Black Sails 4x10

© oby Stephens in âBlack Sailsâ / (c) Starz
Wow!
Was die letzten 70 (!) Minuten von Black Sails hier abliefern, kann sich durchweg sehenlassen. Im Vorfeld konnte man sich nĂ€mlich nicht sicher sein, ob auch fĂŒr jede Figur ein passendes und vor allem rundes Ende gefunden wird. Jetzt ist der Ton der Serie oft eher dĂŒster, so dass sich im Serienfinale mit diversen Verlusten hĂ€tte rechnen lassen. Aber diesen Weg geht XXXVIII. ĂŒberraschenderweise nicht. Vielmehr winkt (fast) allen unserer Piraten ein Happy End - jedenfalls in der einen oder anderen Form. Unter anderen UmstĂ€nden lieĂe sich dieses unerwartet gute Ende fĂŒr die Beteiligten sicher monieren - aber es passt hier hervorragend.
Neben einer wieder einmal sehr gelungenen Actionsequenz, deren Höhepunkt wohl eindeutig der Kampf zwischen Captain Flint (Toby Stephens) und Billy Bones (Tom Hopper) war, kommen in der zweiten HĂ€lfte vermehrt wieder die charakterlichen Momente zur Geltung. Und hier braucht sich kaum jemand zu verstecken. Gerade die wichtigsten Figuren - Silver (Luke Arnold), Rackham (Toby Schmitz), Flint und Madi (Zethu Dlomo) - können noch einmal auftrumpfen und die Darsteller ihr schauspielerisches Talent zum Besten geben. Aber auch bei den Figuren, die weniger Screentime erhalten oder gar bloĂ am Rande vorkommen, dĂŒrfen wir uns ĂŒber den Ausgang der Geschichte freuen.
Mit der EinfĂŒhrung von Mark Read alias Mary Read (Cara Roberts) wird uns zudem noch aufgezeigt, dass die Reise einiger Figuren noch lange nicht zu Ende ist, auch wenn das Kapitel des Schatzinsel-Prequels definitiv und Ă€uĂerst zufriedenstellend beendet wurde. Denn die weiteren Abenteuer von Jack, Anne (Clara Paget) und Mary sowie eventuell von Max (Jessica Parker Kennedy) und Featherstone (Craig Jackson) wĂ€ren Teil einer anderen Geschichte - vielleicht gar ein HintertĂŒrchen fĂŒr ein Spin-off, wer weiĂ.

Kampf
Der actionreiche Teil der Episode findet sich in der ersten HĂ€lfte der Folge. FĂŒr Flint, Silver und Hands (David Wilmot) sah es am Ende von XXXVII. nicht gerade rosig aus, denn ihr Schiff wurde versenkt und was noch von der Mannschaft ĂŒbrig war, hatte Rogers (Luke Roberts) und seine MĂ€nner sowie einen gewissen Billy Bones im RĂŒcken. Wir konnten also gut bangen, ob und wie es unseren Figuren gelingen wĂŒrde, noch davonzukommen oder gar den SpieĂ umzudrehen.
Die Antwort kommt nicht ganz unerwartet in Form von Jack Rackham daher, der den Weg nach Skeleton Island tatsĂ€chlich gefunden hat. Und gerade noch rechtzeitig. Ohne Jack wĂ€re das Schicksal unserer Piraten sicher besiegelt gewesen und Rogers hĂ€tte doch noch einen Sieg verbuchen und eventuell auch noch den Schatz einheimsen können. Dank Rackham werden die Fronten aber zunĂ€chst wieder ausgeglichen und was dann folgt, ist jede Menge Piraten-Action vom feinsten. Denn Flint liegt richtig: Jetzt mĂŒssen sie Rogers am Schlafittchen packen und jedwede Differenzen vorerst beilegen.
Dabei wird uns gleich in mehreren Formen Spannung vermittelt. Denn wir wissen, was Jack mit Flint vorhat, wir können uns nicht sicher sein, ob Silver zu Madi vordringen wird (und ob diese nach dem Treffen mit Billy noch lebt) oder gar, wer bei den ZweikĂ€mpfen die Oberhand behĂ€lt. Eines der Highlights (wenn nicht gar das Highlight) war da selbstredend der Kampf zwischen Bones und Flint. Es war der nackte Wahnsinn, was die beiden da in der Höhe veranstalteten. Der finale Kampf zwischen zwei Figuren, auf den bereits in der ersten Staffel hingearbeitet wurde - auch wenn die beiden Charaktere im Serienverlauf immer wieder gemeinsame Sache gemacht haben. Zwar lieĂe sich monieren, dass Billy wie schon damals von Flint ins Wasser geschickt wird und erneut ĂŒberlebt, womit ein leicht unangenehmer Wiederholungsfaktor auftritt. Aber darĂŒber lĂ€sst sich gerne hinwegsehen - Billy strandet schlieĂlich auf Skeleton Island, ist raus aus der Geschichte von Black Sails und kann somit in Robert Louis Stevensons Buch wieder auftreten.
Rackham vs. Rogers
Ein anderer spannender Zweikampf findet zwischen Woodes Rogers und Jack Rackham statt (wobei Flint da noch mitmischt). Etwas weniger spektakulĂ€r, zugegeben, aber ebenfalls eine Auseinandersetzung, die unbedingt noch passieren musste. SchlieĂlich hatte Jack noch eine Rechnung mit Rogers offen und die wird jetzt beglichen.
Als Zuschauer hĂ€tte man da (mit Blick auf Blackbeards (Ray Stevenson) letzte Szenen und mit Annes Verletzungen im Hinterkopf) sicher im Anschluss erwartet, dass Rackham den Gouverneur von Nassau Kiel holen lĂ€sst. Aber das Schicksal, welches Jack fĂŒr Woodes im Sinn hat, dĂŒrfte die weit schlimmere Strafe als ein qualvoller Tod sein. Besiegt, gebrochen, alleine und jegliches Ansehen verloren, wird Rogers in der Heimat vor Gericht gestellt und verurteilt. Historisch nicht ganz korrekt, aber fĂŒr die Figur unserer Serie ein passendes, bitteres Ende - zumal wir wissen, wie wichtig unserem Jack die GeschichtsbĂŒcher sind. Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass er Rogers Versagen und Untergang darin festgehalten sehen will, denn es ist die wohl schlimmste Strafe, die Jack sich vorstellen kann.

Madis Rettung
Der dritte Punkt, der sich wĂ€hrend des Kampfgeschehens im Inneren von Rogers Schiff abspielt, ist die Suche von Silver nach seiner geliebten Madi. Dabei stöĂt er zunĂ€chst auf den Koch (Luke Tyler), was uns noch einmal in Erinnerung ruft, auf welchem Entwicklungsstand unser einbeiniger Pirat einst war (lang, lang ist es her). Auch hier wird die Spannung hochgehalten. Wir können zwar vermuten, dass Billy sie am Leben lieĂ, aber wirklich sicher können wir und Silver uns erst sein, als sie sich bewegt. Ein wahrlich erlösender Moment, der seine Wirkung nicht verfehlt und auch auf die TrĂ€nendrĂŒse drĂŒckt.
Silver vs. Flint
Mit dem Sieg ĂŒber Rogers war aber noch nicht klar, wie es mit unseren Hauptfiguren weitergeht. Wir erinnern uns kurz, was Jack Marion Guthrie (Harriet Walter) versprechen musste und haben auch im Hinterkopf, dass Silver letzte Woche noch im tödlichen Duell mit Flint stand. Zwar wurde Madi jetzt gerettet, aber Flints PlĂ€ne vom groĂen Krieg und der eigenen Piratennation - PlĂ€ne, die er weiterhin umzusetzen gedenkt - lassen es nur als eine Frage der Zeit erscheinen, wann Madis Leben erneut bedroht wird. Und Silver ist nicht gewillt, diesen Weg zu gehen.
Die erneute Auseinandersetzung zwischen den beiden und nachdem Flint ahnt, dass ihm jemand in den RĂŒcken fallen wird, sobald er den kleinen Trupp zum Schatz gefĂŒhrt hat, ist vorrangig verbaler Natur. Und dieser Dialog kann sich sehen lassen, greift er doch sĂ€mtliche Pros und Kontras auf, die ein solcher Krieg mit sich bringen wĂŒrde beziehungsweise bereits mit sich gebracht hat. Argumentativ lassen sich beide Seiten nachvollziehen und Flints leicht metaphorische AusfĂŒhrungen geben dem GesprĂ€ch genau die DĂŒsternis, die es trotz des schönen Ambientes braucht.
Mit Blick auf die Eröffnungsszenen dieser Woche lieĂ sich der Ausgang der finalen Konfrontation zwischen den beiden erahnen, denn das Thema Thomas Hamilton (Rupert Penry-Jones) wird dort bereits unmissverstĂ€ndlich aufgegriffen. Dennoch kommt die Gewissheit erst spĂ€ter, als Madi von John folgende Worte zu hören bekommt: „I did not kill Captain Flint. I unmade him.“
Und das hat Silver in der Tat geschafft. In gewisser Weise ist âCaptain Flintâ im Serienfinale gestorben. Der Verlust von Thomas war die Ursache fĂŒr seinen Kampf, der Anlass fĂŒr seinen Weg in die (nicht nur sprichwörtliche) Dunkelheit - aber jetzt erfĂ€hrt er, dass Thomas noch lebt. Zwar muss Flint seine Freiheit und sein gesamtes Vorhaben aufgeben. Aber die Aussicht auf einen Lebensabend mit Thomas ist natĂŒrlich all das wert. Flints Kampf ist damit zu Ende, seine Geschichte abgeschlossen. Die Welt wird ihn nicht wiedersehen, aber er darf seinen Thomas gegen Ende in die Arme schlieĂen. Wer hĂ€tte schon gedacht, dass Flints Reise derart romantisch zu Ende gefĂŒhrt wird?

Madi und Silver
Das Ende von Flint und die Tatsache, dass der Urca-Schatz in seinem Versteck bleibt, lassen aber nicht nur den Traum von einer Piratennation platzen. Auch Madis Sklavenaufstand wird zu einem Ende gebracht und sich nun nicht mehr wie ein Lauffeuer verbreiten. Zudem hat Silver das Abkommen dazu hinter Madis RĂŒcken durchgesetzt, wodurch seine Dame nicht mehr gut auf ihn zu sprechen ist. Hinzu kommt noch die Erkenntnis, dass Silver bereits vor dem Angriff der Spanier auf Nassau jemanden losschickte, um in Erfahrung zu bringen, ob Thomas noch lebt und wo dieser sich aufhĂ€lt - John hat also schon von langer Hand geplant, Flints PlĂ€nen ein Ende zu bereiten und Madi nicht in dieses Vorhaben eingeweiht (was sicherlich auch auf Widerstand gestoĂen wĂ€re).
Hat Silver sich somit sein eigenes GlĂŒck verbaut, obwohl er mit seinem Vorgehen im Sinn hatte, eine gemeinsame (und sichere) Zukunft mit Madi zu fĂŒhren? Die letzte Szene mit den beiden lĂ€sst da sicherlich noch ein wenig Interpretationsspielraum zu. Aber bei Silvers HartnĂ€ckigkeit und alleine durch Madis Erscheinen bei ihm dĂŒrfte uns nahegelegt werden, dass den beiden noch einige gute Jahre bevorstehen werden. Jedenfalls bis die Schatzsuche John wieder packt. Aber das ist - wie wir alle wissen - eine andere Geschichte.
Philadelphia und Nassau
Die letzten Fragen, die jetzt noch offen sind, betreffen Max, Anne, Jack und Marion Guthrie. Der Deal war offensichtlich trotz der Absage von Max, sich jemanden zum Mann zu nehmen, um an dessen Seite die Geschehnisse in Nassau zu lenken, noch nicht vom Tisch. Es wird also weiterverhandelt, wobei Jack zurĂŒckkehrt und zusammen mit Max genau die richtigen Worte findet, um Marions UnterstĂŒtzung zu sichern.
Die AusfĂŒhrungen der beiden gegenĂŒber Marion waren - wie so viele Worte in dieser Episode - recht grandios. Alleine schon, wie mit dem Thema âFlintâ umgegangen wurde, konnte sich sehen lassen. Aber der Clou war sicherlich, dass Featherstone zum neuen Gouverneur von Nassau gemacht wird. Diese eher unscheinbare Figur, die sich oft am Rande der Geschichte aufhielt, aber trotzdem viele wichtige BeitrĂ€ge lieferte, darf also fortan die Geschehnisse in Nassau lenken. Wobei uns natĂŒrlich klar ist, dass eigentlich Max - zurĂŒck in alten Gefilden - die wahre Lenkerin ist. Schöne Lösung.

Und Jack und Anne? Tja, die bekommen so gesehen auch ein gutes Ende. Piratentum vom Tisch? Nein, wie Mary Read schon richtig vermutet, sieht die Zukunft von Anne und Jack da etwas anders aus. Was die drei betrifft, lieĂen sich da bestimmt noch ein paar tolle (Piraten-)Geschichten erzĂ€hlen. Aber die gehören nicht in ein Schatzinsel-Prequel, sondern in eine eigene Reihe.
Zuletzt sei hier dann noch angemerkt, dass man das Ende kaum besser hĂ€tte gestalten können. Jack und Anne auf dem Weg ins nĂ€chste Abenteuer und dazu die letzte Einstellung auf eine Flagge, wie sie der historische âCalico Jack Rackhamâ tatsĂ€chlich entworfen haben soll: Der allseits bekannte Jolly Roger.
Fazit
Ein solches (positives) Ende hĂ€tte man mit Sicherheit nicht erwartet. Aber es ist perfekt. Jeder Figur wird Tribut gezollt, alle FĂ€den passend zu Ende gestrickt. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nehmen wir Abschied und sind dankbar fĂŒr vier tolle Jahre. Vielleicht dĂŒrfen wir einige Figuren in Zukunft noch einmal wiedersehen - sei es in einer Neuverfilmung der âSchatzinselâ oder in einem Spin-off ĂŒber Jack Rackham, Anne Bonny und Mary Read. Vielleicht auch nicht. In jedem Fall war es aber eine tolle Reise, die uns Black Sails beschert hat. Vielleicht nicht immer perfekt, aber doch groĂartig genug, um ĂŒber gewisse Tiefs hinwegsehen zu lassen. Meine Wertung fĂŒr das Serienfinale? Fraglos die volle Punktzahl - unter fĂŒnf Sternen geht da nichts.
Verfasser: Christian SchÀfer am Dienstag, 4. April 2017Black Sails 4x10 Trailer
(Black Sails 4x10)
Schauspieler in der Episode Black Sails 4x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?