Black Rabbit 1x01

© Netflix
Das passiert in der Serie „Black Rabbit“
Jake (Jude Law) hat es in Black Rabbit geschafft. Mit seiner Kombination aus Sterneküche und Yuppiebar ist er kurz davor ganz oben anzukommen. Dafür arbeiten er und sein Team hart, bis eines Tages sein missratener Bruder Vince (Jason Bateman) mit einem riesigen Schuldenberg im Gepäck auftaucht, die er bei einem miesen Gangsterboss gemacht hat.
Nichts von dessen Schwierigkeiten ahnend, nimmt Jake Vince auf und lässt ihn in seiner Bar arbeiten, bis das Chaos in Form eines brutalen Überfalls über die beiden hereinbricht. Schnell wird klar, dass Vince sich mit Leuten angelegt hat, die keinen Spaß verstehen und vor nichts zurückschrecken, um zu bekommen, was sie wollen...
Anders als erwartet
Kennt Ihr das? Da wird eine Serie mit einem Eurer Lieblingsstars in der Hauptrolle angekündigt und man freut sich ohne Ende. Schließlich ist die Schauspielerin oder der Schauspieler nicht nur berühmt, sondern in den eigenen Augen so gut, dass man sich gar nicht vorstellen will, es könnte ein Flop werden. Umso enttäuschter ist man dann, wenn es doch geschieht...
Zugegeben, die obige Einleitung mag vielleicht ein wenig übertrieben sein, denn ein totaler Flop wird Jude Laws neuestes Projekt namens „Black Rabbit“ wohl nicht werden. Wirklich gut ist zumindest die Pilotfolge aber eben auch nicht - und das ist in Zeiten des seriellen Überflusses ein nicht zu unterschätzendes Problem.
Liest man die Besetzungs-Liste der Mixtur aus Thrillerserie und Dramaserie, geht man nämlich tatsächlich zunächst davon aus, dass eigentlich nicht viel schiefgehen kann. Mit Jude Law und Jason Bateman in den Hauptrollen stehen zwei erfahrene Darsteller an der Spitze des Casts, die eine interessante Kombination ergeben sollten. Hinzu gesellen sich Abbey Lee (Waco: The Aftermath), Odessa Young (The Stand), Darmara Dominczyk (Succession, Hello Tomorrow!) sowie der aus Foundation bekannte gehörlose Darsteller Troy Kotsur.
Langatmig
Beste Voraussetzungen also, um eine spannende Geschichte in beeindruckenden Bildern auf die Beine zu stellen, sollte man meinen. Dass genau das aber nicht gelingt, wird spätestens nach zehn der circa fünfzig Minuten dauernden Pilotfolge deutlich, die in vielen Belangen ungeschliffen und holprig daherkommt.
Das beginnt schon mit einer unglücklich geschriebenen Figurenkonstellation. Jude Laws Hauptfigur Jake ist ein aufstrebender Restaurantbesitzer, der gerade den Aufstieg in die erste Liga feiert, als er und seine Gäste brutal überfallen werden. Eine Serie mit einer packenden Actionsequenz beginnen zu lassen, ist gute alte Hollywoodschule und grundsätzlich niemals eine schlechte Idee, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken.
Gäbe es da nicht zwei unschöne Umstände: Erstens ist uns Jake vollkommen egal, da wir lediglich über ihn wissen, dass er eben das Black Rabbit besitzt und ehrgeizig ist. Zweitens dauert das Vorgeplänkel bis zu besagtem Überfall zu lang. Da sehen wir zwei uns unbekannte Gangster, die noch schnell eine Nase Kokain zu sich nehmen und dann durch eine Gasse bis zu einer Hintertür laufen. Diese wird mit einem Schlüssel geöffnet und die Protagonisten laufen durch einen endlos lang erscheinenden Flur eine endlos lang erscheinende Treppe hinauf.
Da gerät man beim Zuschauen beinahe selbst ins Schwitzen, leider jedoch nicht vor Spannung. Es ist ja gar nicht mal so, dass das Ereignis als solches uninteressant wäre, es ist nur einfach nicht spannend inszeniert, womit der erste Dämpfer quasi vorprogrammiert ist.
Beziehungsprobleme
Ähnliches gilt für die Hauptfiguren selbst. Jake und Vince sind Brüder und könnten unterschiedlicher nicht sein. In jungen Jahren gründeten sie mit ihrem Freund Wes (Sope Dirisu) die Band „Black Rabbit“ und kauften später gemeinsam die Bar. Während der eine aber mit Mut, Kraft und Fleiß seinen Traum von einem Sternelokal verwirklichte, wurde der andere zum herumstreunenden Drogensüchtigen.
Zu allem Überfluss zieht er auch noch Ärger magisch an. Er macht Schulden bei Kredithaien und Gangsterbossen, trifft ständig dumme Entscheidungen und zieht die Menschen, die ihn lieben in seine Schwierigkeiten hinein. Statt aus dieser brandgefährlichen Mischung aber ein ähnlich toxisches Beziehungsgeflecht zu machen, wie wir es beispielsweise jüngst in der dänischen Dramaserie „Secrets“ erleben konnten, plätschert das Wiedersehen der Brüder wie ein ruhiges Bächlein vor sich dahin.
Ob und mit wem Vince Probleme hat, wie loyal Jake zu ihm steht, obwohl er ihn immer wieder um Geld anbettelt und in Schwierigkeiten bringt: all das ist uns letztlich genauso herzlich egal wie Jakes Umgang mit seinen Angestellten. Es gibt einfach so gut wie keinen Dialog in der Pilotfolge, der das Potential hat, echtes Interesse zu erwecken oder im besten Fall sogar eine Beziehung zu den Protagonisten aufzubauen. Wie soll ich mich als Zuschauer aber auf eine Handlung einlassen können, wenn schon die beteiligten Figuren nicht das geringste Identifikationspotential besitzen?
Am Ziel vorbei - oder darüber hinaus

Was mich persönlich anbelangt, fühlt sich die Pilotfolge in jeder Hinsicht an meinen Erwartungen vorbeigeschrieben an. Wenn ein an sich so starkes Ensemble involviert ist, möchte ich es auf emotionaler Ebene nicht nur knistern, sondern lodern sehen. Selbst den hauptsächlich um Vince herumorchestrierten Actionszenen gelingt es nicht, so etwas wie Sympathie oder Antipathie zu generieren.
Zwei Beispiele sollen das verdeutlichen: In einer Szene versucht der Drogensüchtige die aus dem Haus seiner Familie geklaute Münzsammlung zu verhökern, gerät dabei aber an zwei Gauner. Sie nehmen ihn aus und Vince ist so wütend, dass er einen der beiden Gangster mit seinem Auto überfährt. Der andere schießt auf ihn, bis das Magazin leer ist. Nun steigt Vince aus dem Wagen, um sich den Schützen vorzunehmen. Statt die Situation aber eskalieren zu lassen, gibt der Räuber Fersengeld. Vince läuft ihm noch einige Meter hinterher und die Action findet ein ebenso nichtssagendes wie langweiliges Ende.
In einer zweiten Szene verfolgen ihn in New York zwei Schläger, bei denen er 140.000 Dollar Schulden angehäuft hat, nachts in einen einsamen Park. Sie stellen und bedrohen ihn, doch Vince kommt am Ende mit einem kleinen Schnitt in den Finger davon. Nicht einmal ein paar Fausthiebe in den Magen oder ein kräftiger Schlag ins Gesicht ist den Gorillas zu entlocken, die immerhin seit zwei Jahren hinter ihrem sauer ergaunerten Geld hinterherlaufen.
Schwächen
Beide Situationen sind ein Lehrstück dafür, wie man ein Drehbuch nicht schreiben sollte. Hohle Andeutungen und ein paar Drohgebärden erzeugen weder Spannung noch lassen sie uns an der jeweiligen Situation teilhaben. Vielmehr wähnen wir uns als Außenstehende, die nichts mit der Geschichte zu tun haben und schlimmer noch - es auch gar nicht wollen. Manchmal ist es ja gut und sogar innovativ, althergebrachte Schreibregeln und -muster zu durchbrechen, das darf aber niemals auf die Dynamik einer Szene gehen. Genau das geschieht in beiden Fällen aber, womit der Zauber der Immersion gebrochen ist.
Fazit
Ich will nicht abstreiten, dass sich „Black Rabbit“ schnell von seiner mittelmäßigen Pilotfolge erholen kann und am Ende eine spannende Geschichte erzählt. Ich habe aber nach den ersten 50 Minuten gar nicht mehr das Interesse, dies herauszufinden. Schade drum, gerade mit einem solchen Cast wäre so viel mehr drin gewesen...
Wir verteilen daher zweieinhalb von fünf Freigetränken im Black Rabbit.
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 18. September 2025Black Rabbit 1x01 Trailer
(Black Rabbit 1x01)
Schauspieler in der Episode Black Rabbit 1x01
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