Black Sails 1x08

Daheim in Nassau
Als Charles Vane (Zach McGowan) letzte Woche Albinus (Garth Collins) aus dem Weg gerĂ€umt hat und zuvor bereits PlĂ€ne fĂŒr einen Ăberfall auf Nassau hat durchklingen lassen, waren die Zeichen fĂŒr das Finale an Land bereits gesetzt. So war es wenig verwunderlich, dass gerade in dem Moment als Eleanor (Hannah New) ihre Position wieder gefestigt und den Handel in Nassau wiederbelebt hat, Kanonenfeuer aus dem Fort ertönt und Vane damit seine RĂŒckkehr ankĂŒndigt.
Wer jetzt allerdings einen offenen Kampf zwischen Vanes neuen Leuten und den MĂ€nnern um KapitĂ€n Hornigold (Patrick Lyster) erwartet hat, dĂŒrfte wohl enttĂ€uscht sein - es bleibt bei einem kurzen einseitigen Feuerwerk. Kurioserweise ist Vane keinesfalls auf blinde Rache aus. Sein Plan ist es vielmehr, eine Partnerschaft mit Eleanor zu erzwingen - womit er auch Erfolg hat.
Somit hat Vane jetzt seinen Weg zurĂŒck aus dem Nichts gefunden und steht zumindest geschĂ€ftlich an der Seite von Eleanor. Wie lange dieses Arrangement hĂ€lt, wird die zweite Staffel von Black Sails zeigen, wobei Eleanor schon angekĂŒndigt hat, dass er sich vorsehen muss. Wie Max (Jessica Parker Kennedy) treffend bemerkt: „On sand nothing is fixed, nothing is permanent. Fates change so quickly.“ In Bezug auf die Figuren in Nassau trifft diese Aussage den Nagel auf den Kopf. Egal, ob man jetzt Vane, Eleanor, Max oder eine andere Figur betrachtet: Die Dinge Ă€ndern sich schnell. Wer heute noch eine gehobene Position hat, kann schnell wieder ganz unten stehen und umgekehrt.
Jack (Toby Schmitz) und Anne (Clara Paget) bekommen ebenfalls Besuch von Vane. Auch hier kommt es nicht zu einer harten Konfrontation, obwohl die beiden einige von Vanes MĂ€nnern aus dem Weg gerĂ€umt haben. Als Strafe kĂŒndigt er lediglich an, dass Jack niemals wieder als Quartiermeister tĂ€tig sein wird. Mit Blick darauf, wie gut das GeschĂ€ft im Hurenhaus floriert, ist ihm diese âStrafeâ sicher recht. AuĂerdem hat er zuvor kein Wort darĂŒber verloren, wieder - mit wem auch immer - in See stechen zu wollen.
Die weiteren Handlungen in und um das ProstituiertengeschĂ€ft sind ohnehin nicht weiter erwĂ€hnenswert. Mit der Hilfe von Max haben Jack und Anne ein geregeltes Einkommen fĂŒr sich erschlossen und die anfĂ€nglichen Widrigkeiten aus dem Weg gerĂ€umt. Gleichzeitig hat sich Max als GeschĂ€ftsfrau bewiesen und ihren Status wieder verbessert. Auch wenn das VerhĂ€ltnis zwischen Max und Eleanor weiterhin kĂŒhl bleibt, liegt hier vorĂŒbergehend ein Waffenstillstand vor.
Zu den anderen Figuren gibt es höchstens ErwĂ€hnungen am Rande. Mrs. Barlow (Louise Barnes) bleibt der Handlung gĂ€nzlich fern, wĂ€hrend Richard Guthrie (Sean Michael) sicher in der kommenden Staffel noch Probleme mit seiner Tochter bekommen wird. Insgesamt bleibt die Handlung in Nassau damit hinter den Erwartungen zurĂŒck und vergleichsweise ruhig. Der nĂ€chste Aufruhr steht wohl erst dann ins Haus, wenn KapitĂ€n Flint (Toby Stephens) zurĂŒck kehrt - ob mit oder ohne Beute, muss sich erst noch zeigen.
Zur See
WĂ€hrend die âWalrusâ und die âRangerâ auf Beutezug sind, steigt die Spannung fast ins Unermessliche. Zu viele Leute wissen bereits um die Wege Bescheid, die KapitĂ€n Flint bereitwillig in Kauf nimmt, um die âUrca de Limaâ zu kapern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Lage schlieĂlich explodiert, ohne dass der erste Kanonenschuss abgegeben wurde.
Einige der besten Szenen sind dabei Flint und Gates (Mark Ryan) vorbehalten. Die beiden sind bereits durch dick und dĂŒnn gegangen und als beide sich bei einem Drink gegenseitig alte Geschichten erzĂ€hlen, sieht es fĂŒr kurze Zeit so aus als wenn die neuesten Geschehnisse weniger schwer wiegen als Gates letzte Folge durchblicken lassen hat. Solange jedenfalls, bis Billys (Tom Hopper) Name fĂ€llt.
Die wirklich unangenehme Ăberraschung taucht in Form einer spanischen Kriegsgaleone auf. Offenbar hat die âUrca de Limaâ - die weiterhin nicht in Sicht ist - doch eine Eskorte dabei und die sorgt fĂŒr ErnĂŒchterung. Sowohl Gates als auch Dufresne (Jannes Eiselen) und De Groot (Andre Jacobs) halten die AngriffsplĂ€ne von Flint fĂŒr aussichtslos und wollen den Plan abbrechen. In einem GesprĂ€ch unter vier Augen kommt es schlieĂlich zur letzten Auseinandersetzung zwischen Gates und Flint.
Wenn es zuvor noch Zweifel daran gab, ob Flint bei Billys Sturz nachgeholfen hat, dĂŒrften die sich nun zerstreut haben. Wir bekommen erster Hand zu sehen, was Flint alles bereit ist zu tun und das schlieĂt auch die Ermordung von Gates mit ein, der mit der âRangerâ das Weite suchen wollte. Dennoch hĂ€tte er Flint vor der Mannschaft soweit verteidigt, dass dieser hĂ€tte nach Boston aufbrechen können. So kaltblĂŒtig der Mord an Gates vollzogen wird, so schwer wiegt er auf Flint. Nicht nachgeben und das Ziel verfolgen ist zwar am Ende fĂŒr Flint wichtiger als das Leben eines Vertrauten, dennoch nimmt ihn die eigene Tat mit und er erkennt gleich darauf, dass er damit zu weit gegangen ist: „There is no way out of this.“
Sein GlĂŒck, dass der findige John Silver (Luke Arnold) der erste ist, der Flint und den toten Gates entdeckt. „Take it from me. There's always a way.“ - dass das kein leerer Spruch ist, durfte Silver schon öfter demonstrieren und hier tut sich fĂŒr ihn die groĂe Chance auf, endlich bei Flint den nötigen Eindruck zu schinden und die eigene Haut zu retten, nachdem er den Trumpf mit der gemerkten Route der âUrca de Limaâ bereits ausspielen musste.
Dufresne und De Groot lassen sich ĂŒberzeugen, dass sie den gewitzten Plan um das spanische Kriegsschiff soweit mitmachen, bis der Angriff darauf unmittelbar bevor steht. Dufresne hat dabei einen Brief von Gates als Joker in der Tasche, um die Mannschaft zu ĂŒberzeugen. Aber Randall (Lawrence Joffe) verhilft ĂŒberraschend Silver aus der Gewalt von De Groot und dieser feuert den ersten Schuss auf das spanische Kriegsschiff ab. Der Angriff wird damit unausweichlich und liefert die bis dato eindrucksvollste Schlacht der Serie.
Bereits in der Folge V. gab es einige chaotische Bilder zu sehen als die Piraten ein feindliches Schiff kaperten. Diesmal findet der Kampf aus der Ferne statt und der Kanonendonner und die EinschlĂ€ge der Kugeln sorgen fĂŒr Chaos an Bord. Dabei wird auch klar, weshalb Gates so kritisch diesem Angriff gegenĂŒber stand, denn die Feuerkraft der Kriegsgaleone ist gewaltig und der Verlauf der Schlacht trotz Ăberraschungsangriff alles andere als gut fĂŒr die âWalrusâ und die âRangerâ. Passend dazu sehen wir, wie auch Flint bei einem Kanonenschlag ins Wasser geschleudert wird und scheinbar dem Schicksal entgegen eilt, welches Gates zuvor prophezeite: „There are no legacies in this life, are there? No monuments, no history. Just the water. It pays us and then it claims us - swallows us all. As if we've never been here at all.“
Wie Flint sich scheinbar den Tiefen des Meeres hingibt, hĂ€tte schon einen guten Cliffhanger abgegeben. Aber ganz so hoffnungslos entlĂ€sst uns Black Sails nicht in die Pause zwischen den Staffeln. Wir kriegen noch zu sehen, wie die schwer angeschlagene âWalrusâ mitsamt den wichtigsten Figuren am nahegelegenen Strand vorerst in Sicherheit ist. Wie sich herausstellt, hatte die âUrca de Limaâ beim vorherigen Sturm weniger GlĂŒck und die Aussicht auf groĂe Beute bleibt mit dem Cliffhanger bestehen.
Eindruck nach der ersten Staffel
Als Zuschauer steckt man von Anfang an in der Mitte eines Geschehens, welches kaum SympathietrĂ€ger oder Identifikationsfiguren bietet. Es dauert somit eine Weile, bis sich Figuren zum Mitfiebern finden. Dabei gelingt es den Autoren, ein beeindruckendes Figurengeflecht zu kreieren und ein Weltbild ins Leben zu rufen, welches nicht unbedingt historisch akkurat, aber doch sehr glaubwĂŒrdig daher kommt. Auch die mĂ€chtigsten Charaktere sind dabei auf Hilfe angewiesen. Durch Verrat oder neue BĂŒndnisse kann jeder einzelne von jetzt auf gleich tief fallen oder aber empor steigen. Eine Atempause fĂŒr den Zuschauer gibt es dabei nur selten, stets verĂ€ndern sich die Situationen und bleiben - Ă€hnlich wie die See - in Bewegung. Mal kontinuierlich und wie zu erwarten, mal ĂŒberraschend und chaotisch. FĂŒr eine Piratenserie findet dabei ĂŒberraschend viel Handlung an Land statt. Umso intensiver werden dann aber die Szenen auf See vom Zuschauer wahrgenommen.
Sollte es in der Art mit der zweiten Staffel weitergehen, wĂ€re der Rezensent weiterhin sehr zufrieden mit der Serie. Es wird im Sommer interessant werden zu sehen, wie sich Crossbones auf NBC schlĂ€gt. Starz hat mit Black Sails ganz gut vorgelegt - ob âBlackbeardâ John Malkovich Ă€hnliches zu vollbringen vermag?
Fazit: Charles Vane ist zurĂŒck und ĂŒberraschend gnĂ€dig, was die Handlungen in Nassau im Vergleich zum Sturm auf See wie eine leichte Flaute wirken lĂ€sst. DafĂŒr aber kommen die Geschehnisse um Flint und seine Mannschaft mit voller Breitseite auf den Zuschauer zu. Inklusive zahlreicher Ăberraschungen, die das Geschehen zum bisher spannendsten machen, was die Serie zu bieten hatte. Die zweite Staffel könnte schon gerne nĂ€chste Woche auf Sendung gehen, die Wartezeit wird lang. 4,5 von 5 Sternen.
Verfasser: Christian SchÀfer am Sonntag, 16. MÀrz 2014Black Sails 1x08 Trailer
(Black Sails 1x08)
Schauspieler in der Episode Black Sails 1x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?