterhaltung ohne viele Nuancen daherkommen wird. Zwar hat der Freibeuterflair einen gewissen Charme, doch gerade Zuschauer mit Anspruch an Authentizität und Glaubwürdigkeit werden sich des Öfteren an die Stirn fassen müssen (strahlend weiße Zähne, Seemann!). Selbst die Verpflichtung des erfahrenen TV-Regisseurs Neil Marshall (Game of Thrones, zum Beispiel die Episode Blackwater) verläuft ins Leere - die Bilder fühlen sich viel zu blutleer (nicht im wortwörtlich Sinne) an, um den Zuschauer gebannt fesseln zu können. Einige Sequenzen sind recht kurzweilig und auch die musikalische Untermalung hinterlässt nicht den schlechtesten Eindruck. Doch insgesamt reicht dies nicht aus, um über die eklatanten Schwächen der Pilotfolge hinwegsehen zu können.
Man versucht zwar, mit einigen expliziten Szenen zu punkten, wobei auch der eine oder andere Gag sitzen mag (Stichwort „Blackbeard“), jedoch bleibt es insgesamt bei einem eher müden oder gar „ironischen“ Lächeln. Black Sails hätte durchaus Potential, eine Piratenserie von Format zu sein, würde man nicht unentwegt der Devise style over substance folgen.
Die Zeichen scheinen bereits jetzt auf Mast- und Schotbruch zu stehen, was durchaus ärgerlich ist. Die Unkenrufe waren im Vorhinein zahlreich, hatten doch viele ihre Zweifel, ob mit einem Produzenten wie Michael Bay an Bord ein gehaltvolles Format herauskommen könnte. Ohne Frage wird Black Sails sein Publikum finden und dieses wird sicherlich seinen Spaß an den actionreichen Seegefechten, blutigen Säbelkämpfen und heißen Südseeliebeleien haben. Starz selbst hat zumindest Vertrauen in das Projekt, hat man doch bereits eine zweite zehnteilige Staffel bestellt. Dennoch werden viele Zuschauer schon nach der ersten Folge die Segel streichen, was man ihnen nur schwer verübeln kann. Natürlich sollte man nicht zu früh über „Black Sails“ urteilen, doch nach der Pilotepisode überwiegt vor allem ein Gefühl der Langeweile und Enttäuschung.